Weiße, Schwarze, Latinos: Die Wählerschaft in den USA ist sehr vielfältig - und sie wird immer vielfältiger. Auch religiöse Milieus und Altersgruppen sind umkämpft. In den letzten Wochen des US-Wahlkampfs tobt die Schlacht um die Minderheiten.

Hillary Clinton oder Donald Trump? In 70 Tagen wird die Bevölkerung in den USA an die Urnen gebeten. Das Neue: Der Wahlausgang wird zunehmend entlang ethnischer Linien entschieden. Zwar waren bei der Wiederwahl Obamas 2012 noch 72 Prozent der Wähler weiße Amerikaner, doch dieser Anteil war seit Erhebung der Daten 1976 noch nie so gering. Auch die Stimmen der religiösen Gruppen sowie von Alt und Jung werden heiß umworben.

Wer wählt in den USA eigentlich wen? Mit wessen Stimmen können Clinton und Trump rechnen? Und wo müssen sie noch zulegen?

Wutbürger wählen Trump

Weiß, ungebildet, alt: Dieses Bild wurde in den vergangenen Monaten immer wieder von der Wählerschaft von Donald Trump gezeichnet. "Trump hat im Vorwahlkampf vor allem weiße Männer über 50 mit niedrigen Bildungsabschlüssen mobilisieren können", bestätigt Boris Vormann vom John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin im Gespräch mit unserer Redaktion.

Der reiche Quereinsteiger gilt als Kandidat der "Angry White Men", die man hierzulande mit den sogenannten "Wutbürgern" vergleichen könnte. Sie sind vom politischen Establishment enttäuscht, wittern stets die Propaganda der "Lügenpresse" und fühlen sich von Minderheiten wie Zuwanderern eher bedroht.

Bei Obamas Wiederwahl 2012 stimmten 58 Prozent der Weißen für dessen Herausforderer Mitt Romney. John McCain hatte vier Jahre zuvor 55 Prozent der "Caucasians", wie man sie in den USA nennt, für sich gewinnen können.

Die schlechte Nachricht für die Republikaner: Der Anteil der weißen Amerikaner an der Bevölkerung nimmt ab und damit auch der Anteil der weißen Wähler. Die Minderheiten legen dagegen zu. Nicht umsonst hat sich Trump in den vergangenen Wochen um deren Stimmen bemüht - aus strategischen Gründen.

"Sein Plan, eine Mauer zwischen Mexiko und den USA zu errichten, muslimische Minderheiten schärfer zu überwachen und Einwanderer auszuweisen, haben große Teile dieser Wählerschaft verprellt", erklärt US-Kenner Vormann. Zudem werde Trump vom Parteiestablishment nur widerwillig unterstützt. "Das wird ihn vermutlich große Teile der republikanischen Stammwählerschaft kosten."

Clinton muss Minderheiten mobilisieren

Blickt man auf das Abstimmungsverhalten der Minderheiten, schmälert das Trumps Chancen bei der Wahl am 8. November erheblich. 93 Prozent aller schwarzen Wähler und 71 Prozent der Hispanics stimmten 2012 für Obama. Inzwischen ist jeder zehnte Wähler lateinamerikanischer Herkunft - mit steigender Tendenz. Auch die asiatischstämmigen Amerikaner votierten mit 72 Prozent überwiegend für die Demokraten.

Bei den Minderheiten sieht Clinton zu Recht ihr größtes Pfund. "Die Frage wird nicht sein, ob sie mehr Stimmen bei Afroamerikanern und Latinos gewinnen wird als Trump", gibt Vormann zu Bedenken, "sondern ob sie ausreichend viele motivieren kann, an die Wahlurnen zu kommen." Das war Clinton im Vorwahlkampf gegen ihren Parteikollegen Bernie Sanders nicht gelungen. In der jüngeren Vergangenheit machte die frühere First Lady immer wieder durch Skandale Schlagzeilen: Sie kann ähnlich niedrige Beliebtheitswerte wie Trump aufweisen.

Bei den Frauen (2012: 55 Prozent) und den Wählern unter 30 (60 Prozent) haben die Demokraten ebenfalls gute Chancen auf eine Mehrheit. Ausgeglichen war das Votum unter katholischen Wählern. Bei den Protestanten - viele von ihnen strenggläubige, evangelikale Christen - dürfte Trump trotz seiner mitunter vulgären und beleidigenden Wahlkampfauftritte die Nase vorn haben. Bei den jüdischen Amerikanern wiederum gab es für die Republikaner zuletzt wenig zu holen.

Florida und Ohio besonders umkämpft

Die Bemühungen der Kampagnen konzentrieren sich in der heißen Wahlkampfphase vorwiegend auf die sogenannten "Swing States". Dort wird mal demokratisch, mal republikanisch gewählt, es gibt eine ethnisch eher vielfältige Bevölkerung. Die Hochburgen der Demokraten, die städtischen Regionen an den Küsten und die alten Industrieregionen im Nordosten, sowie die Kernstaaten der Republikaner, die ländlichen Gegenden im Mittleren Westen und die Staaten im Süden, werden nun vernachlässigt. Die übrigen Staaten scheinen in diesem Wahljahr den Ausschlag zu geben: Florida und Ohio sind besonders heiß umkämpft.

"In den meisten Umfragen dominiert gegenwärtig Hillary Clinton in den entscheidenden Swing States", erklärt US-Experte Vormann. Auch deshalb erscheinen die Chancen auf einen Trump-Sieg aktuell gering.