• Schutz vor Starkregen braucht nur, wer in einem besonders gefährdeten Gebiet wohnt?
  • Das ist ein Irrtum, denn Schäden drohen auch dort, wo es noch nie zuvor Hochwasser gab.
  • Was zu bedenken ist und wie man im bestehenden Bau nachrüsten kann.

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Schon ein heftiges Sommergewitter reicht - und urplötzlich pressen sich Wassermassen durch Straßen, die noch nie zuvor geflutet wurden. Selbst Keller von Häusern am Hang laufen voll und ihre Besitzer haben kaum eine Chance, noch etwas zu retten.

Das alles kann Starkregen auslösen. Es fällt in kurzer Zeit so viel Regen, dass weder der Boden noch die Kanalisation diese Menge aufnehmen kann. Das Wasser sucht sich daher andere Wege. Es flutet Straßen, drückt sich von unten aus der Kanalisation hoch in Keller und Erdgeschosse. Mancherorts schwellen harmlose Bäche zu reißenden Flüssen an.

Und während Gebäude nahe an Flüssen und in hochwassergefährdeten Gebieten einen grundsätzlich besseren Hochwasserschutz haben, kann Starkregen auch dort für Schäden sorgen, wo keiner mit den Wassermassen gerechnet oder diese zuvor je erlebt hat. Starkregen und der Schutz davor geht uns also alle an.

Die gute Nachricht: Mal abgesehen von so katastrophalen, aber auch seltenen Fluten, wie wir sie aktuell in Teilen Deutschlands erlebt haben, gibt es bauliche Möglichkeiten, um sich ohne allzu hohe Kosten vor moderaten Wassereinbrüchen zu schützen. "Es sind zum Teil wahnsinnig einfache Lösungen, um zumindest eine Bugwelle ein bisschen abzumildern", sagt Klaus-Jürgen Edelhäuser von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.

1. Schwachstelle: Keller

Den Keller kann man beim Neubau als weiße Wanne aus wasserundurchlässigem Stahlbeton gießen oder als schwarze Wanne mit Kunststoff- oder Bitumenbahnen abdichten. Letzteres lässt sich, wenn auch aufwendig, innerhalb des Kellers nachrüsten - dann muss als zusätzliche Lage ein weiterer Betontrog aufgebaut werden, erklärt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Außerdem empfiehlt die Behörde, das Untergeschoss mit Fliesen und anderen wasserfesten Bau- und Dämmmaterialien auszukleiden. Davon lässt sich im Fall der Fälle Schlamm einfacher entfernen.

Keller sollte man möglichst nicht zum Wohnen, sondern besser als Werkräume und Lagerflächen planen, rät die Bayerische Ingenieurekammer-Bau. Steckdosen werden am besten nicht in Bodennähe angebracht.

2. Schwachstelle: Abflüsse

Damit das Wasser aus einer überfüllten Kanalisation nicht durch die Abwasserrohre ins Haus drückt, gibt es Rückstauklappen zum Einbau im Neubau, aber auch zum Nachrüsten in bestehenden Wohnhäusern. Vielerorts sind diese mittlerweile sogar vorgeschrieben, informiert Ingenieur Edelhäuser. "Sie werden aber häufig nicht installiert."

In der Regel handelt es sich um einfache Klappmechanismen - bei fäkalienhaltigem Wasser sollten es elektronische Modelle sein.

Rückstauklappen können etwa an der einen - manchmal gibt es auch eine zweite - Stelle sitzen, an der das Haupt-Abwasserrohr das Gebäude verlässt. Oder es handelt sich um Klappen direkt an einem Ablauf, etwa an der Waschmaschine oder im Siphon des Waschbeckens. Letztere braucht man nicht zusätzlich, erklärt Edelhäuser. "Besser ist definitiv die Klappe, die das Gesamtrohr fasst."

3. Schwachstelle: Kellerfenster

Schleudert die Flut von außen Baumstämme und andere Gegenstände gegen die Scheibe und ist der Wasserdruck hoch, haben Fenster kaum eine Chance. Bei moderaten Überschwemmungen aber gibt es Schutz: Zum einen sind das Fenster, die binnen 24 Stunden nur wenig Wasser durch lassen - maximal 240 Liter, so viel wie in eine durchschnittliche Mülltonne passt. Sie werden als hochwasserbeständig bezeichnet. Es gibt aber auch Fenster, die 24 Stunden lang komplett dicht bleiben.

Frank Lange vom Verband Fenster + Fassade rät, sich einen Prüfnachweis für das Produkt vorlegen zu lassen. Es gebe hierzu nämlich keine gesetzlichen Rahmenbedingungen oder geregelte Klassifizierungen. Außerdem sollte man nach dem Einbau eine Montagebescheinigung verlangen, wenn nicht gar diesen von einem Sachverständigen überprüfen lassen. "Der Einbau ist das Entscheidende", betont Lange. Es darf keine Lücke zurückbleiben.

Kellerfenster werden üblicherweise mit der Öffnung nach innen eingebaut. Gegen Hochwasser lautet der Tipp aber oft, die Öffnung nach außen zeigen zu lassen. "Das schafft schon die Möglichkeit, den Wasserdruck besser zu verteilen", urteilt Lange. "Aber das bringt auch nichts, wenn man einfach ein Fenster aus dem Baumarkt anders herum einbaut. Das Fenster muss dem Hochwasserdruck schon standhalten können."

Das sei bei modernen Fenstern mit einer Wasserdichtigkeit oder -beständigkeit auch gegeben, wenn man sie nach innen öffnen kann. Außerdem können Mauern vor Lichtschächten immerhin vor einer gewissen Wasserhöhe schützen, so das BBK.

4. Schwachstelle: Grundstück

"Man sollte beim Bauen darauf achten, dass Wasser immer vom Haus weggeleitet wird. Das ist ein A und O", sagt Edelhäuser. "Das Gefälle geht also vom Gebäude weg - es steht und versickert dann kein Wasser direkt am Haus." Außerdem müssen Flächen da sein, in denen Wasser versickern kann. "Beispielsweise statt einer Pflasterfläche Rasengittersteine verlegen, damit Wasser gebunden wird." Er rät daher auch, Zisternen zu schaffen oder eine Dachbegrünung abzuwägen.

So manche Lösung, sein Grundstück besser vor geringen Überflutungen zu schützen, kann einfacher sein, als viele denken. Bei einem kleinen Bach neben dem Haus beispielsweise, ist man nicht unbedingt schutzlose ausgeliefert, falls dieser ansteigen könnte: In solch einem Fall bietet sich beispielsweise eine kleine Sockelmauer um die Grundstücksgrenze an. (dpa/af)