So ernähren Sie sich klimafreundlich

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Im Alltag gibt es viele Möglichkeiten, seinen CO2-Fußabdruck zu minimieren. Auch bewusste Ernährung trägt einen Teil dazu bei. Was dafür auf dem Teller landen darf und was besser nicht. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Ein effizienter Schritt in Richtung klimafreundliche Ernährung ist die Reduzierung von Fleisch. Denn wer sich ausgewogen ernährt und zumindest weniger Fleisch und tierische Produkte konsumiert, erspart dem Weltklima rund 400 Kilogramm CO2 im Jahr. Und zudem ist die vegetarische und vegane Küche unglaublich lecker. Das haben auch schon zahlreiche Restaurants und Kantinen erkannt.
Ein hoher Fleischkonsum und die damit verbundene Fleischproduktion haben einen beachtlichen Effekt auf den Klimawandel. Doch nicht nur der Fleischkonsum, sondern auch die Haltungsbedingungen der Tiere schädigen das Klima. Denn durch die Tierhaltung entstehen Emissionen - vor allem Methan und Lachgas durch die massenhafte Rinderhaltung weltweit.
Der hohe Bedarf an Soja als Futtermittel für Nutztiere führt in negativer Konsequenz zur Rodung von Urwäldern, zur Zerstörung von Ökosystemen und natürlichen Ressourcen. Auch das führt zum Anstieg von Treibhausgasen und globaler Erderwärmung. Vor allem die Rinderzucht schädigt das Klima aufgrund des hohen Bedarfs an Futtermitteln und dem hohen Ausstoß an Methan durch die Tiere.
Der Verzicht auf Fleisch oder immerhin ein reduzierter Konsum von Fleischprodukten hilft nicht nur der Umwelt, sondern auch Ihrer Gesundheit und spart zudem Geld. Und das bedeutet auf keinen Fall Verzicht auf Genuss. Denn es gibt leckere Alternativen wie etwa Tofu, Tempeh oder Seitan, um nur einige Ersatzprodukte zu nennen, die eine deutlich bessere Klimabilanz aufweisen.
Doch nicht nur der Fleischkonsum muss in den nächsten Jahren massiv gesenkt werden, um die Klima- und Artenschutz-Ziele zu erreichen, die etwa im Kursbuch von Greenpeace "Agrarwende 2050" beschrieben sind. Um eine ökologisierte Landwirtschaft zu erschaffen, die alle Menschen im Land ernährt, muss auch der Milchkonsum heruntergeschraubt werden.
Milchprodukte wie Käse und Quark müssen seltener auf dem Speiseplan stehen. Denn die kosten- und ressourcenintensive Erzeugung, Verarbeitung und Verteilung von Milch und den daraus produzierten Produkten hat ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Es ist also besser, insgesamt mehr pflanzliche als tierische Produkte zu konsumieren.
Eine Studie der Universität Oxford aus dem Jahr 2018 ergab, dass der Verzicht auf Fleisch- und Milchprodukte einen sehr großen Einfluss auf unser Ökosystem hätte. Im Vergleich liefern diese Lebensmittel nur etwa 18 Prozent der benötigten Kalorien und 37 Prozent der Proteine, aber rauben wichtige Ressourcen. Denn ohne diese Produkte könnten die Agrarflächen weltweit um circa 75 Prozent reduziert werden.
Eine vegane Ernährung wäre demnach der wahrscheinlich effektivste Weg, um Emissionen sehr schnell und nachhaltig zu reduzieren. Dabei geht es aber nicht nur um den CO2-Ausstoß, sondern auch um die Übersäuerung und Überdüngung von landwirtschaftlichen Böden und Gewässern sowie der Land- und Wassernutzung im Allgemeinen.
Das Wissen, welche Auswirkung dieser Wandel hätte, hilft bei der nächsten Entscheidung, ob Fleisch auf den Teller kommt oder nicht. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 300 bis maximal 600 Gramm Fleisch pro Woche. Denn das hat auch gesundheitliche Vorteile wie ein geringeres Risiko an Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und Bluthochdruck zu erkranken.
Fischerei und Fischkonsum müssen nachhaltig werden, um die Ressourcen langfristig zu erhalten. Viele Bestände sind bereits überfischt. Verbraucher müssen ihren Konsum zurückschrauben, Fisch als Delikatesse betrachten und diesen nur aus verantwortungsbewusster Aquakultur beziehen. Denn diese zerstört keine Küstenlebensräume wie Mangroven, die sehr bedeutend für den Klimawandel sind.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Qualität unseres Essens. Die erste Wahl sollte auf Bio-Produkte fallen, denn beim Bio-Anbau wird nur etwa die Hälfte an Energie verbraucht wie bei konventioneller Landwirtschaft. Bei regionalen Produkten fallen zudem die langen Transportwege weg und die CO2-Emissionen werden dadurch weiter reduziert.
Für die Natur ist eine ökologische Landwirtschaft in jedem Fall besser: beim Bio-Anbau werden die Regeln der Fruchtfolge eingehalten und somit der Boden geschont. Auch bei der biologischen Düngung werden keine synthetischen Verbindungen oder Pestizide eingesetzt. Denn beim Einsatz von Mineraldünger in der konventionellen Landwirtschaft entsteht CO2.
Neben Bio-Qualität ist auch Saisonalität ein wichtiger Umweltschutz-Faktor. Denn saisonales Obst und Gemüse aus dem Freilandanbau aus der Region ist nicht nur frisch und schmeckt besser, sondern spart auch Energie. Denn das Beheizen von Gewächshäusern und ein langer Transportweg fallen weg. Ein Tipp: ein Saisonkalender hilft, saisonale und regionale Lebensmittel zu wählen.
Frische Lebensmittel sind klimafreundlicher als Produkte, die stark verarbeitet werden. Denn der Prozess, Lebensmittel zu verarbeiten, erzeugt leider auch Treibhausgase. Das gilt insbesondere für Nahrungsmittel und Fertigprodukte die durch Tief-Kühlung und Erhitzung haltbar gemacht werden. Also: anstatt zu TK-Pizza und Eis zu greifen, lieber selbst mit frischen Zutaten kochen.
Neben der Möglichkeit, eigenes Gemüse im Garten oder auf dem Balkon zu züchten, geht das auch mit einem eigenen Stückchen Land oder Ernteanteil. Das klappt beispielsweise mit einem monatlichen Beitrag an einen nahegelegenen Hof oder auch einer genossenschaftlich organisierten Gemeinschaft, wie zum Beispiel einem Kartoffelkombinat. Hier können Erträge auch selbst geerntet werden.
Falls Sie Ihre Lebensmittel doch lieber im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt kaufen, sollten Sie auch den Weg dorthin klimafreundlich bestreiten. Am besten gehen Sie zu Fuß oder fahren mit dem Fahrrad. Es senkt den persönlichen CO2-Fußabdruck, wenn man so oft wie möglich das Auto stehen lässt.
Auch bewusstes Einkaufen mit dem Anspruch Zero Waste ist bei einer klimafreundlichen Ernährung wichtig. Man sollte nur so viel Essen einkaufen, wie man auch wirklich verbraucht, damit nichts verschwendet wird. Laut Greenpeace wirft jeder Bürger in Deutschland 82 Kilogramm Lebensmittel jährlich weg. Das sind elf Millionen Tonnen Nahrung, die jedes Jahr allein hierzulande verloren gehen.
Krumme Gurken, zweibeinige Möhren, fleckige Äpfel oder knorrige Kartoffeln werden oft nicht gegessen. Obst und Gemüse müssen meist Standardnormen aufweisen, um überhaupt in den Handel zu kommen. Leider werden oft sehr viele Lebensmittel bei geringen äußeren Makeln wieder an den Erzeuger zurückgeschickt - oder bleiben gleich auf dem Acker liegen ...
Doch schiefes Gemüse und vernarbtes Obst schmecken nicht schlechter als normkonforme und formschöne Produkte. Das haben bereits viele Bio-Supermärkte und Online-Shops erkannt und bieten Obst und Gemüse mit Schönheitsmakeln erfolgreich an. Und das ist enorm wichtig: Denn auch Deutschland ist dem UN-Ziel verpflichtet, die Lebensmittelverluste bis 2030 zu halbieren.
Auch das Mindesthaltbarkeitsdatum führt schnell dazu, dass verunsicherte Verbraucher essbare Lebensmittel vorschnell entsorgen. Doch die meisten Lebensmittel halten länger, zeigt eine Studie der Lebensmittelversuchsanstalt (LVA): Bio-Produkte wie Joghurt oder Eier waren noch Wochen nach Ablauf des MHD-Datums bedenkenlos genießbar. Tipp: einfach selbst den Riech- oder Schmecktest machen.