Nach einem neuerlichen Jogginghosen-Verbot an einer Schule in Wermelskirchen bei Remscheid ist die Debatte um angemessene Kleidung in der Schule neu entfacht. Ein Verbot befürwortet die Deutsche-Knigge-Gesellschaft. Modedesigner Thomas Rath setzt sich für die Jogginghose in Klassenräumen ein. Ein Überblick.

Mehr zum Thema Beauty & Lifestyle

Die Leitung einer Sekundarschule in Wermelskirchen hatte zuletzt begonnen, die schon länger geltende Kleiderordnung der Schule umzusetzen und Schüler in Jogginghosen nach Hause geschickt. "Trotz Kritik in den Medien" wolle man die Kleiderordnung aufrechterhalten, hieß es von der Schule. "Wir möchten unsere Schüler:innen dazu animieren, Kleidung zu tragen, die nicht zum 'Chillen' verleitet."

Für die Vorbereitung auf das Berufsleben sei die Abkehr von der Jogginghose wichtig, teilte die Schule weiter mit. Zustimmung für das Jogginghosen-Verbot erhält die Schule nun von der Deutschen-Knigge-Gesellschaft.

Knigge-Gesellschaft: "Angemessen zum Sport oder zum Entspannen"

Die Deutsche-Knigge-Gesellschaft möchte die in Aufklärung und Humanismus verwurzelten Ideen des 1796 verstorbenen Adolph Freiherr Knigge verbreiten. Sie setzt sich für vollendeten Stil, sichere Kenntnis der aktuellen Umgangsformen, moralische Selbstverantwortung, sittlich einwandfreies Verhalten sowie einen situativ angemessenen, toleranten und lockeren Umgang miteinander ein.

Jogginghosen seien Funktionskleidungsstücke, die zum Sport oder zum Entspannen getragen werden, sagte eine Sprecherin am Donnerstagabend der Deutschen Presse-Agentur. "Sportler tragen auf dem Sportplatz ihr Trikot als Arbeitsuniform und nach getaner Arbeit die Jogginghose in ihrer Freizeit. Schulzeit ist Arbeitszeit, daher hat die Jogginghose dort keinen Platz."

Voting Was meinen Sie? Ist es richtig, Jogginghosen an Schulen zu verbieten?
Ihre Anfrage konnte leider nicht bearbeitet werden.
  • A
    Ja, das finde ich angemessen
  • B
    Nein, es ist völlig übertrieben
  • C
    Es ist mir egal

Arbeitskleidung, Uniformen und Dresscodes seien sozial gewachsen. "Mit der Kleidung wird eine bestimmte Aufgabe, Autorität oder Zugehörigkeit ausgedrückt. Aus diesem Erfahrungsschatz heraus lässt sich die Jogginghose im Alltag nicht beziehungsweise nicht zu einer wertvollen Aufgabe zuordnen und stößt auf Widerstände." Dass die Jogginghose nicht gesellschaftlich akzeptiert sei, zeige sich bereits durch die Diskussionen um das Kleidungsstück.

Designer: "Die Jahre des Modediktats sind vorbei"

Ganz anders sieht es Modeschöpfer Thomas Rath. Der 56-Jährige, der "selber ein großer Fan der Jogginghose" ist, sieht das Kleidungsstück deutlich gesellschaftsfähiger: "Die Akzeptanz der Jogginghose hat stark zugenommen, aber nicht nur unter dem Aspekt des Homeoffice, sondern auch durch den großen Einfluss der Streetwear in unserem Alltag, welcher wichtig ist und uns jung hält."

Ein Jogginghosen-Verbot lehnt Rath, der unter anderem als Juror bei "Germany's Next Topmodel" zu sehen war, ab. "Die Jahre des Modediktats sind, Gott sei Dank, vorbei und wir können uns individuell kleiden", sagte Rath der Deutschen Presse-Agentur.

Auch eine Jogginghose könne gepflegt aussehen. "Viele Promi-Damen haben sogar eine Jogginghose stilsicher auf dem roten Teppich präsentiert." Dazu zählten jedoch nicht "die fiesen bequemen Flodderhosen". Schlussendlich plädiert Rath für Umbrüche in der Mode: "Wir alle möchten nicht aussehen wie unsere Großeltern." (dpa/af)

JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.