Schulen schließen aufgrund der Corona-Krise - und in so mancher Familie bahnt sich ebenfalls eine Krise an. Die Kinder müssen den Lernstoff nun zu Hause schaffen. Keine Sorge, es wird gehen! Diese Tipps helfen, den Alltag zu meistern.

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Eltern sehen sich jetzt vor einer Herausforderung, von der sie vor wenigen Tagen noch nichts ahnten: Schulen haben geschlossen, die Kinder müssen zuhause lernen, irgendwie muss dafür gesorgt werden, dass sie das auch tun. Und zwar ohne, dass der große Frust und Lagerkoller aufkommt. Doch es wird gehen! Diese Tipps helfen, Kinder zum Lernen zu motivieren.

Wie komme ich an den Lernstoff?

Sofern es möglich ist, sollten Eltern bei den Lehrkräften oder der Schule nachfragen, welchen Stoff sie mit dem Kind wiederholen und lernen können, rät Ilka Hoffmann. Sie leitet im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft den Bereich Schule.

Oft ist es so geregelt, dass die Lehrer den Eltern via Elternsprecher den Stoff für eine Woche etwa per Mail zukommen lassen.

Woher bekomme ich Lernmaterial?

Manche Lehrer halten Aufgaben für zu Hause bereit, die Kinder dann machen können. Auch viele Schulbuchverlage bieten Zusatzmaterial an. "Das können Eltern über einen QR-Code im Buch oder auf den Internetseiten der Verlage finden", sagt Hoffmann.

Millionen Eltern, Kinder und Jugendliche müssen ihren Alltag neu planen.

Im Internet finden sich zudem zahlreiche Plattformen, die Arbeitsblätter anbieten. Eine gute Lern-App ist außerdem "Anton" für Schüler der Klassen eins bis acht.

Ein Service in Corona-Zeiten: Die Lern-Plattform Scoyo gibt Schülern zwei Wochen lang kostenlos Zugang, die von Schulschließungen betroffen sind.

Wie teile ich die Lernzeiten ein?

So geballt wie in der Schule müssen Eltern das Lernen zu Hause nicht gestalten. "Besser ist es, das Lernen über den Tag zu verteilen", rät Hoffmann - und dabei genügend Pausen einzubauen.

"Eltern können den Schulunterricht nicht simulieren", sagt Maresi Lassek, Bundesvorsitzende des Grundschulverbandes. Dennoch sei es wichtig, den Tag durch feste Abläufe zum Beispiel für das Aufstehen und für Mahlzeiten wie gewohnt zu strukturieren. Auch klare Absprachen für Zeiten zum Lernen helfen.

Eltern müssen sich auch nicht streng an den Stundenplan halten. "Lassen Sie das Kind die Reihenfolge aussuchen", rät Hoffmann. Damit kein Stoff zu kurz kommt, können Eltern aber auch sagen: "Gestern haben wir viel Mathe gemacht, dann kommt heute mehr Deutsch dran".

Tipp aus unserer Redaktion: Leiten Sie die Lernzeit mit beruhigender Musik ein. Hören die Kinder die beispielsweise die schönen Klänge von "Forrest Gump", wissen sie: Zeit aufzuräumen und sich fürs Lernen bereit zu machen. Viele Lehrer setzen diese Methode morgens in der Grundschule ein.

Ein Lerntagebuch führen hilft

Jüngere Kinder kann es motivieren, wenn man das Gelernte jeden Tag in eine Art Tagebuch einträgt. Dazu lassen sich einfach in einer Mappe Arbeitsblätter und Übungen einkleben.

"Dann kann das Kind darin blättern und stolz auf das Geschaffte sein", sagt Hoffmann. Positiver Nebeneffekt: Das Kind wiederholt Lerninhalte - und das ist immer gut.

Die Schule geht los und neben Schulranzen und Mäppchen gibt es noch viele andere wichtige Sachen für aufgeregte Erstklässler.

Eltern sollten nicht Lehrer spielen, Lernspiele ausprobieren!

Der Grundschulverband nimmt Eltern den Druck: Sie müssen jetzt nicht zu Hause Lehrer spielen. Statt auf das Abarbeiten von Lernstoff zu pochen, sollten sie sich auf Aktivitäten konzentrieren, die sonst zu kurz kommen. Am besten gestalten Eltern das Lernen anschaulich und spielerisch, empfiehlt Hoffmann - damit die Kinder nicht auf die Uhr schauen, sondern Spaß an der Sache haben und motiviert sind. Der Grundschulverband gibt Anregungen:

  • Lesen: Abhängig von der Lesestufe des Kindes kann das Vorlesen sein, aber auch eigenständiges Lesen, Partnerlesen und gegenseitiges Vorlesen. Der Lesestoff sollte dabei Interessen des Kindes treffen. "Es ist sinnvoll, sich mit dem Kind über das Gelesene auszutauschen", rät Maresi Lassek vom Grundschulverband. Man könne auch Fortsetzungsstränge weiterspinnen oder alternative Lösungsmöglichkeiten diskutieren.
  • Kopfrechnen: Plus und Minus im Zahlenraum bis 20, 100, 1000, sowie kleines Einmaleins. "Das sollte aber nicht so lange gehen wie eine Schulstunde, denn die Ansprache und Interaktion ist zu Hause viel intensiver", erklärt Lassek. Sie empfiehlt konzentrierte 10 bis 15 Minuten pro Tag. Statt in ein Mathebuch zu schauen, könnten Eltern bei jüngeren Kindern zum Beispiel Dosen mit Steinchen füllen und fragen, schlägt Hoffmann vor: Wie viele Steine fehlen, damit es zehn sind? Oder man entwickelt gemeinsam eine Geschichte und schreibt die Anfangsbuchstaben der Worte auf.
  • Bauen und Konstruieren: Das könne nach Bauanleitungen geschehen oder mit Bausteinen oder Materialien, die zu Hause vorhanden sind. Das schule technisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Handgeschicklichkeit, Feinmotorik, Wahrnehmung, Ausdauer und Geduld. Zu gelungenen Bauwerken schreiben viele Kinder auch gerne die Bauanleitungen für andere auf.
  • Kinderfilme schauen: und zwar gemeinsam. Danach kann man darüber reden, etwa über das Land oder die Region, in dem der Film spielt, welche Tiere dort leben und wie sie leben. Das könne man dann alles zusammen recherchieren.
  • Gesellschaftsspiele: "Dabei können Kinder viel lernen - etwa Ausdauer, Regelverhalten, Konzentration."
  • Kreatives: Man könne ein Lied oder szenische Darstellung einstudieren oder ein Gedicht lernen.
  • Musik zum Einsatz bringen: Darauf setzen viele Familien ohnehin schon, wenn es um Bildung geht. Tipp unserer Redaktion: Das Projekt "Junge Dichter und Denker" vermittelt mit Liedern spielerisch das Einmaleins oder deutsche Gedichte.
  • Ausflüge in die Natur: sofern sie möglich sind. Dabei können Tiere und Pflanzen fotografiert werden, die man nicht kennt, worüber man aber mehr wissen will. Dann kann zu Hause alles darüber in Lexika, in Sachbüchern oder im Internet recherchiert werden.

Bei allen Aktivitäten sollten Eltern die Kinder fragen, was sie interessiert, was sie wissen und tun wollen, und dann zu gemeinsamen Absprachen kommen. Beim Tagesablauf sei zwar eine Struktur wichtig, es sollte aber auf einen ausgewogenen Wechsel von fremdbestimmten und selbstbestimmten Tätigkeiten geachtet werden. "So beschwören Eltern keine unnötigen Konflikte herauf", meint Lassek.

Sie beruhigt zudem: "Wenn es an einem Tag noch nicht richtig funktioniert, dann klappt es eben am nächsten Tag. Die Hauptsache ist, man nimmt den Stress raus." (af/dpa)

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