CDU-Chefin Angela Merkel hat einen faktischen Fehler im nordrhein-westfälischen Wahlkampf eingeräumt, Lügen-Vorwürfe der SPD aber zurückgewiesen.

Sie habe im Zusammenhang mit den Verkehrsproblemen in NRW eine veraltete Zahl genannt, sagte Merkel am Montag nach Sitzungen der CDU-Führungsgremien in Berlin auf eine entsprechende Frage.

"Das war's dann aber auch. (...) Man soll seine Fakten ordentlich zusammen haben - in diesem Falle hatte ich das nicht."

Nach SPD-Wahlpleite: Medien fällen vernichtendes Urteil über Schulz & Co.

Dies ändere nichts daran, dass das Thema Verkehr im Wahlkampf eine Rolle gespielt und man viel Zustimmung für die Bemerkung bekommen habe, dass es zu wenige fertiggeplante Großprojekte in NRW gebe, sagte Merkel.

Merkels spöttischer Seitenhieb gegen die SPD

"Ehrlich gesagt glaube ich insgesamt, dass der Wahlkampf auf anderen Ebenen entschieden wurde." Dass sie vom Koalitionspartner SPD im Wahlkampf kritisiert werde, sei normal.

"Das nehme ich der SPD nicht übel", sagte Merkel und fügte ironisch an: "Wenn das nun geholfen hat aus ihrer Sicht, dann ist ja gut."

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley hatte der CDU am Wahlabend eine Art "Wutbürgerwahlkampf" in NRW vorgeworfen.

"Da waren ja auch so ein paar Punkte drin, wo man schon fast von Fake News (gefälschten Nachrichten) reden kann", sagte sie im ZDF-"heute-journal".

"Zum Beispiel die Wirtschaftskraft - Nordrhein-Westfalen steht da auf Platz sechs. Es wurde ja so getan, als wäre das quasi das Griechenland unter den Bundesländern."

Nach der Abwahl von Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen stecken CDU und FDP nun das Terrain für eine mögliche Koalition ab.

Schwarz-gelb oder doch große Koalition?

Ein solches schwarz-gelbes Bündnis hätte im Landtag eine denkbar knappe Mehrheit von einer Stimme. Doch die FDP macht einen Eintritt in eine CDU-geführte Regierung von Bedingungen abhängig.

CDU-Wahlsieger Armin Laschet sieht Differenzen vor allem in Fragen der inneren Sicherheit.

Bei der SPD ist nach dem Rückzug von Hannelore Kraft hingegen noch offen, wer die Gespräche über ein mögliches Bündnis mit der CDU führen soll.

Die Sozialdemokraten wollen bei ihrer personellen Neuausrichtung nichts überstürzen.

Er gehe davon aus, dass sich die Partei bis zum Sommer neu aufstellen werde, sagte SPD-Fraktionschef Norbert Römer. Es gebe viele junge Leute in der Partei, "die darauf brennen, diese Scharte wieder auszuwetzen".

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis liegt die CDU mit 33,0 Prozent vor der SPD mit 31,2 Prozent. Dahinter folgt die FDP mit 12,6 Prozent.

Mit 7,4 Prozent zieht erstmals die AfD in den Landtag in Düsseldorf ein. Die bislang an der Regierung beteiligten Grünen stürzen auf 6,4 Prozent.

Der Linkspartei verpasst den Sprung in den Landtag.

Daraus ergibt sich folgende Sitzverteilung mit Überhang- und Ausgleichsmandaten:

  • CDU 72
  • SPD 69
  • FDP 28
  • AfD 16
  • Grüne 14


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