Wie umgehen mit der AfD? Diese Frage spaltet die Union. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich von der rechten Konkurrenz deutlich distanziert und ist damit ganz gut gefahren.

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Das Wahlergebnis der eigenen Partei zu beschönigen, gehört zum Standardrepertoire von Politikern. Nach einer dieser euphemistischen Floskeln mag am Sonntag auch Michael Kretschmers Kommentar zur Landtagswahl in Sachsen geklungen haben.

Die CDU hat im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren über sieben Prozentpunkte eingebüßt. Und Kretschmer sprach von einem "wirklich guten Tag".

Der Satz wird jedoch nachvollziehbarer, wenn man sich Kretschmers Ausgangslage ansieht: Bei der Bundestagswahl im September 2017 hat er seinen Wahlkreis in Görlitz an einen AfD-Kandidaten verloren. Nach 15 Jahren flog der CDU-Politiker aus dem Bundestag, wo er zuletzt immerhin Vizechef der Unionsfraktion gewesen war. Seine politische Karriere schien den Zenit überschritten zu haben.

Drei Monate später übernahm Kretschmer den Regierungssessel in Sachsen, die CDU steckte in der Krise. Sie war im Freistaat nur zweitstärkste Kraft geworden, hinter der AfD. Wegen dieses Desasters war Stanislaw Tillich zurückgetreten.

Michael Kretschmer: Kümmern statt kopieren

Unter diesen Vorzeichen lässt sich die Tatsache, dass die CDU die Wahl am Sonntag gewonnen hat, trotz der deutlichen Verluste als Erfolg lesen. Zumal so kurz nach der Europawahl, wo in Sachsen einmal mehr die AfD die Nase vorn hatte. Sein Direktmandat hat Kretschmer diesmal übrigens verteidigt.

Was war Kretschmers Strategie? Bei seinem Amtsantritt in Sachsen vor knapp zwei Jahren hatte Kretschmer einen neuen Politikstil versprochen. Er wollte den Menschen wieder mehr zuhören, wollte weg von der Überheblichkeit der CDU vor allem gegenüber den Menschen auf dem Land. Er hat in der Sachsen-CDU einen Generationswechsel angestoßen, heiße Eisen wie den Personalausbau bei Polizei und Lehrerschaft angepackt und großzügig Fördermittel an ländliche Gemeinden verteilt. Im Wahlkampf reiste er mit Dialogformaten wie "MK direkt" und "Sachsengespräch" kreuz und quer durch das Land, klapperte Vereinsfeste ab und diskutierte mit wütenden Bürgern.

AKK fühlt sich von Kretschmer "inspiriert"

Kretschmer gab den Kümmerer. Und widerstand der Versuchung, seine Partei angesichts der Konkurrenz durch die AfD nach rechts zu rücken.

Auf Frontalangriffe gegen die Rechtspopulisten verzichtete er weitgehend. Den Rechtsextremismus redete er nicht klein, sondern erklärte ihn zu einem der größten Probleme im Land. Außerdem machte er klar, dass es mit ihm keine Koalition mit der AfD geben würde - auch wenn mancher im Landesverband lieber das Gegenteil gehört hätte.

Sie sei überzeugt, dass sich viele Sachsen gerade deshalb für die CDU entschieden hätten, weil Kretschmer sich von der AfD abgegrenzt hat, sagte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Sie schrieb den Wahlsieg vor allem Regierungschef Kretschmer zu.

Schon am Sonntagabend hatte AKK keinerlei Anstalten gemacht, den Wahlsieg als den ihren oder den der Bundes-CDU zu verkaufen. Stattdessen schrieb sie auf Twitter: "Dieser Wahlkampf hat uns inspiriert."

Verwendete Quellen:

  • afp
  • dpa
  • Annegret Kramp-Karrenbauer auf Twitter
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