Das Unternehmen Nestlé hat in einem Video erklärt, dass der Konzern seit vielen Jahren Zucker und Fett in seinen Produkten reduziert. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat daraufhin 24 Nestlé-Produkte unter die Lupe genommen und ältere Nährwerttabellen mit dem aktuellen Sortiment verglichen - und kommt dabei zu einem anderen Ergebnis.

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Anfang des Monats hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auf Twitter ein Video veröffentlicht, in dem der CEO von Nestlé, Mark-Aurel Boersch, erklärt, dass die Lebensmittel des Unternehmens heute weniger Zucker und Salz enthielten als in der Vergangenheit. Um zehn Prozent sollen diese bereits reduziert worden sein, fünf weitere sollen in den nächsten Jahren folgen.

Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) hat sich 24 Nestlé-Produkte genauer angesehen und ältere Nährwerttabellen, die aus den Jahren 2008 bis 2016 stammen, mit dem aktuellen Sortiment verglichen.

Zuckergehalt nur in wenigen Produkten deutlich reduziert

Bei vier der getesteten Produkte hat das Unternehmen den Zuckergehalt bereits um mehr als zehn Prozent reduziert, das geht aus einer Pressemitteilung der VZHH hervor. Dabei haben die Cerealien "Fitness Knusperflakes" und das Kakaopulver "Nesquik Kakaopulver 30 Prozent weniger Zucker" am besten abgeschnitten.

Die Rezeptur von "‘Guten Appetit!‘ Spargelcremesuppe" beinhaltet hingegen deutlich mehr Zucker als noch im August 2015. Auch die "Hühnersuppe mit Tierfiguren" ist in den letzten neun Jahren zuckerhaltiger geworden.

Der Trend geht auch beim Essen zurück zum Selbermachen, denn Fertigprodukte sind in Zeiten von Clean Eating und Healthy Food ohnehin verpönt. Wer jetzt denkt, Selbermachen sei doch viel zu aufwändig, der sollte sich die folgenden Produkte einmal anschauen.

Weniger Zucker, aber viel mehr Fett

Beim Fett zeigt sich ein ähnliches Bild: Nur drei der getesteten Produkte beinhalten tatsächlich zehn Prozent weniger Fett. Am besten schneiden die "Hühnersuppe mit Tierfiguren" und die beiden Cerealien "Clusters Mandel" sowie "Nesquik Duo" ab.

Beim Fett hat die "‘Guten Appetit!‘ Spargelcremesuppe" ebenfalls deutlich zugelegt, das Unternehmen hat in den letzten vier Jahren die Menge fast verdoppelt. Und obwohl die Cerealien "Fitness Knusperflakes" jetzt weniger Zucker enthalten, wurde hier die Menge des Fetts um knapp 29 Prozent erhöht.

Keine Reduktion beim Fett

"Mit den Vergleichswerten unserer Stichprobe können wir die Aussagen des Nestlé-Chefs nicht bestätigen", resümiert Armin Valet von der VZHH. Das Unternehmen habe den Zucker in den ausgewählten Produkten in den letzten Jahren nur um 5,7 Prozent reduziert, beim Fett seien es null Prozent.


13 der 24 getesteten Lebensmittel weisen einen unveränderten oder sogar höheren Zuckergehalt auf. Bei 15 der Produkte hat sich die Menge an Fett gar nicht verändert oder ist mehr geworden. Deswegen hat sich der Kaloriengehalt der Lebensmittel in den letzten Jahren auch nicht nennenswert verändert, wie die VZHH weiter schreibt. Lediglich das Salz habe Nestlé im Schnitt um 11,3 Prozent und damit stärker als angegeben verringert.

"Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht auf mehr Transparenz und weniger Schönfärberei", so Valet. "Wer völlig überzuckerte Kinderprodukte im Zuckergehalt auf ein weiterhin sehr hohes Niveau reduziert, sollte sich nicht auf die Schulter klopfen."

Ausgewählte Produkte und Ergebnisse finden Sie hier:

ProduktZuckerFett
Choclait Chips Original+ 1,3%+ 4,0%
Smarties+ 2,2%+ 3,7%
Kitkat mini- 3,7%- 1,1%
Kitkat Chunky+ 4,2%+ 7,9%
Choco Crossies- 4,1%- 3,3%
Mövenpick Vanille- 5,6%+ 8,4%
Lion Knuspermüsli Karamell & Schoko- 5,3%+ 5,3%
Nesquik Duo- 31,3%- 21,3%
Clusters Mandel- 2,4%- 22,3%
Fitness Flakes- 36%+ 28,6%
Maggi Ravioli in pikanter Sauce- 30,4%0
Fix&Frisch Spaghetti alla Carbonara- 12%- 5,5%
"Guten Appetit!" Spargelcremesuppe+ 200%+ 92,6%
Hühnersuppe mit Tierfiguren+ 37,5%- 33,3%
Ochsenschwanzsuppe für Genießer+ 6,7%+ 20%
Nesquik 30 Prozent weniger Zucker- 34,4%- 3,2%

Alle Informationen und Hintergründe finden Sie auf der Seite der Verbraucherzentrale Hamburg.

Nestlé korrigiert Angaben

Nestlé erwiderte, dass der Konzern derzeit etwa 5.200 verschiedene Produkte in Deutschland anbiete. Die Stichprobe der Verbraucherzentrale sei mit nur 24 Produkten nicht repräsentativ.

Boerschs Aussage fasse Nestlés Fortschritte bei der Reduktion des Nährstoffgehalts "pauschal" zusammen, hieß es weiter. Insgesamt habe der Konzern in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich etwa zwölf Prozent Salz, acht Prozent gesättigte Fette und sieben Prozent zugesetzten Zucker reduziert. Dies entspreche etwa 540 Tonnen weniger Zucker, 200 Tonnen weniger Salz und 329 Tonnen weniger gesättigten Fetten.

"Wir arbeiten auch künftig weiter daran, zugesetzten Zucker, Salz und gesättigtes Fett in unseren Produkten zu reduzieren", versprach das Unternehmen. Zentral sei aber, dass den Verbrauchern die Produkte noch schmeckten.

Verwendete Quellen:

  • Pressemitteilung Verbraucherzentrale Hamburg: Hat Nestlé bei der Reduktion von Zucker, Fett und Salz zu viel versprochen?
  • AFP
  • Twitter

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