Duschgel, Shampoo, Gesichtscreme: In unseren Badezimmern finden sich viele verschiedene Kosmetikartikel. Doch haben Sie schon mal darauf geachtet, welche Stoffe in den einzelnen Produkten enthalten sind? Bei den folgenden Inhaltsstoffen sollten Sie besser vorsichtig sein - Ihrer Gesundheit zuliebe.

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Egal ob Shampoo, Creme oder Deo: Die Auswahl an Kosmetikprodukten ist riesig. Doch nicht alle sind so unbedenklich, wie die Hersteller vorgeben. Viele der enthaltenen Inhaltstoffe gelten mittlerweile als umstritten.

Unsere Haut ist sehr aufnahmefähig, durch sie gelangen die Stoffe direkt in unseren Körper. "Doch bei manchen Stoffen weiß man nicht, was im Körper über eine lange Aufnahmezeit hinweg passiert", erklärt Dr. Mandy Hecht, Chemikerin und Expertin für Bewertung von kosmetischen Inhaltsstoffen beim Portal CodeCheck, dessen App gesundheitlich bedenkliche oder umweltschädliche Produkte anzeigt.

Einige Stoffe wurden in Deutschland bereits reguliert. Das bedeutet, Hersteller müssen bei ihrer Verwendung bestimmte Grenzwerte einhalten. "Doch da sich mit der Zeit die Messmethoden verändern und neue wissenschaftliche Untersuchungen veröffentlicht werden, müssen die Grenzwerte immer wieder neu angepasst werden", so die Expertin. Zusätzlich werden immer mehr Stoffe, die früher noch als harmlos galten, aufgrund neuer Erkenntnisse verboten.

Und: Viele Menschen verwenden in ihrer täglichen Pflegeroutine mehr als nur ein Kosmetikprodukt. "Dadurch können die festgelegten Grenzwerte letztendlich schnell mal überschritten werden", warnt Hecht.

Wer auf Kosmetik mit möglichen Schadstoffen verzichten möchte, muss sich die Inhaltsstoffe der einzelnen Produkte genau ansehen – und diese richtig entziffern können. Wir haben die fünf kritischsten Inhaltsstoffe für Sie genauer inspiziert.

1. Parabene

Parabene werden als Konservierungsmittel eingesetzt. Durch sie soll verhindert werden, dass sich Mikroorganismen wie Bakterien im Produkt ansiedeln und so den Geruch oder die Konsistenz verändern.

Wo enthalten: Parabene sind vor allem in wasserhaltigen Produkten wie Shampoos und Bodylotions, aber auch Gesichtscremes und Sonnenschutzmitteln zu finden.

Wie schädlich sind sie: "Bestimmte Parabene besitzen eine hormonelle Wirkung – ähnlich wie das Hormon Östrogen – und lagern sich im Körper ab", erklärt Dr. Hecht. Deshalb sollten vor allem Schwangere, Kleinkinder und Jugendliche Produkte mit Parabenen meiden. Eine jüngste Studie der University of California in Berkeley fand vor Kurzem heraus, dass die Substanzen, wenn sie während der Schwangerschaft verwendet werden, später den Pubertätsbeginn der Kinder beeinflussen können. Eine Studie im Auftrag der Europäischen Kommission bringt die Stoffe unter anderem mit Schilddrüsenkrebs und Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane in Verbindung. In einer britischen Studie wurden Parabene in Gewebeproben von Brusttumoren nachgewiesen.

Wie erkennen: In Kosmetika weit verbreitet sind:

  • Methylparaben
  • Ethylparaben
  • Propylparaben
  • Butylparaben
  • Isopropylparaben
  • Isobutylparaben

Die beiden Konservierungsstoffe Propylparaben und Butylparaben dürfen seit 2015 nicht mehr in Produkten für Kinder enthalten sein. Andere Parabene, wie beispielsweise Benzylparaben, wurden in der EU gänzlich verboten.

Alternative: Einige Hersteller setzen mittlerweile auf parabenfreie Produkte. Doch auch hier gilt Vorsicht: Statt Parabenen werden dann möglicherweise andere Mittel wie beispielsweise Benzoesäure zur Konservierung des Produkts eingesetzt. "Diese wirken zwar nicht hormonell, stehen aber immer wieder in der Kritik, nach gewisser Zeit Allergien auszulösen", so Hecht. Als Verbraucher weiß man dann oft nicht, woher die allergischen Reaktionen kommen. Sicherheit bieten hier nur Produkte, die ganz ohne Konservierungsstoffe auskommen.

2. Aluminiumsalze

Aluminium ist ein Leichtmetall, das natürlich auf der Erde vorkommt. Es ist ein natürlicher Bestandteil unseres Trinkwassers und vieler Lebensmittel wie beispielsweise Miesmuscheln, Spinat, Kopfsalat oder Laugengebäck. Zusätzlich verwendet man Aluminiumsalze zur Wasseraufbereitung, um organische Verunreinigungen zu entfernen. Daher nehmen wir bereits über die Nahrung Aluminium auf.

Wo enthalten: Aluminiumsalze werden in erster Linie wegen ihrer schweißhemmenden Wirkung in Deodorants eingesetzt. Sie sorgen dafür, dass sich die Poren zusammenziehen und die Schweißkanäle blockiert werden.

Wie schädlich sind sie: Seit Jahren stehen Aluminiumsalze in Verdacht, Brustkrebs zu begünstigen. Wissenschaftlich erwiesen ist dies laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bisher allerdings nicht. Ebenso gibt es Hinweise darauf, dass hohe Dosen des Stoffs Alzheimer verursachen könnten. "Doch durch die zusätzliche Aufnahme über die Haut kann man eine Aluminiumdosis erreichen, die gesundheitlich bedenklich ist", erklärt Hecht. Auch das BfR warnt davor, dass über Kosmetikprodukte der empfohlene Grenzwert stark überschritten werden könnte.

Wie erkennen: Auf der Inhaltsliste von Deodorants finden sich Aluminiumsalze meist unter dem Begriff "Aluminiumchlorohydrate". Die Hersteller sind zu dieser Angabe verpflichtet.

Alternative: Auf die immer stärker werdende Kritik an Aluminiumsalzen haben mittlerweile auch die Hersteller reagiert: Die Auswahl an aluminiumfreien Deodorants in Supermarkt und Drogerie ist groß. Meist sind diese entsprechend gekennzeichnet.

3. Duftstoffe

Duftstoffe finden sich in fast allen Kosmetikprodukten. Sie werden synthetisch hergestellt und müssen auf Kosmetikpackungen lediglich unter dem Oberbegriff "Parfum" aufgeführt werden.

Wo enthalten: Eine Analyse der CodeCheck-Produktdatenbank aus dem Jahr 2016 zeigt, dass beispielsweise 44 Prozent aller untersuchten Deos und 46 Prozent der Damen- und 37 Prozent der Herrenparfums potente oder hochpotente Allergene in Form von Duftstoffen enthalten. Aber auch in Gesichts- und Körperpflegeprodukten findet man sie sehr häufig.

Wie schädlich sind sie: Viele Duftstoffe, auch natürlichen Ursprungs, können bei Menschen Allergien auslösen. Symptome sind unter anderem Hautentzündungen, Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen oder allgemeines Unwohlsein. Oft bleibt der Grund für die diffusen Beschwerden jedoch unerkannt.

Wie erkennen: 26 Riechstoffe in der Kosmetikverordnung mit einem erhöhten allergenen Potenzial müssen gesondert gelistet und dürfen nicht unter dem Oberbegriff "Parfum" aufgeführt werden. Dazu gehören unter anderem Citral, Farnesol, Linalool oder Moschusxylol.

Alternative: Naturkosmetik ist in diesem Fall leider keine sichere Alternative: Auch sie enthält oft Kontaktallergene, beispielsweise in Form von natürlichen ätherischen Ölen. Bei einer bekannten Kontaktallergie hilft es nur, die Inhaltstoffe auf der Verpackung genau anzusehen. Alternativ empfiehlt es sich, gezielt chemische Produkte ohne Duftstoffe auszuwählen.

4. UV-Filter

UV-Filter sind Lichtschutzmittel, die die Haut vor Sonnenbrand und anderen schädlichen Folgen der Sonne schützen sollen.

Wo enthalten: UV-Filter sind in Sonnencremes und in vielen anderen Körperpflegeprodukten wie zum Beispiel Gesichtscremes oder Make-ups enthalten. In Abhängigkeit vom Sonnenschutzfaktor werden sie als einzelner Wirkstoff oder häufig auch als eine Kombination verschiedener Stoffe eingesetzt.

Wie schädlich sind sie: Ähnlich wie Parabene haben auch chemische UV-Filter eine hormonelle Wirkung. Immer wieder wird diskutiert, ob sie das Nerven- und Immunsystem beeinflussen und störend auf die Entwicklung des Körpers wirken.

Wie erkennen: Die Anzahl der verschiedenen synthetischen UV-Filter ist riesig – und erweitert sich zudem stetig. In Studien wurden insbesondere Benzophenone, Homosalate, Octyldimethyl, Octocrylene, 4-MBC (4-Methylbenzylidencampher) und 3-BC (3-Benzylidencampher) als bedenklich eingestuft.

Alternative: Mittlerweile gibt es viele Produkte mit mineralischen UV-Filtern wie Zinkoxid. "Aus gesundheitlicher Sicht sollte man diese bevorzugen", rät die Expertin. Insbesondere Kindern und Schwangeren werden diese empfohlen. Sie reflektieren das Sonnenlicht wie kleine Spiegel und sorgen so für Schutz vor schädlicher UV-Strahlung.

5. Mineralöle

Mineralöle werden aus Erdöl gewonnen, ähnlich wie Benzin oder Diesel, und in mehreren Schritten gereinigt und aufbereitet.

Wo enthalten: In Kosmetika haben sie unterschiedliche Funktionen. Sie sind wasserabweisend, schützen vor Feuchtigkeitsverlust und machen Produkte geschmeidig. Deshalb findet man sie in Make-up, Hautpflege und Lippenpflege, aber auch in Babypflege, Haarstyling-Produkten und Vaselinen.

Wie schädlich sind sie: Stiftung Warentest fand heraus, dass ein Großteil der getesteten Produkte auf Mineralölbasis die kritische Substanz MOAH ("Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons") aufweist. "Eigentlich müssen Hersteller hier bestimmte Grenzen für die verwendeten Rohstoffe einhalten", sagt Hecht. Allerdings würden diese immer wieder nachweislich überschritten werden. Die gefährlichen Kohlenwasserstoffe könnten laut der Europäischen Behörde für Lebens­mittel­sicherheit krebserregend und sogar erbgutverändert sein, schreibt Stiftung Warentest.

Wie erkennen: Bei der Inhaltsangabe von Kosmetikprodukten erkennt man Mineralöle an den Begriffen Cera Microcristallina (Microcristallina Wax), Ceresin, Mineral Oil, Ozokerite, Paraffin, Paraffinum Liquidum oder Petrolatum.

Alternative: "Es ist empfehlenswert, grundsätzlich auf Produkte zu verzichten, die diese Stoffe beinhalten", rät Hecht. In zertifizierter Naturkosmetik sind Inhaltsstoffe auf Mineralölbasis beispielsweise nicht erlaubt. Hier kommen stattdessen Bienenwachs oder pflanzliche Öle zum Einsatz.

Verwendete Quellen:

  • Interview mit Dr. Mandy Hecht, Chemikerin und Expertin für Bewertung von kosmetischen Inhaltsstoffen bei CodeCheck
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zu Aluminium in Lebensmitteln und verbrauchernahen Produkten
  • Bund für Umwelt und Naturschutz: Der Kosmetik-Check
  • Stiftung Warentest: Mineralöle in Kosmetika: Kritische Stoffe in Cremes, Lippen­pfle­gepro­dukten und Vaseline
  • Deutsche Apotheker Zeitung: Die Schattenseiten von UV-Filtern
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: UV-Filter
  • Sprechzimmer.ch: Chemische UV-Filter in der Kritik

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