Mit dem ersten von zwei Wahlgängen beginnt am Sonntag die Präsidentschaftswahl in Frankreich. Wer sind die aussichtsreichsten Kandidaten? Was versprechen Sie? Und welche Folgen hätte ihre Wahl für Deutschland und die EU? Ein Überblick:

Neun Männer und zwei Frauen bewerben sich um das Präsidentenamt in Frankreich - und zwischen vieren ist das Rennen um den Einzug in die Stichwahl richtig eng: Der liberale Emmanuel Macron, die rechtspopulistische Marine Le Pen, der konservative François Fillon und der linke Jean-Luc Mélenchon liegen in Umfragen nah beieinander.



Emmanuel Macron (39)

Partei

Emmanuel Macron, ehemaliger Investmentbanker und Wirtschaftsminister, hatte einst ein Parteibuch der Sozialisten. Heute sieht er sich "weder rechts noch links". Er tritt als Parteiloser an. Seine Bewegung heißt "En Marche", was so viel bedeutet wie in Bewegung sein oder vorwärts gehen.

Charakteristische Aussage

"Ich entscheide mich gleichzeitig für ein starkes Frankreich und ein ehrgeiziges Europa."

Chancen

Macron gilt neben Marine Le Pen und neuerdings auch Jean-Luc Mélenchon als Favorit für den ersten Wahlgang. Laut Umfragen könnte der 39-Jährige die Rechtspopulistin Le Pen im entscheidenden zweiten Wahlgang klar schlagen.

Was wäre wenn, ...

  • Einwanderung: Macron will am aktuellen Flüchtlingskurs festhalten.
  • Europa: Am deutlichsten unterscheidet sich Macron von seinen Gegner durch seine offen pro-europäische Haltung. Einer seiner Wahlsprüche lautet "Ich habe Europa im Herzen." Allerdings will er die Eurozone reformieren, weil ihm die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft ein Dorn im Auge ist.
  • Sicherheit: Macron will mehr Gefängnisplätze schaffen und mehr Polizisten einstellen. Außerdem plant er eine Anti-Terror-Einheit.
  • Wirtschafts- und Sozialpolitik: Macron will sparen und reformieren, dabei aber weniger radikal vorgehen als etwa der konservative François Fillon: Er plant, die Staatsverschuldung zu senken, in dem er 120.000 Beamtenstellen, den Arbeitsmarkt ankurbelt und Anteile des Staates an Privatunternehmen verkauft.

Folgen für Deutschland

Macron ist der absolute Wunschsieger der Bundesregierung, da er wie kein anderer zu Deutschland und Europa steht. Einen solchen Partner sucht die Bundesregierung in Brexit-Zeiten dringend.


Marine Le Pen (48)

Partei

Die Europabgeordnete Marine Le Pen ist die Kandidatin der rechtspopulistischen Partei Front National.

Charakteristische Aussage

"Die Stunde der großen Konfrontation zwischen Globalisierern und Patrioten ist gekommen."

Chancen

Seit Marine Le Pen 2011 die Führung der Front National (FN) von ihrem Vater übernommen hat, eilt die rechtspopulistische Partei von einem starken Wahlergebnis zum nächsten.

Zuletzt sanken ihre Zustimmungswerte jedoch von zeitweise über 26 Prozent auf 22 Prozent (Umfrage des Instituts Opinionway vom Montag, 17.4.). Schuld daran könnte auch eine Affäre um Assistentenjobs im Europaparlament sein, deretwegen Le Pen die Aufhebung ihrer parlamentarischen Immunität droht.

Dennoch hat Le Pen weiterhin gute Chancen, in die Stichwahl einzuziehen. Ein Sieg im zweiten Wahlgang gilt als unwahrscheinlich, da viele Wähler aus der Mitte Vorbehalte gegen le Pens rechtspopulistische Politik haben dürften.

Was wäre, wenn ...

  • Einwanderung: Als erste Amtshandlung plant Le Pen ein Einwanderungs-Moratorium, bis härtere Gesetze in Kraft sind. Das Moratorium soll explizit die legale Einwanderung umfassen. Ihr Standpunkt: "Die massive Einwanderung ist keine Chance für Frankreich, sie ist ein Drama für Frankreich."
  • Europa: Le Pen will raus aus dem Euro, raus aus dem Schengen-Abkommen und ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft abhalten.
  • Sicherheit: Die FN-Kandidation will ausländische Straftäter automatisch ausweisen, fordert mehr Gefängnisplätze und mehr Polizisten.
  • Wirtschafts- und Sozialpolitik: Wie Mélenchon stellt auch Sie den Franzosen einen früheren Renteneintritt in Aussicht: mit 60 statt bislang mit 62 Jahren.

Folgen für Deutschland

Die AfD hat den Schulterschluss mit Le Pen gesucht. Für alle anderen etablierten Parteien würde mit ihrer Wahl ein Albtraum wahr. Die deutsch-französische Freundschaft würde auf eine harte Probe gestellt - von den Folgen für den Zusammenhalt der Europäischen Union ganz zu schweigen.



François Fillon (63)

Partei

François Fillon ist der Kandidat der konservativen Mitte-rechts Partei "Les Républicains".

Charakteristische Aussage

"Deutschland hat 3,5 Prozent Arbeitslosigkeit, wir zehn Prozent, das ist die Realität."

Chancen

Seit Wochen belastet Fillon eine Affäre um die Anstellung seiner Frau im Parlament. Ermittler prüfen den Verdacht, dass Staatsgelder hinterzogen wurden. Fillon weist die Vorwürfe zurück und hält an seiner Kandidatur fest, doch in den Umfragen ist er auf Platz drei abgerutscht.

Was wäre, wenn ...

  • Einwanderung: Multikulti sieht Fillon äußerst kritisch: Er tritt für feste Einwanderungsquoten ein und will Ausländern den Zugang zu Sozialleistungen erschweren.
  • Europa: Er will die Institutionen der EU schwächen und im Gegenzug den Nationalstaaten Souveränität zurückgeben. Unterm Strich steht Fillon aber zur EU, bezeichnet sich als "uneingeschränkten Befürworter des europäischen Projekts".
  • Sicherheit: Fillon setzt auf Abschreckung. Er will mehr Plätze in Gefängnissen schaffen, die Polizei vergrößern und Franzosen, die in den Dschihad gezogen sind, ausweisen.
  • Wirtschafts- und Sozialpolitik: Fillon geht mit seinem Sparprogramm am weitesten. Er will 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst abbauen. Das gesetzliche Rentenalter soll mittelfristig auf 65 Jahre steigen. Die 35-Stunden-Woche will er abschaffen.

Folgen für Deutschland

Fillon ist wohl der Kandidat, den die deutschen Regierung am besten einschätzen kann, denn er war Premierminister unter Nicolas Sarkozy (2007 bis 2012) - man kennt sich. Als Kandidat der Mitte verspricht Fillon mehr Stabilität und Kontinuität als die anderen Favoriten.


Jean-Luc Mélenchon (65)

Partei

Der Europaabgeordnete Jean-Luc Mélenchon hat schon verschiedenen linken Parteien angehört. Jetzt tritt er mit einer Partei namens "La France insoumise" an - das rebellische Frankreich.

Charakteristische Aussage

"Mein Feind ist die Oligarchie."

Chancen

Mélenchon hat in den vergangenen Wochen eine sagenhafte Aufholjagd hingelegt. Meinungsforscher sehen ihn bei bis zu 20 Prozent im ersten Wahlgang. Damit hat Mélenchon echte Chancen auf einen Einzug in die Stichwahl.

Was wäre, wenn ...

  • Einwanderung: Mélenchon fordert eine bessere Versorgung von Flüchtlingen und vereinfachte Arbeitsbedingungen für Migranten.
  • Europa: Mélenchon will die europäischen Verträge neu verhandeln, um Schluss mit den Sparvorgaben aus Brüssel zu machen. Andernfalls droht er mit dem EU-Austritt. Auch die Nato soll Frankreich unter ihm verlassen.
  • Sicherheit: Mélenchon pocht vor allem auf die Aufhebung des Ausnahmezustands, der in Frankreich seit 2015 gilt.
  • Wirtschafts- und Sozialpolitik: Er versteht sich als Antikapitalist: Das Einkommen von Spitzenverdienern soll gedeckelt, der Mindestlohn angehoben werden. Mélenchon hält an der 35-Stunden-Woche fest und will die Rente mit 60 statt derzeit 62 Jahren.

Folgen für Deutschland

Mélenchon hat mit harter Kritik an Deutschland Schlagzeilen gemacht. In seinem Buch "Der Bismarckhering - Das deutsche Gift" rechnete er 2015 mit Berlins Politik in der Eurokrise ab. Auch seine EU-kritische Haltung dürfte bei der Bundesregierung nicht gut ankommen. Dennoch wäre er - verglichen mit der Rechtspopulistin Le Pen - wohl das kleinere Übel.

Am Sonntag stimmt Frankreich über einen neuen Präsidenten ab. Die wichtigsten Informationen zum Ablauf der Wahl: