Mit ihrem Wechsel von den Grünen zur CDU hat Elke Twesten ein politisches Beben ausgelöst. Der Landtag in Niedersachsen musste neu gewählt werden. Der CDU hat die vorgezogene Neuwahl nichts genützt. Sie fiel am Sonntag hinter die SPD zurück. Twesten erntet dafür Häme: Ein ZDF-Reporter legte den Finger tief in die Wunde.

Anfang August hat die Grünen-Abgeordnete Elke Twesten von den Grünen zur CDU gewechselt. Damit verlor die rot-grüne Regierung in Niedersachsen ihre Ein-Stimmen-Mehrheit. Die Konsequenz waren vorgezogene Wahlen.

Mit dem Ergebnis ist Rot-Grün am Sonntag zwar knapp abgewählt. Doch die SPD hat die vorgezogene Wahl spektakulär gewonnen. Zum Leidwesen der CDU, die in Umfragen lange führte. Die SPD jagt der CDU in den Wahlkreisen 22 Direktmandate ab.

Einen Listenplatz bekommt Neu-CDUlerin Twesten nicht. Alle Listenplätze seien vergeben, so CDU-Politiker Bernd Althusmann. Heißt: Twesten wird dem nächsten Landtag nicht mehr angehören.

Häme und Spott für Twesten

Nach dem verpassten Sieg der Konservativen und ihrem persönlichen politischen Dilemma erntet Twesten viel Häme.

Noch am Wahlabend stellte ein ZDF-Reporter der Politikerin unbequeme Fragen – zur Freude vieler Twitter-Nutzer. "Die Wiese war doch praktisch schon gemäht", fragte Wulf Schmiese laut Medienberichten.

Die in Erklärungsnot geratene Politikerin habe auf den hervorragenden Wahlkampf der CDU verwiesen. Zu diesem Zeitpunkt glaubte Twesten wohl noch an einen etwas besseren Wahlausgang für die CDU.

Der ZDF-Reporter habe das Gespräch mit dem Satz beendet: "Sie bleiben in der CDU – vermute ich". Twesten sagte den Berichten zufolge dazu nichts. Der Beitrag ist im Internet aktuell nicht zu finden.


Der Seitenhieb Schmieses wurde in den sozialen Netzwerken rasch kommentiert. Ein User findet die hämische Anspielung auf Twestens Wendehalsmanöver im August "weltklasse". Ein anderer twittert: "Twesten redet sich um Kopf und Kragen."

Die User machen die Politikerin mit ihrem "Egospiel" für die Niederlage der CDU verantwortlich. Vom "Twesten-Effekt" ist die Rede. Ein Twitterer meint ironisch, der Schachzug mit Twesten habe sich für die CDU "voll gelohnt".

Rückzug aus der Politik?

Twesten scheint sich indes aus der Politik zurückziehen. Sie hat sich, wie sie selber angibt, bereits an der Fachhochschule Buxtehude eingeschrieben, um "Führungskompetenz" zu studieren.

"Ich freue mich auf diese für mich neue Herausforderung: Der MBA gibt mir die Möglichkeit, auf meinen bisher erlernten Kompetenzen im Bereich Verwaltung und Finanzen aufzubauen und mich beruflich weiterzuentwickeln", schreibt Twesten auf ihrer Internetseite.

(fab)