Gemüse oder Obst? Das wussten Sie noch nicht über Tomaten

Tomaten finden als vielseitiges Gemüse in zahlreichen Gerichten Verwendung. Doch eigentlich handelt es sich bei der Tomate gar nicht um ein Gemüse. Worum es sich wirklich handelt und weitere spannende Tomaten-Fakten lesen Sie in der Galerie ... © 1&1 Mail & Media/teleschau

Die Tomate ist eine Pflanzenart aus der Familie der Nachtschattengewächse und verwandt mit Pflanzen wie der Tollkirsche. Es handelt sich also nicht, wie oft angenommen, um eine reine Gemüsesorte, sondern demnach um eine Frucht. Diese Annahme ist allerdings immer noch umstritten ...
Bei der Tomate handelt es sich laut Definition aus der Botanik eigentlich um eine Beere. Denn als Beere werden sogenannte Schließfrüchte bezeichnet, die aus einem einzigen Fruchtknoten entstehen und bis zur Reifung geschlossen bleiben sowie eine fleischig-saftige Fruchtwand aufweisen.
Doch die Tomate besitzt auch Eigenschaften, die sie als Gemüse auszeichnet: der geringe Zuckergehalt und die einjährige Kultivierung. Denn im Gartenbau spricht man von Obst, wenn die Früchte von verholzenden Pflanzen viele Jahre hintereinander Früchte tragen. Das ist bei der Tomate nicht der Fall. Man kann sich somit auf die Betitelung "Fruchtgemüse" einigen.
Auch wenn man Tomaten automatisch mit Italien assoziiert, ist das Ursprungsland der Pflanze ein anderes. Ursprünglich wuchsen Tomaten bereits 200 vor Christus in Mittel- und Südamerika, wobei die Wildformen der Tomate vor allem von Nordchile bis Venezuela beheimatet sind. Anfang des 16. Jahrhunderts wurden sie dann von spanischen Eroberern erstmals nach Europa gebracht.
Nach der Einführung der Tomate in Südeuropa fand man sie vor allem in den Gärten wohlhabender Häuser wieder. Doch hier dienten die Tomaten nicht zum Verzehr, sondern als Zierfrucht. Bis ins 17. Jahrhundert glaubte man, dass die Tomate als Nachtschattengewächs giftig sei.
Die Frucht an sich ist zwar nicht giftig, aber Stängel, Blätter und der Stielansatz der Tomate schon. In diesen Pflanzenteilen steckt Solanin, ein Alkaloid, das schwach giftig ist und zu Übelkeit oder Erbrechen führen kann. Auch unreife, grüne Tomaten enthalten die Substanz - ausgenommen grüne Sorten wie Green Zebra oder Zebrino.
Viele Köche und Ernährungswissenschaftler empfehlen wegen des Solanins, grüne Stellen und den Stielansatz von Tomaten vor dem Verzehr zu entfernen. Auch in Frühkartoffeln und deren Strünken ist der Stoff nachweisbar. Um an einer Vergiftung zu erkranken, muss ein Mensch etwa 200 mg Solanin zu sich nehmen. Unreife Tomaten weisen zwischen 9 und 32 mg Solanin pro 100 g auf.
Falls der Hobbygarten am Ende der Saison noch unreife Tomaten am Strauch liefert oder man versehentlich grüne Tomaten gekauft hat, können diese bis zum Verzehr nachreifen. Am besten legt man die unreifen Tomaten auf eine warme und sonnenbeschienene Fensterbank.
Mit der Weiterentwicklung der Medizin änderte sich im Laufe der Zeit die Meinung über giftige Pflanzen. Um 1700 wurde die Tomate so zur geschätzten Speisezutat - vor allem in Italien. Um 1900 war die Tomate dann auch in Deutschland bekannt und wurde nicht mehr als etwas Besonderes, sondern als alltäglich gehandelt und oft in Suppen, Gerichten und Salaten verwendet.
1961 wurden rund 28 Millionen Tonnen weltweit, 2018 allein in Europa 23.291.126 Tonnen Tomaten geerntet. Zu den größten Produzenten auf der Welt zählen China und Indien. Bereits in den 1990-ern kam die erste gentechnisch veränderte Tomate auf den Markt. Umgangssprachlich wurde sie auch "Anti-Matsch-Tomate" genannt, da sie länger haltbar war.
Im Rahmen von EU-Agrarversuchen wurden auch Kreuzungen zwischen genetisch verwandten Sorten ausprobiert. So entstand die sogenannte Tomoffel bei der Kreuzung von Tomate und Kartoffel. Ziel war es, den Ertrag weiter zu steigern. Doch ohne Erfolg: die gezüchteten Pflanzen sind bisher zu schwach, um essbares Gemüse zu bilden.
Viele Verbraucher aber auch Gemüsehändler lagern Tomaten falsch. Oft landen Tomaten im Kühlschrank oder Kühlraum. Doch da verlieren sie deutlich schneller an Aroma, Haltbarkeit und Textur. Besser aufgehoben ist das Fruchtgemüse separat gelagert in einer Schale oder Korb und bei Raumtemperatur.
In Deutschland werden jährlich weit über 20 Kilo Tomaten pro Kopf verzehrt. Zu dieser Menge werden jedoch nicht nur frische Tomaten, sondern auch beliebte Tomatenprodukte wie passierte oder geschälte Tomaten aus der Dose sowie Tomatenmark gezählt.
Dass der Verzehr von Tomaten (ohne Stielansatz) gesund ist, steht außer Frage: so liefern sie das zellschützende Lycopin sowie Vitamin C, Kalium und Folsäure. Vor allem das Lycopin soll sogar vor bestimmten Krebsarten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Außerdem enthalten Tomaten Prokollagene, ein Protein, das eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Hautstruktur spielt.
Rohe Tomaten haben besonders dicke Zellwände, die es dem Körper bei der Verdauung erschweren, das enthaltene Lycopin zu verwerten. Die Aufnahme wird erleichtert, wenn man das Fruchtgemüse schonend gart oder kocht. Damit werden die Zellwände aufgespalten, das Lycopin wird für den Körper leichter verwertbar und die antioxidative Wirkung der Substanz erhöht.
Das Kalium in Tomaten wirkt entwässernd im Körper. Damit wird das harntreibende Fruchtgemüse zum idealen Diätbegleiter, der hilft, unnötige Giftstoffe aus dem Körper zu transportieren. Diese Eigenschaft besitzen ebenfalls Gurken und Wassermelonen.
Tomatensorten gibt es viele: gestreift, gerippt, wilde Tomaten oder Paprikatomaten. Bis zu 10.000 unterschiedliche Sorten von "Agro" bis "Zebrino" hat das Nachtschattengewächs zu bieten. Dabei kommen jedes Jahr neue Sorten dazu, die vor allem von Hobbygärtnern mit viel Freude ausprobiert werden.
Man kann allerdings auch allergisch auf Tomaten reagieren, denn das Fruchtgemüse enthält Histamine. Empfindliche Menschen reagieren darauf mit Kopfschmerzen, Blähungen oder sogar Durchfall.
Auch Kreuzallergien können auftreten: Wenn Betroffene an einer Birkenpollen-Allergie leiden, reagieren sie oft auch sensibel auf den Verzehr von Tomaten. Denn die Allergene ähneln den Inhaltsstoffen der Tomate und bewirken ähnliche Symptome: Juckreiz, Schwellungen im Mund- und Rachenraum, Kreislaufprobleme oder Magen-Darm-Beschwerden.
Schutz vor Mücken: Tomaten auf dem Balkon oder im Garten selbst anzupflanzen macht nicht nur Spaß und bringt hoffentlich ertragreiche Ernte, sondern verscheucht auch lästige Mücken. Denn die Tomatenpflanzen riechen so intensiv, dass Stechmücken sie lieber meiden.