Stichwahl in Polen: Konservativer Jurist vs. weltgewandten Oberbürgermeister

Es wird spannend in Polen: Im ersten Wahlgang hatte Duda vorne gelegen, aber die nötige Mehrheit verpasst. In der Stichwahl versammeln sich die liberalen Kräfte nun hinter Herausforderer Trzaskowski und Umfragen lassen ein knappes Rennen erwarten. Wofür stehen die beiden - und was bedeutet der jeweilige Ausgang für Polen?

Rund 30 Millionen Wähler in Polen entscheiden an diesem Sonntag, wer ihr neuer Präsident sein wird: Andrzej Duda oder Rafal Trzaskowski. Beide Kandidaten sind 48 Jahre alt, haben einen Doktortitel und Familie - doch da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Die Präsidenten-Stichwahl ist daher auch eine Abstimmung über die Politik der PiS-Regierung und daher eine Richtungsentscheidung für das Land.
Andrzej Duda ist seit 2015 Staatspräsident in Polen und will sein Amt verteidigen. Offiziell ist der 48-Jährige parteilos - so schreibt es die polnische Verfassung für den Präsidenten vor. Er wird allerdings von der nationalkonservativen Regierungspartei PiS unterstützt - Kritiker sagen auch: gelenkt - für die er vor seiner Präsidentschaft im Europaparlament saß.
In der Außenpolitik setzt Duda vor allem auf ein gutes Verhältnis zu den USA. Sein Verhältnis zur EU ist kühl. Im Wahlkampf nutzte er antideutsche Töne, um ältere Wähler und Unterstützer der Rechtspopulisten für sich zu gewinnen.
Er sieht sich als Garant für den Fortbestand der von der PiS eingeführten Sozialleistungen für Familien und ältere Menschen. In der Verfassung will er verankern lassen, dass gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder adoptieren dürfen. Damit punktet er auf dem Land und im konservativen, katholisch geprägten Süden und Osten.
Dudas Herausforderer ist Rafal Trzaskowski, seit 2018 Oberbürgermeister von Warschau. Der 48-Jährige ist promovierter Politologe und hat Studienerfahrung in Oxford und Paris vorzuweisen. Im Rennen um das Präsidentenamt geht er für die liberalkonservative Bürgerkoalition (KO) an den Start.
Bevor er Stadtoberhaupt von Warschau wurde, war Trzaskowski Minister für Digitalisierung im Kabinett des damaligen Ministerpräsidenten und späteren EU-Ratspräsidenten Donald Tusk. Wie sein Kontrahent Duda war auch Trzaskowski einst Abgeordneter im Europaparlament.
Trzaskowski will das angeschlagene Verhältnis Polens zur EU wieder ins Lot bringen. Er möchte das "Weimarer Dreieck" neu beleben und plant im Fall eines Wahlsiegs einen Dreiergipfel mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Trzaskowski erhält vor allem in den Großstädten sowie im Norden und Westen des Landes große Zustimmung.
Die umstrittenen Justizreformen der PiS will er stoppen. Im Sommer 2019 unterschrieb er als Warschauer Bürgermeister die sogenannte "LGBT+"-Charta, die Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen unterstützen soll. Er will eingetragene Partnerschaften in Polen einführen.