Alles dreht sich um Donald Trump und Joe Biden, doch ohne eine Mehrheit im US-Senat wird der Wahlsieger vom 3. November kaum seine politischen Ziele durchsetzen können. Die Hoffnungen der Demokraten, die Kammer zu ihren Gunsten zu drehen, sind groß.

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Zur Wahl am 3. November schaut die Welt auf das Weiße Haus in der US-Bundeshauptstadt Washington und auf den Kampf zwischen Donald Trump und Joe Biden.

Doch ohne Mehrheiten im rund zweieinhalb Kilometer südöstlich gelegenen Kongress ist es für einen US-Präsidenten kaum möglich, seine politischen Ideen umzusetzen.

Somit hoffen beide darauf, dass nicht nur die eigene Wahl gut geht, denn die dort arbeitenden Abgeordneten der beiden Kammern Repräsentantenhaus und Senat werden direkt gewählt.

Demokraten-Mehrheit im Repräsentantenhaus

Neue Gesetze müssen beide Kammern durchlaufen und das heißt: Führt im Repräsentantenhaus eine andere Partei als im Senat, dann werden Entscheidungen verschleppt und blockiert.

Zuletzt hat das beispielsweise dazu geführt, dass es kaum Fortschritte zur Krankenversicherung, zum Klimawandel oder zu neuen Hilfspaketen gegen die Wirtschaftskrise durch Corona gab.

Im Moment stellen die Demokraten die Mehrheit der Abgeordneten im Repräsentantenhaus und es schaut gemäß vieler zuverlässiger Umfragen und der Konsensmeinung im politischen Washington so aus, als bleibe das künftig deutlich so.

Mehr Republikaner im US-Senat - noch

Im derzeit von den Republikanern geführten Senat ist die Lage unklarer. Den Demokraten werden leichte Vorteile eingeräumt, möglicherweise eine Mehrheit zurückzugewinnen - Joe Biden bräuchte sie im Falle eines Siegs dringend, um seine politische Agenda effizient vorantreiben zu können.

Aktuell sitzen für die Republikaner 53 Abgeordnete im Senat, für die Demokraten sind es 45. Offiziell firmieren Bernie Sanders aus Vermont und Angus King aus Maine als Unabhängige, doch die beiden Senatoren stimmen in aller Regel mit den Demokraten und werden ihnen deshalb üblicherweise zugeschlagen.

Pro Bundesstaat werden zwei Personen für sechs Jahre in den Senat gewählt, doch nicht alle von ihnen stehen zur gleichen Zeit zur Disposition. Stattdessen steht alle zwei Jahre rund ein Drittel der Senatoren zur Neuwahl.

Im November 2020 bekleiden die Demokraten zwölf dieser zur Wahl stehenden Senats-Posten, die Republikaner stellen derzeit 25 von ihnen. Das Biden-Lager hat damit deutlich mehr Chancen, Boden gutzumachen.

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Müssen die Demokraten drei oder vier Senatsposten "flippen"?

Als Mehrheit im Senat gelten dabei entweder 51 Abgeordnete oder 50 Abgeordnete plus der Vizepräsident. Daraus folgt: Wenn die Demokraten alle eigenen Posten halten, dann müssen sie mindestens drei republikanische Senatorenposten "flippen", wie es im Englischen heißt - sie müssen sie auf ihre Seite drehen, sollte Biden siegen und damit Kamala Harris Vizepräsidentin werden.

Geht das Weiße Haus verloren, bräuchten sie sogar vier zusätzliche Sitze im Senat, aber weil die allermeisten US-Bürger in allen offenen Ämtern geschlossen für eine Partei stimmen, wäre das bei einer Niederlage Bidens extrem unwahrscheinlich.

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Kandidat der Republikaner könnte Alabama erobern

Es gibt jedoch für die Demokraten eine Hypothek: Im eigentlich erzkonservativen Alabama hatte ihr Kandidat Doug Jones eine außerplanmäßige Nachwahl 2017 auch deshalb gewonnen, weil seinem Gegner Roy Moore sexueller Missbrauch auch von Minderjährigen in mehreren Fällen vorgeworfen wurde.

Jetzt steht der Posten im regulären Sechs-Jahres-Takt zur Disposition und Jones tritt gegen den für viele Wähler akzeptableren Republikaner Tommy Tuberville an. Der lag zuletzt in Umfragen im zweistelligen Prozentbereich vorne und so müssten die Demokraten vier republikanische Posten erobern, wollen sie von 2021 an den Senat führen.

Arizona vor Wechsel an die Demokraten

Doch auch das ist nicht hoffnungslos: Besonders gute Chancen werden in Arizona dem einstigen Astronauten Mark Kelly eingeräumt. Er ist US-Amerikanern auch deshalb ein Begriff, weil er bei Auftritten häufig seine Frau, die ehemalige Kongress-Abgeordnete Gabrielle Giffords, begleitet.

Sie hat sich nach einem Attentat mühsam wieder ins Leben zurückgekämpft und zählt zu den öffentlichsten Kämpferinnen für strengere Waffengesetze. In Umfragen führt Kelly deutlich vor Martha McSally, die den Posten aktuell interimsweise bekleidet, nachdem sie ihn vom verstorbenen früheren republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain übernahm.

Pikant: McSally hatte bereits 2018 für den anderen Senatorenposten des Staates zur Wahl gestanden, den aber an die Demokratin Kyrsten Sinema verloren.

Knapper Ausgang in Maine und North Carolina erwartet

In Colorado dagegen könnten die Demokraten von langfristigen Veränderungen in der demografischen Zusammensetzung der Wählerschaft profitieren.

Viele Junge und Liberale sind dort in den vergangenen Jahren in Boom-Städte wie Denver, Longmont und Greeley gezogen, so dass Beobachter davon ausgehen, dass der republikanische Senats-Debütant Cory Gardner nicht wiedergewählt werden könnte - zu sehr wird für ihn Trump als Hypothek bei diesen Wählergruppen gesehen.

Als knapper gelten die Rennen in North Carolina und Maine. Hier werden den Demokraten-Kandidaten Cal Cunningham und Sara Gideon aber immerhin noch Chancen eingeräumt, die leicht über einem reinen 50-50 liegen.

Sollte eines dieser Rennen schiefgehen, gäbe es immer noch einige Wunschträume der Linken mit geringen, aber nicht unmöglich erscheinenden Erfolgsaussichten, wie den beliebten Gouverneur von Montana, Steve Bullock, und in Georgia den Aufsteiger Jon Ossoff.

Sollte es gar gelingen, in South Carolina den engen Trump-Verbündeten Lindsey Graham aus dem Senat zu werfen, wäre die Wahlnacht für die Demokraten perfekt.

Von Vorteil für die mögliche Regierungspolitik von Joe Biden wäre es dabei so oder so, dass all die Kandidaten bisher nicht als besonders progressive Politiker aufgefallen sind - der gemäßigte Biden könnte mit ihnen wohl leicht zusammenarbeiten. (Christian Fahrenbach/dpa/hub)

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