Am Ende konnte sich Willy Brandt nicht mehr halten: Vor 40 Jahren gab der SPD-Politiker das Amt des Bundeskanzlers auf. Brandt stolperte über die Enttarnung einer seiner engsten Mitarbeiter als DDR-Spion. Der Rückzug Willy Brandts aufgrund der Affäre um Günter Guillaume war nicht der einzige spektakuläre Politiker-Rücktritt in der Bundesrepublik.

Die Enttarnung des DDR-Agenten Günter Guillaume war der größte Spionagefall in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Ostberliner Ministerium für Staatssicherheit hatte den Agenten in das engste Umfeld des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt (1913–1992) eingeschleust. Am 24. April 1974 wurden Guillaume und seine Frau festgenommen. Brandt übernahm die politische Verantwortung für die Affäre und trat zurück. Seine Demission vor 40 Jahren war nicht der einzige, aber einer der spektakulärsten Rücktritte in der Bundesrepublik. Oskar Lafontaine und Matthias Platzeck, Christian Wulff und Gregor Gysi sind nur einige Namen von Politikern, die – aus unterschiedlichen Gründen – ihr Amt ebenfalls aufgaben.

Willy Brandt

Am 6. Mai 1974 teilte Brandt dem damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann schriftlich mit, dass er als Regierungschef nicht länger zur Verfügung stehe. Bereits am Tag zuvor hatte Brandt Spitzenpolitiker der SPD über seine Entscheidung informiert. Tatsächlich gaben auch Intrigen von SPD-Fraktionschef Herbert Wehner und Finanzminister Helmut Schmidt den Ausschlag für den Rücktritt. Sie verbreiteten, Brandt sei gesundheitlich angeschlagen und leide unter Depressionen. Öffentlich griff Wehner den Kanzler mit den Worten "Der Herr badet gerne lau" an. Zudem wurden Gerüchte über Affären mit Frauen und Alkoholprobleme lanciert. In der Bundesregierung wuchsen Befürchtungen, Brandt könne dadurch erpressbar werden. Nachfolger als Bundeskanzler wurde Helmut Schmidt.

Um Ex-Bundespräsident Christian Wulff ist es einsam geworden: In dem Prozess um Vorteilsannahme vor dem Landgericht Hannover will er seine vollständige Rehabilitation erreichen - sein privates Glück.

Oskar Lafontaine und Matthias Platzeck

In den zeitweiligen Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine und Matthias Platzeck traten in jüngerer Zeit zwei weitere prominente Sozialdemokraten von ihren Partei- bzw. Regierungsämtern zurück – allerdings aus völlig unterschiedlichen Beweggründen. Lafontaine war 1995 SPD-Chef und 1998 – nach dem Erfolg von Sozialdemokraten und Grünen bei der Bundestagswahl – Finanzminister geworden. Am 11. März 1999 legte er beide Ämter sowie sein Bundestagsmandat nieder.

Zunächst begründete Lafontaine seinen Rückzug mit dem angeblich "schlechten Mannschaftsspiel" in der Bundesregierung. Erst nach und nach wurde das große Ausmaß seiner politischen – und in der Folge auch persönlichen – Entfremdung zu Bundeskanzler Gerhard Schröder und dessen wirtschaftsfreundlicher Politik bekannt. Zehn Jahre später zog sich Lafontaine aufgrund einer Krebserkrankung auch aus führenden Positionen der Partei "Die Linke" zurück.

Platzeck, von 2002 bis 2013 auch Ministerpräsident in Brandenburg, war 2005 zum SPD-Chef gewählt worden. Zum Jahreswechsel 2006 erlitt er einen ersten Hörsturz, wenige Wochen später folgte ein Nerven- und Kreislaufzusammenbruch, Ende März ein neuerlicher Hörsturz. Platzeck musste für längere Zeit in ärztliche Behandlung. Am 10. April 2006 trat er aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Parteivorsitzenden zurück. Nach einem Schlaganfall kündigte der über sein Bundesland hinaus äußerst populäre Politiker am 27. Juni 2013 den Rückzug als Ministerpräsident und von allen übrigen politischen Ämtern an.

Christian Wulff

Die "Causa Wulff" war über Monate das Top-Thema in Deutschland. Am 17. Februar 2012 trat Christian Wulff nach nicht einmal 20 Monaten im Amt als Bundespräsident zurück. Einen Tag zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Hannover die Aufhebung seiner Immunität beantragt, um Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsannahme beginnen zu können.

Die Affäre begann Ende 2011 und nahm schnell an Fahrt auf. Zunächst ging es um eine vermeintlich falsch beantwortete Antwort Wulffs auf eine Anfrage im niedersächsischen Landtag über geschäftliche Beziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens. Wulff hatte diese verneint. Die "Bild"-Zeitung ermittelte jedoch, dass er für den Kauf eines Hauses im Jahr 2008 einen Kredit über 500.000 Euro von Geerkens Ehefrau erhalten hatte. Als Wulff von der geplanten Veröffentlichung erfuhr, rief er bei führenden Leuten des Axel-Springer-Verlags an und drohte mit einer Strafanzeige. Die "Bild" sah eine Mailbox-Nachricht Wulffs an Chefredakteur Kai Diekmann als Versuch, die Berichterstattung zu unterbinden. Am 25. Februar 2014 veröffentlichte die Zeitung eine Abschrift der Mailbox-Nachricht.

Im Verlauf der Affäre wurden weitere Vorwürfe aus Wulffs Zeit als Ministerpräsident in Niedersachsen (2003 – 2010) laut – unter anderem wegen einer Urlaubsreise und Hotelrechnungen, die der Filmemacher David Groenewold im Gegenzug für politische Gefälligkeiten teilweise bezahlt haben sollte. Diese Vorgänge waren auch der Anlass für die Ermittlungen. In dem sich über Monate hinziehenden Prozess wurden Wulff und Groenewold im Februar 2014 freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat allerdings Rechtsmittel eingelegt.

Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg

Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg war der politische Shootingstar der CSU. 2009 wurde er zunächst Wirtschaftsminister, im selben Jahr übernahm er das Verteidigungsressort. Weil er in seiner Promotionsschrift zum Thema "Verfassung und Verfassungsvertrag" offenbar etliche Passagen ohne Kennzeichnung abgeschrieben hatte, erkannte ihm die Universität Bayreuth im Februar 2011 dem Doktortitel ab. Wenige Tage später legte zu Guttenberg seine politischen Ämter nieder.

Gregor Gysi, Cem Özdemir und Rezzo Schlauch

Die sogenannte Bonusmeilen-Affäre – also die Praxis, dass Politiker ihre dienstlich angesammelten Bonusmeilen aus Vielfliegerprogrammen für Privatreisen nutzten – erwischte auch Politiker der Linken und der Grünen. Am 31. Juli 2002 trat Gregor Gysi als Bürgermeister und Senator in Berlin zurück. Cem Özdemir (Grüne) legte sein Amt als innenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion am 26. Juli 2002 nieder und nahm nach der Bundestagswahl 2002 das Bundestagsmandat nicht an. Sein Parteifreund, Wirtschaftsstaatssekretär Rezzo Schlauch, zahlte die strittige Summe nach, Rücktrittsforderungen lehnte er jedoch ab.