Emmanuel Macron hat die Wahl zum französischen Präsidenten für sich entschieden. Das sagen die internationalen Medien zum Wahlausgang und zu Frankreichs Zukunft.

Welt (Deutschland): "Europa atmet auf"

"Europa atmet auf, aber Frankreich bleibt tief gespalten. Dem neuen französischen Präsidenten wird bei seinen geplanten Reformen heftiger Widerstand von rechts und links entgegenschlagen. […]

Das Gespenst einer rechtsextremen französischen Präsidentin, die aus dem Euro austreten will, ist damit für zumindest fünf Jahre verscheucht. Der im Falle einer Wahl Le Pens drohende Zusammenbruch einer konstruktiven deutsch-französischen Beziehung – und damit das Ende von Europa –, das ist vorerst abgewendet.

Die Präsidentschaftswahl in Frankreich in der Ticker-Nachlese.

Man kann nicht deutlich genug unterstreichen, wie knapp die europäische Nachkriegsordnung elf Monate nach der Brexit-Entscheidung der Briten an diesem Maisonntag am Kollaps vorbeigeschlittert ist." Zum Artikel

SpiegelOnline (Deutschland): "Dieser Wechsel ist Frankreichs letzte Chance"

"Die nächsten sechs Wochen werden für Macron entscheidend: Damit die Dynamik seines Erfolgs in einer starken Fraktion von EM-Abgeordneten mündet, muss Macron mit seiner Regierungsmannschaft und ersten Entscheidungen seine Reformfreudigkeit unter Beweis stellen.

Dabei könnte er wegen seiner neoliberalen Maßnahmen schon bald den beinharten Protest der Gewerkschaften provozieren.

Macrons Wahl bleibt also eine Wette auf die Zukunft: Entweder der politische Newcomer legt mit ebenso drastischen wie mutigen Reformen die Fundamente für den Umbau seines Landes zu einem modernen Staatswesen.

Oder der Senkrechtstarter scheitert mit seinem gesellschaftlichen Experiment am zähen Widerstand der alten Strukturen.

Dieser Wechsel ist Frankreichs letzte Chance. Versagt Macron, hat Marine Le Pen in fünf Jahren die besten Aussichten auf den Einzug in den Élysée." Zum Artikel

Brigitte Macron, die Ehefrau von Präsident Emmanuel Macron ist beliebt in Frankreich. Dennoch wollen ihr nun die Franzosen den Status der "Prémiere Dame" verwehren. Was es damit auf sich hat und wie die Präsidentengattin tickt.

Süddeutsche Zeitung (Deutschland): Macron wird kämpfen müssen"

"Macron wird kämpfen müssen, damit er die versprochenen Veränderungen für das Land bringen kann und die Lähmung der Innenpolitik nicht fortsetzt.

Um die extreme Rechte zu stoppen, muss er liefern. Denn wenn seine verheißene "Revolution" misslingt, steht in fünf Jahren wieder Le Pen im Ring. Größer denn je." Zum Artikel

Tagesschau.de (Deutschland): "Warten gewaltige Herausforderungen"

"Auf Macron warten gewaltige Herausforderungen: Nachdem er die Wahl gewonnen hat, muss er nun auch die Millionen von Franzosen für sich gewinnen, die sich bei der Wahl enthalten oder für Le Pen gestimmt haben.

Mancher europäische Beobachter in Paris hofft, dass der Jungpolitiker eine "Macromanie" auslöst und seinem Land ähnlichen Schwung verleiht wie einst John F. Kennedy den USA." Zum Artikel

Die Presse (Österreich): "Macron überdeckt unbequeme Wahrheit"

"Der Strahlemann Macron überdeckt eine unbequeme Wahrheit: Überdurchschnittlich viele Franzosen halten die Globalisierung im Allgemeinen und die EU im Speziellen für Teufelszeug.

Der weit verbreitete Wunsch nach einem retropopulistischen Paradies, in dem Milch und Honig fließen und die Zumutungen der Moderne nichts zu suchen haben, geht einher mit einer Erosion des Vertrauens in die Entscheidungsträger.

Als Meinungsforscher vor wenigen Monaten von französischen Jungwählern wissen wollten, ob sie Politiker für gänzlich bzw. teilweise korrupt halten, antworteten 98 Prozent mit Ja. Zugleich sind drei von vier Franzosen davon überzeugt, dass sich die Dinge in ihrem Land in die falsche Richtung entwickeln.

Neuer französischer Präsident steht vor großen Herausforderungen.

Diese weit verbreitete Morosität (Anm.: Verdrießlichkeit) ist der erste Handlungsauftrag an Macron: Er muss den Eindruck vermitteln, dass er erstens die Zügel fest in der Hand hat und zweitens fähig und willens ist, entschlossen zu handeln." Zum Artikel

The Guardian: "Anderes Wahlergebnis wäre europäische Katastrophe"

"Die Franzosen haben mit der Wahl von Emmanuel Macron die Katastrophe einer Präsidentschaft von Marine Le Pen verhindert - jetzt brauche Macron aber viel Glück, um Wandel, Wachstum, Einheit und Heilung zu bewerkstelligen.

Jedes andere Ergebnis wäre eine europäische Katastrophe gewesen, und ausnahmsweise - Gott sei Dank - lagen die Meinungsumfragen richtig. Emmanuel Macron hat Marine Le Pen beiseite gefegt, um Frankreichs nächster Präsident zu werden. Herr Macron gewann sogar noch mit einem größeren Vorsprung, als die Umfragen beständig nahegelegt hatten: 65,1 Prozent zu 35,9 Prozent.(...)

Aber sein Sieg ist eher ein Grund zur Erleichterung denn zur Freude. (...) Er hat nun fünf Wochen Zeit bis zur ersten Runde der Parlamentswahlen, die ihn zu einem präsidentiellen Gefangenen einer feindlichen Nationalversammlung in einer Kohabition machen könnten, die sich Frankreich kaum leisten kann. Letztlich besteht seine Herausforderung nun darin, Wahlkampf in Regieren und Slogans in Taten umzusetzen."

The Independent (Großbritannien): "Wähler haben Le Pens negative Kampagne zurückgewiesen"

"Marine Le Pen hatte geprahlt, dass Frankreich dem triumphalen populistischen Vorbild des Brexits und des Sieges von Donald Trump folgen würde. Doch ihre harsche und negative Wahlkampagne, die auf Widerstand gegen die EU, gegen Immigration und gegen Elitendenken setzte und zugleich für einen aggressiven Nationalismus eintrat, wurde von den Wählern nachdrücklich zurückgewiesen. Stattdessen haben sie mit rund 66 zu 34 Prozent entschieden, die Macht in Zeiten innerer und äußerer Unsicherheiten in die Hände von Emmanuel Macron zu legen, einem früheren Rothschild-Banker, der die Unterstützung für die Europäische Union zu einem seiner zentralen Wahlziele erklärte. (...)"

Ursula Von der Leyen tritt bei Anne Will auf die Euphoriebremse.

The New York Times (USA): "Macrons Wahlsieg mächtige Erleichterung"

"Die entschiedene Wahl von Emmanuel Macron (...) zum Präsidenten Frankreichs ist eine mächtige Erleichterung für jeden, der Angst gehabt hatte, dass Frankreich das nächste Land werden könnte, das der durch westliche Demokratien schwappenden Welle von Populismus, Nationalismus und Anti-Globalisierung erliegen könnte. Doch so dramatisch und eindrucksvoll sein Sieg ist - vor Herrn Macron liegen beträchtliche Herausforderungen. Er übernimmt eine tief gespaltene Nation (...). Dass eine Rechtsaußen-Nationalistin wie Frau Le Pen die zweite Runde der Wahlen vor den etablierten Parteien erreichten konnte und dann mehr als ein Drittel der Stimmen bekommt, war ein schonungsloser Beweis für die Hoffnungslosigkeit der - was sie "les oubliés" nennt - Vergessenen."

Fox News (USA): "Nur eine simple Fortsetzung der bisherigen Verhältnisse"

"Ein Seufzer der Erleichterung die Folge gewesen. Die Wahl von Marine Le Pen in Frankreichs Präsidentenwahl am Sonntag wäre eine schlechte Nachricht für Frankreich, für die US und für die Welt gewesen. Le Pen ist kein Freund des Konservatismus – stattdessen ist sie "die linke Karikatur von Trump, die ins Leben gerufen wurde".

Neben anderen Versprechen hat Macron gelobt, alles zu ändern und Frankreich in ein viel flexibleres und dynamischeres Land zu verwandeln, freundlich gegenüber Unternehmen und Start-ups. Die notwendigen Reformen werden aber einflussreiche Interessengruppen insbesondere Gewerkschaften verärgern.

Wenn er die Gelegenheiten, die französische Wirtschaft radikal zu verändern, in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft nicht wahrnimmt, riskiert er, dass seine Präsidentschaft nur eine simple Fortsetzung der bisherigen Verhältnisse ist. Das würde einen Sieg eines Kandidaten, der entweder sehr weit links oder sehr weit rechts steht, im Jahr 2022 unvermeidbar machen." Zum Artikel

Washington Post (USA): "Erhöht Druck auf Macron"

"Am Sonntag hat Frankreich mit einem Achselzucken den Sirenenruf des rechten Populismus, welcher Wähler in den US und Großbritannien hingerissen hat, abgewehrt, den anti-EU Unruhestifter Marine Le Pen abgewiesen und Emmanuel Macron als seinen nächsten Präsidenten gewählt.

Aber das Ergebnis setzt Macron natürlich unter Druck, seine Versprechen an die Wähler auch zu erfüllen - inklusive der Reformen zweier Institutionen, die dafür berüchtigt sind, sich gegen Veränderungen zu wehren: die Europäische Union und die Bürokratie in Frankreich." Zum Artikel

Magyar Idök (Ungarn): Abweichlern droht die liberale Politik mit Abstrafung

"Die hysterischen liberalen Politiker und ihre lautstarken Presseorgane haben schon lange vorher entschieden, was gut ist für uns Europäer. Sie lieben es, die Vorgänge der Weltpolitik als Schlacht zwischen dem Guten und dem Bösen erscheinen zu lassen. Jenen Regierungen, die von ihren Ansichten abweichen, geben sie nicht einmal eine Chance. Gegen die Führung in Warschau organisierte man bereits am Tag nach ihrem Machtantritt eine Demonstration. Das aus der EU ausscheidende Großbritannien hat man zur Abstrafung verurteilt. Bei Donald Trump attackiert man jeden Atemzug, gestützt auf Hillary Clinton organisiert man den 'Widerstand' gegen das System des US-Präsidenten. (...) Wir aber hören auf unseren nüchternen Verstand und beurteilen das nächste französische Staatsoberhaupt auf der Grundlage seiner Taten. Emmanuel Macron hat kürzlich jene Länder - darunter Ungarn - mit Sanktionen bedroht, die die Werte der EU nicht respektieren. Wir vertrauen darauf, dass diese Äußerung des neuen Präsidenten lediglich ein in der Hitze des Wahlkampfes verlauteter populistischer Slogan war."

(ff / mit Material der dpa)