Verträgt sich Haustierhaltung mit Tierliebe? Schließlich ist es schwierig, Vierbeinern in einer Wohnung eine artgerechte Umgebung zu bieten. Außerdem ist die Haltung von Hunden und Katzen schlecht fürs Klima, wie Wissenschaftler jüngst nachgewiesen haben. Ist es also ethisch überhaupt vertretbar, Haustiere zu halten? Wir haben genauer nachgehakt.

Mehr Haustier-Themen finden Sie hier

Menschen, die Tiere mögen, schaffen sich häufig Haustiere an. Aus Sicht mancher Tierschützer ist ein solches Verhalten jedoch paradox.

Sie argumentieren: Tiere gehören in die Natur. Und wem an ihrem Wohl gelegen ist, der sperrt sie nicht zu seinem eigenen Vergnügen in eine menschliche Wohnung ein.

Doch geht es pauschal allen Tieren in freier Wildbahn besser, wo sie oft hungern, bei Krankheiten und Verletzungen nicht versorgt und von Fressfeinden gejagt werden?

"Viele Haustiere und auch unsere sogenannten 'Nutztiere' genießen den Umgang mit Menschen und das Leben in einem liebevollen Zuhause", sagt etwa Julia Vasbender vom europäischen Tierschutzverein ETN e.V.

Das könne aber nur dann sichergestellt werden, wenn sich Halter vor der Anschaffung eines Tieres umfassend über dessen Bedürfnisse informieren, das Wohl ihres Tieres gut im Auge behalten und ihre Tierhaltung stetig kritisch überprüfen.

Die Bedürfnisse der Tiere kennen

"Voraussetzung ist, dass man das Verhalten des Tieres versteht und einordnen kann und dem Tier eine Umgebung schafft, in der es nicht nur liebevoll umsorgt wird, sondern auch sein arteigenes Verhalten ausleben kann", betont Vasbender.

Nach der Erfahrung von Lisa Hoth vom Deutschen Tierschutzbund ist genau das häufig nicht der Fall. "Nicht selten werden Haustiere unüberlegt oder spontan gekauft und anschließend bei Problemen im Alltag im nächsten Tierheim abgegeben oder sogar ausgesetzt."

So sei beispielsweise der Goldhamster aufgrund seiner Nachtaktivität und seines großen Bewegungs- und Grabebedürfnisses kein geeignetes Haustier für Kinder. Der Deutsche Tierschutzbund stellt einen Ratgeber zur Verfügung, der die Einschätzung erleichtert, welches Haustier zu wem passt.

Absolut nicht vertretbar ist es aus Sicht beider Tierschutzorganisationen, Wildtiere zu Hause zu halten. Ein artgerechtes Leben sei für diese in Gefangenschaft kaum möglich.

"Eine Haltung von Wildtieren wird oft unterschätzt. Die Tiere werden klein und günstig erworben, weil sie spannend erscheinen und sich nicht ausreichend informiert wurde", erläutert Dr. Henriette Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund. "Dann werden sie größer und älter als erwartet, die Haltung ist technisch und finanziell sehr aufwendig und mancher Halter wird in der Folge seiner Tiere überdrüssig und setzt sie aus oder gibt sie in Auffangstationen oder Tierheimen ab."

Tierschützer sehen Politik in der Pflicht

Nach Mackensens Erfahrung bringt das viele Tierheime in Bedrängnis. Diese seien personell, finanziell und räumlich damit überfordert, von ihren Haltern nicht länger erwünschte Wildtiere zu betreuen. Spezialisierte Auffangstationen seien rar und meistens überfüllt.

"Wir brauchen hier mehr Unterstützung von Seiten der Politik", betont Mackensen. "Zum einen, um nicht mehr gewollte Tiere artgerecht unterzubringen, zum anderen aber auch, um den Nachschub ungewollter Tiere zu reduzieren."

Katzen und Hunde sind schlecht fürs Klima

Eine weitere ethische Frage der Heimtierhaltung hat der US-Wissenschaftler Gregory Okin von der University of California in Los Angeles genauer untersucht.

Die beliebtesten Haustiere sind in den USA wie auch hierzulande Katzen und Hunde. Und das stellt ein Problem fürs Klima dar, denn beide Tierarten sind Fleischfresser.

Die Herstellung ihres Futters erzeuge allein in den USA jährlich 64 Millionen Tonnen Kohlendioxid, hat Okin in einer jüngst veröffentlichten Studie ausgerechnet – das entspräche dem Ausstoß von 13,6 Millionen Autos.

Die Halter von Katzen und Hunden sollten aber deshalb nicht auf die Idee kommen, ihre Tiere vegetarisch zu ernähren, betont Okin in einer Pressemitteilung. Denn das ist nicht artgerecht und wäre schädlich für die Tiere.

Heimtierhaltung kann nicht plötzlich abgeschafft werden

Was ist Tierfreunden stattdessen zu raten? "Ich empfehle definitiv nicht, dass die Leute nun ihre Haustiere loswerden sollen", schreibt Okin.

Die bereits existierenden Haustiere sind in den meisten Fällen so stark domestiziert, dass sie in der freien Wildbahn keine Überlebenschancen hätten. Und im Tierheim brauchen sie genauso Futter wie in Privathaushalten.

Selbst die Tierrechtsaktivisten Gary Francione und Anna Charlton, die Tierhaltung grundsätzlich als Sklaverei ansehen und in den USA eine Initiative zu deren Abschaffung gegründet haben, halten Hunde.

Denn in der Praxis lässt sich die Heimtierhaltung nicht von heute auf morgen abschaffen. Das Paar hat ausschließlich Tiere bei sich aufgenommen, die vorher misshandelt wurden, um diese wieder aufzupäppeln.

Das entspricht auch der Empfehlung der Organisation ProVeg: Tierfreunde sollten Tiere aus Heimen und von Tierschutzvereinen aufnehmen, wenn sie ihnen ein Zuhause bieten können.

Um jedoch die Züchtung von immer mehr vom Menschen abhängigen Tieren zu verhindern, sollten keine Tiere von Züchtern gekauft werden.

Verwendete Quellen:

  • Dr. Henriette Mackensen, Fachreferentin für Heimtiere und Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund
  • Lisa Hoth, Fachreferentin für Heimtiere und Auslandstierschutz beim Deutschen Tierschutzbund
  • Julia Vasbender, ETN (Europäischer Tier- und Naturschutz) e.V.
  • Broschüre: "Welches Haustier passt zu mir?"
  • Tierschutzbund: "Heimtiere"
  • ETN e.V.: "Artgerechte Tierhaltung"
  • University of Los Angeles: "The truth about cats' and dogs' environmental impact"
  • PLOS One: "Environmental impacts of food consumption by dogs and cats"
  • GEO: "Es ist unmoralisch, Tiere zu halten (Interview mit Gary Francione und Anna Charlton)"
  • ProVeg: "Haustierhaltung"
Bildergalerie starten

Haustiere: Die häufigsten Missverständnisse zwischen Mensch und Tier

Wenn Meerschweinchen quieken, fühlen sie sich wohl. Wedeln Hunde mit dem Schwanz, freuen sie sich, und Fische sind taub. Das sind zumindest die gängigsten Interpretationen tierischen Verhaltens. Doch nicht alle dieser Weisheiten stimmen. (ank/dpa)