Donald Trump ist offiziell der Präsidentschaftsbewerber der Republikaner. In seiner Rede zum Abschluss des Nominierungsparteitags zeichnete er ein düsteres Bild der USA - und geht genau damit auf Wählerfang. So kommentiert die internationale Presse seinen Auftritt.

"Süddeutsche Zeitung": "Amerikas Parteitage enden damit, dass Luftballons von der Decke fallen, das passt zum Kandidaten der Republikaner für die Präsidentschaft. Donald Trump ist der Luftballon der US-Politik: Niemand hat ein solch aufgeblasenes Ego wie er, und bei niemandem ist die Substanz so dünn. (...) Die Republikanische Partei hat es nicht vermocht, dem Ballon Trump die Luft des Opportunismus zu entziehen. Jetzt bleibt nur das amerikanische Wahlvolk: Es könnte im Herbst daran erinnern, dass Luftballons gut sind für eine Party, nicht aber für eine Partei, und noch weniger für die Präsidentschaft."

"Spiegel Online": "Es ist ein anderer Donald Trump, der vor die fast 2500 Delegierten des Republikaner-Parteitags tritt. Kein dumpfer Demagoge wie auf seinen Vorwahlaufmärschen. Kein abstoßender Macho, kein schamloser Narzisst. Trump gibt sich - endlich, seufzen seine Berater wohl - präsidial. Doch was er sagt, bleibt unverändert. Die Lügen, die paranoiden Visionen, die abstrusen Versprechen, die kaum verklausulierten Appelle ans weiße Amerika. Die USA vor der Vernichtung, bedroht von innen (Kriminalität) und außen (Terrorismus). Die Mauer zu Mexiko. Der Einreisestopp für Muslime. Recht und Ordnung. "America First!" Alles noch da, nur anders verpackt."

"Zeit Online": "Seine Abschlussrede beim Parteitag der Republikaner ist durchzogen von Paranoia. Der 70-Jährige sieht Feinde überall: Illegale Einwanderer an der Grenze zu Mexiko, radikale Islamisten im Nahen Osten und chinesische Investoren am anderen Ende des Pazifiks. (...) Im Zentrum der Rede des frisch gekürten Präsidentschaftskandidaten steht ein Konzept, dass Trump "America First" nennt. Wie so viele Republikaner sieht er den Respekt für die USA überall auf der Welt bröckeln – die Schuld gibt er seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton und ihrer Politik der Diplomatie, des Freihandels und der weltweiten Kooperation. Dem stellt Trump eine Politik der Abschottung entgegen (...)"

"Stern Online": "Trump zeichnete ein düsteres Bild von den USA. Als wären sie ein Land ohne Sicherheit, ohne Jobs, ohne Zukunft, ohne Hoffnung. Diese Stimmung aus Angst und Wut überlagerte den gesamten Parteikongress. Die Botschaft dahinter: Nur mit Trump wird Amerika wieder zu alter Größe finden."

"FAZ": "Wer Donald Trump in Cleveland zuhörte, musste den Eindruck gewinnen, in der Welt herrsche nur Chaos und man könne jederzeit und überall Opfer einer Gewalttat werden. Wie gut, dass es einen Retter gibt: Donald Trump."

USA

"New York Times" (USA): "Zum Abschluss einer düsteren und wütenden Convention hielt Mister Trump eine düstere und wütende Rede. Darin zeichnet er eine Schreckensvision von den USA - und sich selbst als einzig fähige Person, die Amerika vor Mord, Terrorismus, dem finanziellen Ruin und einer unkontrollierten Einwanderungswelle zu retten vermag."

"Washington Post" (USA): "Donald Trump zeichnete in seiner Rede auf der Convention das düstere Porträt einer gesetzlosen, vom Terror gezeichneten Nation und klagte über eine politische und unternehmerische Klasse, die seiner Meinung nach für den gefährlichen Verfall der USA verantwortlich ist."

"USA Today" (USA): "Eigentlich sollte es keine Überraschung sein, dass die Convention zur Nominierung von Donald Trump als Präsidentschaftskandidat weniger einer leuchtenden Werbesendung gleicht als Reality TV. Und das nicht im gut gemeinten Sinn.

Statt sich als geeinte Partei zu präsentieren und die unentschlossenen Wähler, die die Wahl im November entscheiden werden, auf seine Seite zu ziehen, zeigte die Convention der Republikaner die Spaltung, das Chaos und die Verschwörungen der Partei. Das mag vielleicht gut für die Einschaltquoten sein, aber schlecht um die Wähler zu beruhigen.

INTERNATIONALE PRESSESTIMMEN

"La Repubblica" (Italien): "Donald Trump beschreibt ein Land, das darniederliegt, wo die Wirtschaft nicht funktioniert, das internationale Ansehen dahin ist und wo die Angst gewinnt. Die Delegierten wissen, dass das nicht stimmt. Aber das ist egal. Die Nacht von Donald Trump ist die Nacht eines besiegten Amerikas. Es ist die Erzählung einer ruinierten Nation, die nur er retten kann: Apokalypse Trump. Es ist angeblich ein Volk, das von Dummen geführt wird, zum Gespött der ganzen Welt. Und Trump hat aus dieser Angst Amerikas, eine Herde Verlierer zu sein, die "Donaldeske Katharsis" gemacht."

"El Pais" (Spanien): "Die internationalen Folgen eines eventuellen Wahlsieges von Trump bereiten Sorgen, und zwar große Sorgen (und wer will nach dem Ausgang des britischen Referendums diese Möglichkeit schon völlig ausschließen?). Nach seiner bekannten Forderung, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen und der Regierung des Nachbarlandes die Rechnung dafür zu präsentieren, sowie dem unglaublichen Vorschlag, Muslime nicht mehr ins Land zu lassen, kommt jetzt hinzu, dass er die Sicherheitsgarantie der Nordatlantischen Allianz infrage stellt (...) Es bleibt dem Gewissen der republikanischen Wähler überlassen, ob Trump der US-Präsident sein soll, den sie und die Welt verdienen."

"Nesawissimaja Gaseta" (Russland): "Mit Argusaugen verfolgt Deutschland den Wahlkampf in den USA. Normalerweise mischt sich die Bundesregierung nicht in ausländische Belange ein. Aber Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich doch zu Donald Trump geäußert - und seine Zweifel an den außenpolitischen Standpunkten des Kandidaten nicht verborgen. Hillary Clinton ist für die Bundesregierung wohl eine annehmbare Alternative. Allerdings ist in Berlin nicht vergessen, dass Clinton als Außenministerin manches Mal grob war - etwa in der Frage der Atomwaffen in Deutschland. Wie wird wohl Angela Merkel reagieren, falls die Kanzlerin den Titel als mächtigste Frau der Welt an Hillary Clinton abgeben muss?"

"Lidove noviny" (Tschechien): "Trump ist die Verkörperung der Anti-System-Politik. Er kämpft gegen die bisherige «Matrix». Er steht für einen schwülstigen Chauvinismus, lehnt politische Diskussionen als Schwätzerei ab und stützt sich auf seinen eigenen unternehmerischen Erfolg. Wir können ihn mehr oder weniger in eine Reihe stellen mit Putin, Berlusconi, Hofer, Le Pen und Farage. Doch im Unterschied zu diesen Europäern greift Trump die 'Matrix' nicht von außen an, sondern von innen. Seine Ernennung zum Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner war zwar zu erwarten, schafft aber einen Präzedenzfall, der in den USA und Europa derzeit ohne Beispiel ist."