• In Teilzeit arbeiten, dafür aber effizienter: Das verspricht eine Vier-Tage-Woche.
  • Allerdings müssen einige wichtige Punkte beücksichtigt werden, damit die Vier-Tage-Woche Arbeitende tatsächlich zufriedener macht.
  • Experten warnen vor Fallen, in die vor allem Frauen treten könnten.

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Mehr Freizeit, weniger Stress: Für viele ist die Vorstellung einer Vier-Tage-Woche die Lösung für ein zufriedeneres Berufsleben. Hat die kürzere Arbeitswoche tatsächlich einen so großen Einfluss? Und was muss man tun, um Vorgesetzte von seinem Wunsch zu überzeugen?

Ganz so einfach funktioniert die Formel "Vier-Tage-Woche gleich glücklicher" natürlich nicht. Es kommt sehr darauf, wie das Modell umgesetzt wird. "Eine Vier-Tage-Woche bedeutet nicht immer, dass ich tatsächlich meine Arbeitszeit reduziere", sagt Prof. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen.

40 Stunden in vier Tagen bringen keine Entspannung

Wer 40 Stunden in vier Tage packt, müsse sich darüber klar sein, dass er dann zehn Stunden und mehr am Tag mit Arbeit beschäftigt ist. Einfach nur eine normale Arbeitswoche in eine Vier-Tage-Woche umzuwandeln, bringt also meist nicht den erwünschten Effekt der Entlastung.

In manchen Fällen kann dies sogar zu mehr Belastung anstatt dem gewünschten Entspannungseffekt führen. Dessen sollten sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die einen Vollzeitjob in einer Dienstwoche mit "nur" vier Tagen unterbringen wollen, bewusst sein. Hilfreich kann es in solchen Fällen sein, mit dem mit Arbeitgeber vertraglich auf flexible Arbeitszeiten zu verständigen: So können sich Zeiten, in denen mal mehr, mal weniger zu tun ist, gegenseitig ausgleichen und den Angestellten somit wiederum mehr Flexibilität in der Verteilung ihrer Arbeitsstunden einräumen.

Mit dem Arbeitgeber unbedingt den Arbeitsumfang besprechen

Eine Vier-Tage-Woche kann also bedeuten, dass sich Arbeit intensiviert oder Erwerbstätige die fehlende Zeit kompensieren müssen. "In Deutschland entspricht die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit oft nicht der tatsächlichen Arbeitszeit", sagt Hannes Zacher, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie am Institut für Psychologie der Universität Leipzig.

Umso wichtiger ist es, mit dem Arbeitgeber darüber zu sprechen, wie eine Vier-Tage-Woche konkret aussehen könnte. Also etwa, ob sie überhaupt ohne eine Reduzierung der Stunden möglich ist oder ob Wochenstundenzahl und Arbeitsumfang an den Wunsch der Vier-Tage-Woche angepasst werden müssen.

Frauen sollten sich vor Teilzeitfalle hüten

"Gerade für Frauen besteht Gefahr, da in eine Teilzeitfalle zu geraten. Sie erleben dann sogar mehr Stress", sagt Zacher. Warum? Weil Frauen - vor allem dann, wenn sie bereits Mütter und erfahren sind mit Elternteilzeit - dazu neigen, den Arbeitsumfang eines Vollzeitjobs in der reduzierten Arbeitszeit unterbringen zu wollen. Oder aber ihre 40 Wochenstunden in vier Tage packen, dabei von Arbeitgeberseite aber als Teilzeitkräfte angesehen werden, weil sie an einem Tag der Woche ja nicht verfügbar sind.

Wichtig sei daher, von Beginn an zu klären, dass die Aufgaben der vertraglichen Arbeitszeit entsprechen. Wer also nur vier Tage arbeiten möchte, sollte auch die Wochenstundenzahl bei seinem Arbeitgeber reduzieren. Denn sonst endet der Wunsch entspannteren Leben durch mehr Achtsamkeit im Desaster.

Der erhoffte Teilzeiteffekt setzt schnell ein

Wer aber seine Arbeitszeit und seine Aufgaben tatsächlich reduzieren kann, und womöglich von 40 auf 32 Stunden geht, wird laut Rump einen Effekt merken. "Das ist dann der ganz normale Teilzeiteffekt."

Wer etwa an drei von sieben Tagen pro Woche nicht arbeitet, habe über 40 Prozent seiner Zeit zur freien Verfügung. "Also Zeit, in der ich Zeit-Souveränität und Zeit-Selbstbestimmung habe."

In Deutschland: Anspruch auf Arbeit in Teilzeit

Grundsätzlich haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland einen Anspruch darauf, in Teilzeit zu arbeiten, wie Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht, erklärt. Das gilt zumindest für alle, deren Arbeitgeber regelmäßig mehr als 15 Mitarbeitende beschäftigt und deren Arbeitsverhältnis seit mehr als sechs Monaten besteht.

Wichtig sei, dass Arbeitnehmer ihren Wunsch rechtzeitig und richtig vorbringen, so der Fachanwalt. Ablehnen kann der Arbeitgeber ein Teilzeitverlangen nur aus dringenden betrieblichen Gründen. "Da liegt die Latte sehr hoch", so der Arbeitsrechtsexperte. Bringt ein Unternehmen allerdings gute Gründe vor, weshalb eine Reduzierung der Arbeitsstunden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht möglich ist, ist der Antrag auf Teilzeit erstmal vom Tisch.

Kann ich mir das leisten?

Neben den rechtlichen Aspekten spielt die Frage eine Rolle, ob Beschäftigte es sich leisten können, in Teilzeit zu arbeiten. "Die Reduzierung der Arbeitszeit hat natürlich den Effekt, dass ich weniger Geld im Portemonnaie habe", sagt Jutta Rump.

Wer bislang in eine private Rentenversicherung eingezahlt oder sonstigen monatlichen Sparmaßnahmen nachgehen konnte, sollte sich durchrechnen, wie groß die finanziellen Einbußen durch die Reduzierung der Arbeitszeit wäre.

Entsprechend dieser Problematik und finanziellen Herausforderung verfolgen vor allem diejenigen den Wunsch nach einer Vier-Tage-Woche, die sich eher in der oberen Hälfte der Gehaltsskala bewegen.

Angst davor, wie die Entscheidung vom Umfeld wahrgenommen wird

Auch wenn es ein Recht darauf gibt, die Arbeitszeit zu reduzieren: Viele scheuen den Schritt, mit dem Wunsch zur Führungskraft zu gehen. Aber warum? "Es ist tatsächlich schwierig", sagt Hannes Zacher. "Wir haben in Deutschland eine ausgeprägte protestantische Arbeitsethik."

Das will heißen, dass sich Menschen hierzulande stark über ihre Arbeit oder ihren Beruf identifizieren. Dabei gilt leider noch immer das völlig falsche Bild: Nur wer hart arbeitet und buckelt, macht einen guten Job. Ein Bild, das in Teilzeit vermutlich nur schwer aufrecht zu erhalten wäre.

Vollzeit wird mit Engagement gleichgesetzt

"Es ist verpönt, weniger arbeiten zu wollen", sagt der Arbeitspsychologe. Erwerbstätige hätten oft Angst, als faul zu gelten und nehmen stattdessen zum Beispiel Leerlaufzeiten in Kauf, in denen eigentlich gar nichts zu tun ist.

"Neben der Präsenzkultur gibt es in Deutschland auch immer noch eine starke Vollzeitkultur." Es sei verbreitet, dass die Anzahl der Arbeitsstunden mit Leistungsbereitschaft und Engagement gleichgesetzt wird. "Die Forschung würde dagegen sagen, es ist sogar effektiver, fünf Stunden am Tag fokussiert zu arbeiten als acht Stunden, von denen man drei gar nicht wirklich etwas zu tun hat."

Die Effekte der Pandemie

So wäre die Vier-Tage-Woche also sogar eine Optimierung unserer Leistung. Vielleicht sind diese Ansichten mittlerweile auch schon weiter verbreitet - nicht zuletzt durch die Veränderungen, die Corona in der Arbeitswelt angestoßen hat.

"Ich glaube schon, dass die Pandemie noch mal zu einer Veränderung führen wird. Gerade die Frage, wie viel Bedeutung wir der Arbeit beimessen wollen, haben sich in den vergangenen Monaten viele gestellt", sagt Hannes Zacher. Viele Menschen sind daher zwar bereit, aus dem Homeoffice zurück ins Büro zu kehren, doch nur, wenn sich die Option in Fällen, in denen sie sich bewährt hat, beibehalten ließe.

Einige Unternehmen offener beim Thema Arbeitszeit

Ähnlich liegt der Fall bei Menschen, die in den vergangenen Monaten die Möglichkeit erhalten haben, ihre Arbeitszeit nicht mehr streng zwischen Dienstbeginn und Dienstende zu erledigen, sondern die Zeit flexibel zum Wohle der anfallenden Aufgaben und Tätigkeiten zu nutzen.

Deshalb rät Jutta Rump jedem, der über eine Veränderung seiner Arbeitszeiten nachdenkt: "Versucht es doch einfach! Was kann schon passieren?" Nie seien die Zeiten so günstig wie jetzt gewesen, an das Thema heranzugehen, "alleine durch die Diskussion um das Thema Homeoffice."

Resilienz wichtigeres Thema denn je

Zacher empfiehlt, einen Gesprächstermin mit der Führungskraft zu vereinbaren. In diesem festgelegten Termin sollten Erwerbstätige die Beweggründe nennen, warum sie ihre Arbeitszeit gerne reduzieren würden. "Wichtig ist, Verständnis für die andere Seite zu zeigen, dafür, dass beim Arbeitgeber dann Arbeitskraft fehlt." Auch bei der Führungskraft sei aber Offenheit gefragt.

Oft machen sich Beschäftigte schon im Vorhinein viele Gedanken wie: Sind nicht alle total gestresst, und gibt es nicht viel zu viel zu tun? Wie wird die Führungskraft da wohl das Anliegen aufnehmen?

Unternehmerisches Denken freut Arbeitgeber

Solche Zweifel können sogar hilfreich sein. "Wenn jemand das genau so vorbringt, und sich schon in die Situation des Arbeitgebers versetzt hat und dessen Position wahrnimmt, zeigt das: Die Person denkt unternehmerisch. Darüber kann man sich als Arbeitgeber nur freuen", sagt Rump. Dann lasse sich gemeinsam an einer Lösung arbeiten, die für beide Seiten passt.

Oft hadern Beschäftigte nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit Vorbehalten aus dem persönlichen Umfeld. Beeinflussen lassen sollte man sich davon nicht. "Hilfreich ist es, ganz klar für sich selbst zu formulieren, was man möchte und das ebenso wie eigene Befürchtungen mit Freunden oder dem Partner zu besprechen", sagt Zacher.

Auch Bedenken, dass eine Vier-Tage-Woche letztendlich Kolleginnen und Kollegen mehr belastet, sollten nicht entscheidend sein. "Letztendlich muss das Unternehmen dafür eine Lösung finden." Wenn diese dann noch zum Wohle der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausfällt: Umso besser. (ncs/dpa)

Diese Charakterzüge machen einen Chef besonders beliebt

Ein guter Chef sorgt für zufriedene Mitarbeiter, die wiederum produktiver sind. Das ist eine Binsenwahrheit. Aber was erwarten Angestellte von ihrem Vorgesetzten und was schätzen sie besonders an Führungskräften? Das zeigt nun eine große internationale Studie, bei der Tausende Mitarbeiter in Deutschland, Spanien, Frankreich und Großbritannien befragt wurden. (Teaserfoto: IMAGO / Westend61)