Harte Trump-Kritik von Obama: Emotionale Reden beim Parteitag der US-Demokraten

Die Demokraten haben Joe Biden nun offiziell als Präsidentschaftskandidaten für die US-Wahl im November nominiert. Am Dienstag, dem zweiten Tag des viertägigen Parteitages, stellten sich erneut prominente Politiker hinter den 77-Jährigen - und gegen Donald Trump.

Im November wird in den USA gewählt. Es ist die 59. Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Joe Biden geht für die Demokraten als Herausforderer von Amtsinhaber Donald Trump ins Rennen. Das steht seit Dienstag fest.
"Ich wünschte, Donald Trump wüsste, wie man ein Präsident ist," äußerte sich Hillary Clinton beim Parteitag. "Weil Amerika jetzt sofort einen besseren Präsidenten braucht." Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin der Demokraten war beim Wahlkampf im Jahr 2016 Trump unterlegen.
Auch Popstar Billie Eilish ist gegen eine Wiederwahl Trumps. Hierzu findet die Sängerin deutliche Worte: "Donald Trump zerstört unser Land und alles, was und wichtig ist. Wir brauchen Anführer, die Probleme wie den Klimawandel und COVID lösen und sie nicht leugnen. Anführer, die systemischen Rassismus und Ungleichheit bekämpfen." Schweigen sei dabei keine Option, so die 18-Jährige.
Am zweiten Tag des Online-Parteitags sprachen sich Politiker - auch aus dem gegnerischen Lager - für Biden aus. "Mit Joe Biden im Weißen Haus werden Sie nie daran zweifeln, dass er zu unseren Freunden stehen und unseren Gegnern die Stirn bieten wird - niemals umgekehrt. Er wird unseren Diplomaten und unseren Geheimdiensten vertrauen, nicht der Schmeichelei von Diktatoren und Despoten", sagte etwa Colin Powell. Er war von 2001 bis 2005 unter dem republikanischen US-Präsidenten George W. Bush Außenminister.
Auch Chris Coons, Senator der Vereinigten Staaten, warb für Biden: "Joe kämpft für uns, weil er unsere Probleme und unsere Hoffnungen kennt."
Sogar Jimmy Carter (95), hier im März 1977, meldete sich in einer Audio-Botschaft zu Wort und sprach sich für Biden aus: "Joe hat die Erfahrung, die Charakterstärke und die Anständigkeit, uns zusammenzuführen und Amerikas Großartigkeit wieder herzustellen", sagte der älteste noch lebende Ex-US-Präsident. "Wir verdienen eine Person mit Integrität und Urteilsvermögen, jemanden, der ehrlich und fair ist."
Neben Carter kam ein weiterer ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten zu Wort: Bill Clinton. Er feuerte gegen Trump. "In Zeiten wie diesen sollte das Oval Office eine Kommandozentrale sein. Stattdessen ist es ein Unruheherd. Es herrscht nur Chaos."
Wer einen Präsidenten wolle, der "seinen Job dadurch definiert, jeden Tag stundenlang fernzusehen und Leute in den sozialen Medien fertigzumachen", der müsse für Trump stimmen. Biden dagegen übernehme Verantwortung und werde das Land vereinen.
Der Kritik an Trump schloss sich John Kerry, ehemaliger Außenminister der Vereinigten Staaten, an. "Er trennt sich von unseren Verbündeten und schreibt Liebesbriefe an Diktatoren", sagte er. Trumps Mangel an Ehrlichkeit, an Beziehungen in der Welt, einer außenpolitischen Agenda und an Wissen führe dazu, dass die USA erstmals nicht mehr der Anführer der freien Welt seien.
Ady Barkan, Aktivist, kritisierte die Gesundheitsversorgung unter Trump. "Wir leben in dem reichsten Land der Geschichte und können dennoch nicht einmal dieses grundlegende Menschenrecht garantieren", sagte Barkan in seiner Videobotschaft. Vor vier Jahren wurde bei ihm die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert. Es ist dieselbe unheilbare Erkrankung, unter der auch der berühmte Physiker Stephen Hawking gelitten hat.
Tracee Ellis Ross führte durch das Programm des zweiten Abends. Die Schauspielerin und Golden-Globe-Preisträgerin ließ sich ihre Chance nicht nehmen, ein paar Worte an die US-Bürger zu richten. Sie sagte, die Nominierung im Vorfeld des Parteitages von Kamala Harris, einer schwarzen Frau, als potenzielle Vize-Kandidatin von Biden habe ihr Hoffnung gegeben auf ein besseres Amerika.
Der führende US-Demokrat im Senat, Chuck Schumer, blickte ebenfalls in die Zukunft: "Aus diesem langen, nationalen Albtraum wird Amerika endlich in einer besseren Zukunft und an einem neuen Tag aufwachen", sagte er hoffnungsvoll.
Höhepunkt des Abends war die Rede von Bidens Ehefrau Jill. Sie versprach, ihr Mann werde bei einem Wahlsieg Führungsstärke und Mitgefühl ins Weiße Haus bringen. Sie sprach auch über die Schicksalsschläge im Leben ihres Mannes, der durch einen Autounfall seine erste Frau und eine Tochter und durch Krankheit einen Sohn verloren hat.
"Wie bringt man eine gebrochene Familie wieder zusammen? Genauso, wie man eine Nation zusammenbringt: Mit Liebe und Verständnis und kleinen Gesten der Güte, mit Mut, mit unerschütterlichem Glauben", sagte Biden. Seit 1977 ist sie mit dem Präsidentschaftskandidaten verheiratet.
Und was sagte der Mann des Abends selbst? Joe Biden versprach, das Land als Präsident zu einen. Er wolle aus der Corona-Pandemie führen und die Wirtschaft wieder aufbauen, die durch die Krise erheblichen Schaden genommen hat. Zudem versprach er, sich für mehr Gerechtigkeit einzusetzen und gegen systematischen Rassismus einzutreten.