Slow Food: So funktioniert der Ernährungstrend

Kommentare3

Bei Slow Food dreht sich alles um den bewussten Genuss von Lebensmitteln, die fair, ökologisch, nachhaltig sowie regional produziert und mit Bedacht gegessen werden. So fördert die Slow-Food-Philosophie eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit Verantwortung für die Natur und ihre Ressourcen. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Durch langsames Essen tritt auch das Sättigungsgefühl zum richtigen und oftmals früheren Zeitpunkt ein. Das verhindert die Aufnahme von zu vielen Kalorien. Doch das ist nur einer von vielen positiven Nebeneffekten der Slow-Food-Bewegung, die durch die bewusste Auswahl von Lebensmitteln vor allem eine ausgewogene und gesunde Ernährung im Einklang mit der Natur bietet.
Im Mittelpunkt der Slow-Food-Ernährung steht Genuss. Und dieser entsteht durch die richtige Wahl von hochwertigen Lebensmitteln, die durch regionalen Anbau und kurze Transportwege keine Einbußen im Geschmack erleiden müssen. Slow-Food-Rezepte basieren deshalb immer auf Produkten, die regional und nachhaltig verfügbar sind.
Nicht jedes Gemüse und jede Obstsorte hat das ganze Jahr über Saison. Je nach Jahreszeit sind bestimmte Lebensmittel regional vorrätig und schmecken dann auch am besten. Vor allem auf Wochenmärkten bietet sich an, die Vielfalt an saisonalen und regionalen Produkten kennen- und lieben zu lernen.
Auch Bio-Produkte versprechen durch ökologischen Anbau und nachhaltige Produktion mehr natürlichen Geschmack. Ohne den Einsatz von Gentechnik und Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft sowie Massentierhaltung schmecken Lebensmittel nicht nur besser, sondern auch Natur und Umwelt profitieren. So unterstützt Slow-Food nicht nur eine bewusste Ernährung, sondern auch das Klima.
Die Ernährung mit saisonalen und regionalen Produkten unterstützt einen natürlichen Lebensstil und schont wertvolle Ressourcen. Denn der Verbrauch von Energie, Wasser, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, Medikamenten und Material wird reduziert. Und das ist ein Eckpfeiler der Slow-Food-Bewegung: denn Menschengesundheit funktioniert nur mit Planetengesundheit.
Slow Food ist nicht nur gesundes Essen, sondern untrennbar mit sozialer, ökologischer und ethischer Verantwortung verbunden. Und so sind Lebensmittel nur gesund, wenn der Ertrag dazu beiträgt, Böden, Wasser und Umwelt ebenfalls gesund zu halten, Artenvielfalt und Tierwohl zu schützen sowie globale Nahrungssicherheit und -gerechtigkeit zu fördern.
Slow Food unterstützt den Erhalt biologischer Vielfalt in der Landwirtschaft sowie bei Tierrassen. Denn der Erhalt regionaler Tier- und Pflanzensorten unterstützt das Ökosystem und gleichzeitig die Geschmackspalette auf dem Speiseplan. Zudem verzichtet umweltbewusste Landwirtschaft und Tierhaltung auf Kunstdünger, Herbizide, künstliche Bewässerung und Medikamenteneinsatz.
Auch Kinder profitieren enorm von Slow Food. Dadurch lernen sie den Wert von Lebensmitteln zu schätzen, die Bedeutung einer gesunden Ernährung für ihren Körper sowie Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen. Diese Werte vermittelt man beim bewussten Einkauf von hochwertigen Lebensmitteln, aber vor allem auch mit dem Anbau von eigenen Lebensmitteln.
Am besten führt man Kinder durch das Anpflanzen eines kleinen Gemüsebeets oder Beerensträuchern im Garten an eine nachhaltige Lebensweise. Eigene Ernte-Erzeugnisse liefern auch Tomaten- oder Erdbeerpflanzen auf dem Balkon. Auch ein eigener Ernteanteil bei einer solidarischen Landwirtschaft zeigt Kindern den Weg auf, wie Lebensmittel vom Acker auf den Tisch kommen sollten.
Nicht nur das Pflanzen und Ernten von eigenem Gemüse und anderen Produkten fördert den bewussten Umgang mit Lebensmitteln, sondern auch das Zubereiten und natürlich das Essen. So ist es Genuss pur, die eigenen Tomaten aus dem Garten erntefrisch mit eigenem Basilikum aus dem Topf von der Fensterbank zu verspeisen.
In einer Zeit voller Hektik und schnellen Mittagspausen ist es wichtig, sich gemeinsam Zeit für das Essen zu nehmen und es wieder zu etwas Besonderem zu machen. Sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und das Essen zu würdigen und zu zelebrieren erhöht nicht nur den Geschmack, sondern auch den Wert des Essens. Dazu stärkt gemeinsames Essen Beziehungen und fördert Nähe.
Slow Food bedeutet auch maßvoll zu essen. So findet man eine gesundheitliche Balance zwischen Ernährung und Körper. Denn übermäßiges Essen, vor allem von minderwertigen Lebensmitteln, führt schneller zu Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck. Und die Massenproduktion schadet zudem der Umwelt.
Zum Leitfaden von Slow Food gehört, die Menge an täglichen Kalorien zu reduzieren und vor allem den Verzehr von tierischen Produkten drastisch zu verringern. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse werden ins Zentrum des Speiseplans gestellt. Das unterstützt eine faire Verteilung von Nahrung auf der Welt sowie das Überleben des Planeten.
Vor allem die Maßlosigkeit im Hinblick auf Massentierhaltung, Überfischung, die Rodung von Regenwäldern für den Futtermittelanbau und auch die unfairen Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen schaden Mensch und Umwelt. Slow Food sieht deshalb eine Ernährung auf pflanzlicher Basis als zukunftsfähig.
Slow Food beschreibt auch sauberes Essen. Das bedeutet, dass Lebensmittel ohne Konservierungsstoffe und ohne Geschmacksverstärker am natürlichsten und am besten schmecken. Das klappt am besten, wenn Fertiggerichte gemieden und Mahlzeiten selbst zubereitet werden. Dadurch kennt man alle Inhaltsstoffe ganz genau und schafft etwas Gutes zum Essen mit allen Sinnen.
So wird selbst gekochtes Essen zum kulinarischen Genuss ohne chemische Zusätze aus dem Lebensmittellabor. Dadurch gewinnt man die Kontrolle und Selbstbestimmung seiner Ernährungsweise zurück. Und ohne künstliche Nahrungsmittel stärkt man zudem die eigene Gesundheit.
Slow Food bringt einen verantwortungsbewussten Umgang mit Lebensmitteln mit sich. Dazu gehört auch maßvolles Einkaufen, ohne Lebensmittel verschwenden zu müssen. Lebensmittel sollten geschätzt werden und nicht im Müll landen. Zudem müssen Verbraucher ihren eigenen Sinnen mehr vertrauen als der Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums.
Lebensmittelverschwendung hat ökologische Folgen, denn dadurch steigt der CO2-Ausstoß enorm. Das hohe Aufkommen an weggeworfenem Essen ist oft der Unsicherheit im Hinblick auf das Haltbarkeitsdatum geschuldet. Das MHD dient in den meisten Fällen lediglich als Richtwert. Lebensmittel sind oft länger haltbar. Richtige Lagerung und Konservierung helfen ebenfalls für längere Haltbarkeit.
Slow Food will vor allem den Unterschied zwischen industriellen und handwerklichen Produkten thematisieren. So werden handwerkliches Können und selbst hergestellte Produkte wieder in den Fokus gestellt. Denn diese schmecken besser und entlasten die Umwelt. Lebensmittel erhalten durch die Slow-Food-Bewegung wieder ihren wahren Wert.
Slow Food wurde als gleichnamige Organisation bereits 1986 vom Soziologen Carlo Petrini in Italien gegründet. Damals definierte er die Grundbegriffe im Hinblick auf nachhaltigen Genuss: gut, sauber und fair. Seither wurden weltweit Fachmessen organisiert, Vereine gegründet und in Bra (Piemont) die erste Universität der gastronomischen Wissenschaften von Slow Food gegründet.