Die Republikaner stecken tief in der Krise. Nie zuvor haben so viele Parteimitglieder ihrem eigenen Präsidentschaftskandidaten die Unterstützung verweigert und nie zuvor war die Partei so zerrüttet. So sehr, dass vielleicht nicht einmal ein Wahlsieg von Donald Trump daran etwas ändern könnte.

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Donald Trump hat der Partei, für die er bei der US-Wahl 2016 antritt, schwer zugesetzt. Unter anderem hat er mal eben die Strategie der Modernisierung und Öffnung gegenüber neuen Wählergruppen über den Haufen geworfen.

"Nach der Wahlniederlage von Mitt Romney [bei der Präsidentschaftswahl 2012; Anm.d.Red.] war man sich in der Republikanischen Partei sicher, dass diese Strategie zukünftigen Erfolg versprechen würde", erklärt Prof. Thomas Jäger, Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität Köln, im Gespräch mit unserer Redaktion. Trump habe diese Strategie durch einen vorwiegend weißen, wütenden Populismus ersetzt.

Schon heute sei deutlich, dass Trump den Republikanern bei zwei wichtigen Wählergruppen geschadet habe – den Frauen und den Hispanics. Die Partei steht nach Einschätzung des Politologen nach dem Wahltag daher vor wichtigen Entscheidungen – egal, wie die Wahl ausgeht.

Der schonungslose Kampf ums Weiße Haus hat Spuren hinterlassen. Es geht ein tiefer Riss durch die US-Gesellschaft. Im Interview mit unserer Redaktion erklärt ein USA-Kenner, ob in dieser Situation Donald Trump oder Hillary Clinton der bessere Präsident wäre.

Republikaner tragen Mitschuld an der Krise

Donald Trump hat den parteiinternen Protest nicht erfunden. Er greift nur lautstark und aggressiv auf, was seit der Tea-Party-Bewegung in der Partei salonfähig geworden ist: den politischen Gegner als Feind anzusehen, Reformen als Weg in den Untergang darzustellen, Kompromisse als "faule Sache" zu verkaufen.

"All das wurde in der Partei als Haltung gepflegt, bevor es Trump aufgriff, dann aber effektiver und konsequenter als andere vertrat. Insofern haben sich die Republikaner Trump redlich verdient", betont Jäger.

Eigentlich wollte die Partei Trump nicht als Kandidaten. Doch mitten im Vorwahlprozess konnten sich die unterschiedlichen Gruppen nicht mehr auf einen Kandidaten einigen.

Innerparteiliche Zerrissenheit ist nach einem harten Vorwahlkampf bei den Republikanern traditionell nichts Neues. Die Partei besteht aus unterschiedlichen Fraktionen, und es ist laut Jäger nicht ungewöhnlich, dass danach erst einmal "die parteiinternen Wunden verheilen müssen".

In der Vergangenheit sei George W. Bush für die Haushaltskonservativen ein Desaster und John McCain für die Wertkonservativen untragbar gewesen. Mitt Romney sei den Sozialkonservativen bis zum Ende fremd geblieben. In der Politikwissenschaft spricht man von einer vertikalen Spaltung in der Partei.

Trump spaltet die Partei auf neue Weise

"Bei Trump ist neu, dass er die Partei horizontal spaltet: Basis gegen Establishment. Er verhöhnt die eigenen Parteigranden und pfeift auf die feine Austarierung unterschiedlicher Interessen in der Partei ", sagt Jäger. Das wäre nicht weiter bemerkenswert - wäre Trump damit nicht so erfolgreich.

Wird die US-Wahl manipuliert? In den Augen Donald Trumps auf jeden Fall - zumindest wenn der Milliardär verlieren sollte. Wahlbetrug vermutet auch die Bürgerbewegung "Oath Keeper". Um dies zu verhindern, will die Miliz die Abstimmung am 8. November überwachen.

Auch im Falle eines Wahlsiegs von Trump blieben die parteiinternen Schwierigkeiten wohl bestehen. Laut Jäger ist es wahrscheinlich, dass sich eine Gegenfraktion bildet, die versuchen wird, den Republikanern eine andere Richtung zu geben. Nur dürfte das ein schwieriges Unterfangen werden, "da gleichzeitig die Abgeordneten und Senatoren der Partei eine Regierung Trump zumindest zu einem großen Teil unterstützen werden."

Es sei nicht auszuschließen, dass die Republikaner durch einen möglichen Wahlsieg Trumps einen noch strikteren nationalistischen, protektionistischen und illiberalen Kurs einschlagen. Das wiederum würde jedoch manche Gruppen aus der Partei treiben.

Die Republikanische Partei steht also schon vor der Wahl am 8. November als Verlierer fest. Dabei ist die Personalie Trump mit all ihren Auswirkungen unter anderem hausgemacht. Denn die Partei hat es erst nicht geschafft, diese Entwicklung abzuwenden – und es dann in der Folge versäumt, ihrer Spaltung durch Trumps wütenden Populismus entgegenzuwirken.