Frankreich stoppt Marine Le Pen. Anders als in den USA kommen die Populisten nicht an die Macht. Auf den gewählten Staatschef Emmanuel Macron warten riesige Herausforderungen - unter anderem, das Land nach einem hart geführten Wahlkampf wieder zu einen.

Die Franzosen haben mit der Wahl von Emmanuel Macron zum Präsidenten eine Existenzkrise der Europäischen Union abgewendet.

Der Senkrechtstarter setzte sich in der Stichwahl deutlicher als erwartet gegen seine Kontrahentin Marine Le Pen durch, die einen brutalen Anti-EU-Kurs fährt und Frankreich aus dem Euro führen will.

Der 39-Jährige wird mit seinem Sieg jüngster französischer Präsident aller Zeiten. Er gewann das Endduell klar: Le Pen kam nur auf gut 34 Prozent der Stimmen.

Die Abstimmung war in ganz Europa mit großer Spannung und Nervosität verfolgt worden. Die 48-jährige Le Pen hatte im Wahlkampf ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft versprochen. Das hätte die Union nach dem Brexit der Briten tief ins Mark treffen können.

"Ein neues Kapitel unserer langen Geschichte beginnt heute Abend", sagte Macron. "Ich will, dass es das der Hoffnung und des wiedergefundenen Vertrauens ist."

Der scheidende Amtsinhaber François Hollande gratulierte Macron und wünschte ihm viel Erfolg. Tausende Macron-Anhänger jubelten im großen Innenhof des Louvre-Museums im Herzen der Hauptstadt.

Deutschland gratuliert Emmanuel Macron

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sicherte Macron eine partnerschaftliche Zusammenarbeit Deutschlands zu. "Ich freue mich, dass sich die französischen Wähler mit Ihrer Wahl mehrheitlich für Weltoffenheit, ein vereinigtes Europa und die enge und freundschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland entschieden haben", schrieb Steinmeier in einer Erklärung.

Kanzlerin Angela Merkel sicherte Macron in einem Telefonat eine enge Zusammenarbeit zu. "Die Bundeskanzlerin freut sich darauf, im Geist der traditionell engen deutsch-französischen Freundschaft vertrauensvoll mit dem neuen Präsidenten zusammenzuarbeiten", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert anschließend mit.

Auch US-Präsident Donald Trump gratulierte dem designierten Amtskollegen in Paris, nachdem er im Wahlkampf auf Le Pen gesetzt hatte.

Der Pro-Europäer Emmanuel Macron hat die Präsidentenwahl in Frankreich gewonnen. Der 39-Jährige setzte sich in der Stichwahl deutlich gegen die rechtspopulistische Kandidatin Marine Len Pen durch. Die Entwicklungen des Wahltages in der Ticker-Nachlese.

Ipsos schätzte die Wahlbeteiligung auf knapp 75 Prozent. Das war deutlich weniger als in der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen, als sie noch bei rund 77,8 Prozent gelegen hatte. 4,2 Millionen Franzosen hätten leere Wahlumschläge oder ungültige Wahlzettel abgegeben.

Das sind 8,9 Prozent der mehr als 47 Millionen Wahlberechtigten und so viele wie noch nie in Frankreich.

Emmanuel Macron will Frankreich einen

Der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker Macron steht für einen klar europafreundlichen Kurs und tritt für eine enge Partnerschaft Frankreichs mit Deutschland ein.

In seinen Rede vor dem Louvre gab er sich trotz eines hart geführten Wahlkampfes versöhnlich und kündigte an, das Land einen zu wollen.

Neben seinen Unterstützern, wandte er sich aber auch an Wähler, die nicht mit seinen Positionen übereinstimmen, aber für ihn gestimmt haben, um Le Pen zu verhindern.

"Ich will ein Wort äußern für die Franzosen, die einfach abgestimmt haben, um die Republik gegen den Extremismus zu verteidigen", sagte er. "Ich kenne unsere Meinungsverschiedenheiten. Ich werde sie respektieren. Aber ich werde dieser Zusage treu sein: Ich werde die Republik verteidigen."

Als er seine Gegnerin Le Pen anspricht, buhte das Publikum. Er reagierte mäßigend: "Pfeifft nicht!"

Dann sagte er an die Front-National-Wähler gerichtet, alles tun zu wollen, damit sie in Zukunft nicht mehr extrem wählen würden.

Sie hätten "eine Wut, eine Verunsicherung, manchmal Überzeugungen" ausgedrückt. "Ich respektiere sie. Aber ich werde in den fünf kommenden Jahren alles tun, damit sie keinen Grund mehr haben, für Extreme zu stimmen."

Mehrmals betont er, er wolle die Einheit Frankreichs. Die Aufgaben, die nun zu bewältigen seien, seien immens. Und Macron hat noch ein weiteres Problem.

Emmanuel Macron fehlt eine Mehrheit

Macron soll spätestens am 14. Mai die Amtsgeschäfte von Hollande übernehmen.

Um regieren zu können, braucht er eine Mehrheit in der Nationalversammlung, die am 11. und 18. Juni gewählt wird. Bisher hat seine Bewegung "En Marche!" überhaupt keine Abgeordneten.

Schon nach der ersten Wahlrunde stand fest, dass der nächste französische Präsident erstmals seit Jahrzehnten weder aus dem Lager der Sozialisten noch aus dem der bürgerlichen Rechten kommt.

Das Ergebnis der Juni-Wahlen wird mit Spannung erwartet. Ohne eigene Mehrheit in der Nationalversammlung wäre Macron gezwungen, eine Regierung zu ernennen, der auch Politiker eines anderen politischen Lagers angehören.

Eine derartige "Kohabitation" gab es zuletzt von 1997 bis 2002 mit dem Konservativen Jacques Chirac als Präsidenten und dem Sozialisten Lionel Jospin als Premierminister.

Marine Le Pen verändert politisches Gefüge in Frankreich

Le Pen räumte am Abend ihre Niederlage ein. Sie bezeichnete ihr Ergebnis jedoch als historisch. Elf Millionen Franzosen hätten sie gewählt.

In der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen waren es noch 7,7 Millionen gewesen.

Le Pen ließ durchblicken, dass sie ihre rechtsextreme Partei Front National (FN) im Juni in die Parlamentswahlen führen werde.

FN-Vize Florian Philippot kündigte an, seine Partei werde sich in eine neue politische Kraft verwandeln und dann auch nicht mehr denselben Namen tragen.

Auch wenn Le Pen nicht in den Élyséepalast einzieht, hat sie das politische Gefüge in Frankreich maßgeblich auf den Kopf gestellt. Le Pen gelang es, FN als eine für viele Franzosen wählbare nationalistische Partei zu etablieren.

Unter ihrem Vater Jean-Marie Le Pen hatte die FN vor allem für Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus gestanden und war politisch so isoliert, dass selbst viele FN-Wähler sich nicht öffentlich zu ihr bekennen wollten. (dpa/cai)