Das Verhältnis zwischen Donald Trump und der republikanischen Partei war während des gesamten Präsidentschaftswahlkampfes in den USA auf beiden Seiten zwar nie von offenherziger Zuneigung geprägt. Doch nun scheint die Situation zu eskalieren. Trump verhält sich nach dem Wirbel um den Video-Skandal wie ein in die enge getriebenes Raubtier und beißt innerhalb der eigenen Partei nach allen Seiten.

Die Unterstützung für Donald Trump als republikanischer Präsidentschaftskandidat war innerhalb der konservativen Partei von Beginn an umstritten.

Eine angespannte Zweck-Beziehung

Wenige stellten sich aus voller Überzeugung hinter den Immobilien-Milliardär, viele taten es beim Blick auf seine Umfragewerte aus wahlkampfstrategischem Pragmatismus. Andere, wie etwa der mächtige Paul Ryan, Sprecher des Abgeordnetenhauses, ballten beim Parteikonvent der Republikaner im Juli die Faust in der Tasche - und segneten Trumps offizielle Nominierung zähneknirschend ab.

Aufgrund anhaltender verbaler Eskapaden, darunter geschmacklose Angriffe auf Einwanderer und Muslime, ahnte man bei den Republikanern früh, dass es nicht leicht werden würde mit Donald Trump. Die Intuition sollte die Kritiker nicht täuschen. Vor wenigen Tagen sorgte die Enthüllung eines Videos mit frauenverachtenden Aussagen Trumps für einen Tiefpunkt im US-Wahlkampf.

Der Skandal schlug so hohe Wellen, dass sich führende Republikaner endgültig genötigt sahen, sich demonstrativ in aller Öffentlichkeit und mit entsprechender Betonung über den eigenen Kandidaten zu empören. "Solches Gerede und solche Unterhaltungen sind selbst im Privaten einfach unzumutbar", meinte New Jerseys Gouverneur Chris Christie. Paul Ryan wurde sogar noch deutlicher: "Ich bin angeekelt von dem, was ich heute gehört habe."

Über 60 prominente Republikaner hatten Trumps sexistische Entgleisungen verurteilt, darunter die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice sowie John McCain, der seinerseits bereits für das Präsidentenamt kandidiert hatte.

Donald Trump reagiert sich auf Twitter ab

An Trump geht die Kritik keinesfalls spurlos vorbei, im Gegenteil. Auf Twitter, Trumps bevorzugtem Kommunikationsmedium, feuerte er Breitseiten in die eigenen Reihen und brüskierte die republikanische Partei mit den Worten: "Illoyale Republikaner sind weitaus unangenehmer als die korrupte Hillary. Sie attackieren dich von allen Seiten. Sie wissen nicht, wie man gewinnt - ich werde es ihnen beibringen!"

An die Adresse von McCain ätzte Trump: "Dieser völlig vulgäre Senator John McCain hatte mich in seinem Vorwahlkampf um Unterstützung angebettelt. Ich gewährte sie ihm, er gewann. Jetzt lässt er mich wegen Umkleidekabinen-Sprüchen fallen."

Zuvor hatte bereits Paul Ryan gleich in mehreren Tweets Trumps Zorn abbekommen. Dieser sei eine "schwache und erfolglose Führungsfigur". Er solle doch erst einmal den Haushalt ausgleichen, Jobs schaffen, die illegale Einwanderung unterbinden, anstatt seine Zeit damit zu verschwenden, den Kandidaten der Republikaner zu bekämpfen.

Mit Ausnahme der Tatsache, höhnt Trump, dass die Demokraten Bernie Sanders aus dem Wahlkampf gemobbed hätten, hätten sie sich die gesamte Zeit über weitaus loyaler gezeigt als die Republikaner.

Trump setzt die Kritik aus der eigenen Partei spürbar zu, weshalb er nun selbst zum Gegenschlag ausholt und das gestörte Verhältnis zusätzlich eskalieren lässt. Im demokratischen Wahlkampfteam von Hillary Clinton wird man diese Form der Selbstzerfleischung mit Genugtuung beobachten.