Landtagswahl in NRW: Das sind die Spitzenkandidaten

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Vier bekannte Gesichter und ein Neuling prägen den Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen. Am 14. Mai wird auch darüber abgestimmt, wem von ihnen die Wähler am ehesten vertrauen. Die Konkurrenten im Kurzporträt. © dpa

Hannelore Kraft ist seit 2010 Regierungschefin im bevölkerungsreichsten Bundesland. Erst zwei Jahre als Ministerpräsidentin eines Minderheitsregierung, seit fünf Jahren mit satter rot-grüner Mehrheit. Doch jetzt muss die 55-Jährige mit dem "Kümmerer"-Image Rückschläge verdauen. Rot-Grün hat keine Mehrheit in der Meinungsumfragen und auch der Spitzenplatz der SPD unter den Parteien ist in Gefahr.
Kraft setzt ihre Erfahrung als Wahlkämpferin und ihre Bekenntnis zu Nordrhein-Westfalen dagegen. Als Spitzenkandidatin für die NRW-Landtagswahl will sie nicht auf den "Schulz-Effekt" hoffen. "Wir haben uns in Nordrhein-Westfalen immer auf uns selbst verlassen", sagt Kraft. Der Politikbetrieb in Berlin schreckt sie ab, einen Wechsel in die Bundespolitik hat sie schon vor geraumer Zeit abgelehnt.
Armin Laschet hat die nordrhein-westfälische CDU wieder auf Vordermann gebracht. Als er 2012 den Landesvorsitz übernahm, war die Partei mit nur 26,3 Prozent bei der Landtagswahl gerade auf ihrem Tiefpunkt angekommen. Eineinhalb Jahre später wurde Laschet auch Fraktionschef. In den Meinungsumfragen ist die CDU wieder auf Augenhöhe mit der SPD, der CDU-Erfolg bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein hat für zusätzlichen Rückenwind gesorgt.
Als Stellvertreter von CDU-Chefin Angela Merkel hat der 56-Jährige die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin vorbehaltlos unterstützt. Laschets Wunschpartner für einen Regierungswechsel ist die FDP. Aber auch andere Koalitionsoptionen hält er für möglich, ausgeschlossen hat er nur eine Zusammenarbeit mit AfD und Linken.
Seit fast sieben Jahren bildet Sylvia Löhrmann mit Ministerpräsidentin Kraft die weibliche Doppelspitze der rot-grünen Landesregierung. 2010 hatte die Grünen-Politikerin die zögernde Kraft in Richtung Minderheitsregierung geschoben. Seitdem verantwortet die stellvertretende Regierungschefin das neben der inneren Sicherheit strittigste Thema in NRW: die Schulpolitik.
Auch in den eigenen Reihen ist die 60-Jährige nicht mehr ganz unumstritten. Bei der Wahl zur Spitzenkandidatin der Grünen erhielt sie knapp 81 Prozent, vor der Landtagswahl 2012 waren es noch 98 Prozent. Jetzt bangen die Grünen sogar um den Einzug ins Landesparlament und haben sich im Schlussspurt des Wahlkampf ganz auf die Fortsetzung von Rot-Grün festgelegt. Koalitionen mit CDU und FDP soll es nach einem Beschluss des Parteirats nicht geben.
Für Christian Lindner soll die Landtagswahl zum Anlauf für den Sprung zurück in den Bundestag werden. Der 38-Jährige ist derzeit das Gesicht der FDP in Deutschland. Chef der Bundespartei, der NRW-FDP und der Düsseldorfer Landtagsfraktion, Spitzenkandidat bei der Landtagswahl und Nummer eins auf der NRW-Liste der FDP für die Bundestagswahl.
In Landtagsdebatten führt er häufig die schärfste Klinge. Festgelegt hat sich der 38-Jährige in der Koalitionsfrage: "Wir stehen für eine Ampel nicht zur Verfügung. Wir wollen das Elend von Rot-Grün ablösen und nicht verlängern." Lindners klare Ansage: Kommt die FDP in den Bundestag, zieht es ihn nach Berlin, er gibt dann das Steuer in NRW ab.
AfD-Spitzenkandidat Marcus Pretzell ist auch in den eigenen Reihen umstritten. Mit gerade 54 Prozent der Stimmen war er auf Platz eins der Landesliste gewählt worden. Zuletzt scheiterte sein Versuch, seinen Ko-Vorsitzenden Martin Renner aus dem Landesvorstand zu werfen.
Der 43-Jährige ist Europaabgeordneter. Er gehört der Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit (ENF) um die Abgeordneten der rechtsextremen französischen Partei Front National an. Sein selbst erklärtes Ziel: "Den Zeitgeist wieder drehen" - unter anderem mit provokanten Tweets. Pretzell ist ein Vertrauter von Bundesparteichefin Frauke Petry - und inzwischen mit ihr verheiratet.
Die Linke geht mit einer Doppelspitze in den Landtagswahlkampf. Die beiden Sprecher des Landesvorstands, Özlem Demirel und Christian Leye, wurden auch auf die Plätze eins und zwei der Landesliste gewählt. Die 33-jährige Demirel war bereits in der vorletzten Legislaturperiode Landtagsabgeordnete. Der 36-jährige Leye ist Mitarbeiter im Wahlkreisbüro von Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht. Beide habe die rot-grüne Landesregierung scharf angegriffen und ihr vorgeworfen, sie habe "die soziale Gerechtigkeit links liegen lassen".
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