Donald Trump hatte im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen das erste TV-Duell mit seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton klar verloren. Nun traten mit Tim Kaine für die Demokraten und Mike Pence für die Republikaner die beiden Kandidaten für das Amt des Vize-Präsidenten zum Wortgefecht vor die TV-Kameras. Die Presse kommt in der Bewertung zu interessanten Ergebnissen.

Das TV-Dell zwischen dem Republikaner Mike Pence und dem Demokraten Tim Kaine in der Presseschau:

  • Tagesspiegel.de: "Mike Pence zeigt Trump, wie's gehen kann"

    Diese 90 Minuten könnten Folgen haben. Die Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten hat zwar nach aller Erfahrung keinen entscheidenden Einfluss auf den Wahlausgang. Aber die beiden zeigten ein ganz anderes Debattenverhalten als Hillary Clinton und Donald Trump vor einer guten Woche. Für die zweite Präsidentschaftsdebatte am Sonntag könnte Trump sich von Pence abschauen, was er besser machen kann - sofern er lernfähig ist. Und Clinton von Kaine, welche Fehler sie besser vermeidet - was sie vermutlich aber ohnehin weiß. (zum Artikel)
  • Spiegel Online: "Trumps bessere Hälfte"

    Nach monatelangem Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton hat man sich in diesem Jahr eigentlich an vieles gewöhnt. Kandidaten beschimpfen und beleidigen sich als Betrüger und Lügner, die Diskussionen gehen um Seitensprünge und Penislängen statt um Sachthemen. Umso erfrischender und erholsamer wirkte die Fernsehdebatte der Vizepräsidentschaftskandidaten Kaine und Pence. Pence könnte mit seinem überzeugenden Auftritt einige Sympathien wiedergutmachen, die Trump im ersten Duell verspielt hatte. Mancher Beobachter des Duells war so angetan von Pence, dass schon kurz nach dem Ende des Duells gemutmaßt wurde, Pence laufe sich schon für eine Präsidentschaftskandidatur 2020 warm. (zum Artikel)
  • Süddeutsche.de: "Pence verschafft Trump etwas Luft"

    Kaine wirkte sachlich fundiert, aber unterbrach seinen Gegner im Übereifer häufig. Das überlagert die Tatsache, dass der 58-Jährige konkreter als Pence auf die Fragen antwortet. Pence wirkte gelassener und verteidigte Trump, indem er die Vorwürfe gegen ihn schlicht ignorierte oder einfach darüber log. Oft kontert er Kaines Aussagen mit "Das ist Unsinn" und macht dann damit weiter, Hillary Clinton zu kritisieren und als Teil der Washingtoner Elite darzustellen, die sich von den Bürgern entfernt habe. Dies fällt ihm sichtlich leichter, als Trumps kontroverse Positionen zu verteidigen. Dass er die Fakten biegt und etwa den Demokraten falscherweise vorwirft, "alle Grenzen öffnen" zu wollen: Seinen Chef wird das nicht stören. (zum Artikel)
  • Bild.de: "Punkt-Sieg für Trump-Vize!"

    Pence war ruhiger und staatsmännischer. Er ließ sich nicht provozieren. Er punktete, wenn es um Wirtschafts- und Sicherheits-Politik ging. Und er schaffte, was Trump vor einer Woche nicht geschafft hatte: Clintons Schwachpunkte hervorzuheben. Doch eines gelang ihm nicht: Donald Trump zu verteidigen. Wann immer er auf die zahlreichen verbalen Fettnäpfchen des Spitzen-Kandidaten angesprochen wurde, blieb ihm wenig mehr übrig, als auszuweichen. Und dies könnte den Verlierer des Abends (Kaine) langfristig doch noch zum Gewinner machen. (zum Artikel)
  • New York Post: "Mike Pence wischt mit Tim Kaine den Boden auf"

    Der demokratische Vize-Kandidat lieferte die schlechteste Debatte seit 1988 ab. Damals hatte der Demokrat Lloyd Bentsen den Republikaner Dan Quayle wie einen Käfer zerdrückt. Aber Tim Kaine ist nicht Lloyd Bentsen. Diesmal zerschmetterte der Republikaner den Demokraten. Pence benötigte dazu nicht einmal einen Knockout. Er platzierte Haken, parierte, duckte sich weg, wich aus. Kaine hingegen landete mit jedem seiner Schwinger auf dem Hosenboden. (zum Artikel)
  • Washington Post: "Tim Kaine wirkte in der Debatte zu angestrengt"

    Seit Tim Kaine Teil der demokratischen Wahlkampagne ist, hatte man den Eindruck, er würde Hillary Clintons Programm stützen und könne gegen Trump Wirkungstreffer austeilen, ohne sein Nice-guy-Image zu verlieren. Seine Vorstellung bei der Vize-Debatte bedroht nun aber dieses Image sowie seine Authentizität, die immer seine große Stärke gewesen ist. Pence, der besonnenere Part in der Debatte, hatte keine Mühe, den Gegner zu parieren. (zum Artikel)

(miwo)