Was für ein Debakel für die SPD in Nordrhein-Westfalen: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wurde deutlich abgewatscht, die CDU triumphiert. Doch was bedeutet das für die Bundestagswahl? Ist der "Schulz-Zug" endgültig auf dem Abstellgleis? So kommentiert die Presse den Ausgang der Landtagswahl.

Süddeutsche Zeitung: "Wer zu früh kommt, ist auch unpünktlich"

"Am 24. September, am Abend der Bundestagswahl, wird man vielleicht sagen, dass Schulz zu spät kam, um die Kampagne der SPD in der gesamten Republik noch gut auf sich einzustellen.

Für die Landtagswahl in NRW dagegen kam die Nominierung von Schulz zu früh. Der Hype, den seine Kür zum SPD-Spitzenmann ausgelöst hatte, war bei der Wahl schon lang zu Ende. Für Schulz gilt hier der Satz: Wer zu früh kommt, ist auch unpünktlich." (zum Artikel)

Rheinische Post: "Wer so wenig Gespür für die Menschen hat, muss verlieren."

"Wer so wenig Gespür für die Menschen hat, muss verlieren. Kraft hat viel für das Land getan, aber es reichte am Ende nicht mehr.

Die SPD-Niederlage ist auch eine Klatsche für den Kanzlerkandidaten Martin Schulz, der selbst gesagt hatte, dass ein Wahlsieg in NRW ihn ins Kanzleramt bringen würde. Doch über den Schulz-Effekt sprechen ohnehin nur noch die Kabarettisten." (zum Artikel)

Nach SPD-Debakel bei NRW-Wahl War es das schon für Martin Schulz?
  • A
    Ja, Merkel ist nicht mehr zu schlagen
  • B
    Nein, Schulz kann noch Kanzler werden
  • C
    Weiß nicht

Der Tagesspiegel: "Von wegen Gottkanzler"

"Von wegen "Schulz- Zug", wie es schon hieß, als er an die Spitze der Bundes-SPD gewählt wurde mit 100 Prozent. Das ist, heute wissen wir es noch besser, weniger eine Verheißung als eine Hypothek geworden.

Und von wegen "Gottkanzler", als der Schulz schon apostrophiert wurde. Jetzt wird er voraussichtlich kein Bundeskanzler werden; vom anderen zu schweigen, was sicher auch ganz im Sinne des Katholiken Schulz ist." (zum Artikel)

Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Wenn irgendwo, dann doch in Groß-Würselen"

"Wenn er irgendwo in Deutschland die SPD zum Sieg führen würde, dann doch wohl in Groß-Würselen, in Nordrhein-Westfalen! Schulz kam dort einer SPD zu Hilfe, die nicht gerade eine reiche Erfolgsbilanz vorzuweisen hatte.

Jetzt zeigt sich, dass er gerade hier nicht gezogen hat, dass ausgerechnet hier die Wirkung seines Aufstiegs an die SPD-Spitze verpufft ist." (zum Artikel)

Stuttgarter Zeitung: "Zeit des Wegduckens ist vorbei"

"Die Zeit des Wegduckens, der Rücksichtnahme auf die SPD-Wahlkämpfer in den Ländern ist vorbei. Nun muss Schulz inhaltlich Überzeugendes liefern, ansonsten rückt ein Sieg gegen Angela Merkel im Herbst in unerreichbare Ferne."

SPD-Kanzlerkandidat will nach Wahl-Debakel Kurs anpassen.


Augsburger Allgemeine: "Sieg Merkels keine beschlossene Sache"

"Ist der Sieg Angela Merkels und ihrer CDU/CSU hiermit beschlossene Sache? Nein, natürlich nicht. Es sind ja noch fast vier Monate bis zur Entscheidung im Kampf um die Macht in Berlin - vier Monate in einer schnelllebigen, von Krisen geprägten Zeit, in der sich Stimmungslagen rasch verändern können." (zum Artikel)

Leipziger Volkszeitung: "SPD nahm Laschet bis zuletzt nicht ernst"

"Jetzt ist es die CDU, die zuletzt lacht. In der vorigen Woche war Oppermann, insofern muss man ihn in Schutz nehmen, mit seiner Arroganz nicht allein: Die komplette SPD nahm Laschet bis zuletzt nicht ernst.

Ein Typ ohne Ecken und Kanten sei da unterwegs, hieß es, eine nette, rheinische Frohnatur, die niemandem etwas zuleide tue - und gewiss nicht in der Lage sei, die traditionelle SPD-Dominanz in Nordrhein-Westfalen zu erschüttern." (zum Artikel)

Freie Presse Chemnitz: "Versäumt, den Kampf aufzunehmen"

"Die SPD setzt - ihrer alten Tradition folgend - inhaltlich auf Gerechtigkeit. Der Zeitgeist lechzt jedoch in erster Linie nach Sicherheit. In einer solchen Situation hat es der Amtsinhaber im Kanzleramt immer leichter.

Aber die Sozialdemokraten haben es bislang versäumt, in diesem Punkt wenigstens den Kampf anzunehmen." (zum Artikel)

Stellt Merkel schon den Sekt kalt? Was macht Schulz? Wichtige Antworten.


Der Standard (Österreich): "Vielen war es nicht gut genug"

"Die SPD regiert in ihrer Herzkammer an Rhein und Ruhr seit 1966. Nur von 2005 bis 2010 war die Düsseldorfer Staatskanzlei in schwarzer Hand. Es ist also nachvollziehbar, dass viele Menschen mit der SPD eine Rechnung offen hatten.

Die vielen Staus, die maroden Brücken, die hohe Verschuldung – da konnte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die Landesmutter mit "Kümmer-Image", noch so oft versichern, dass vieles schon besser geworden sei." (zum Artikel)

The Times (England): "Merkel reitet auf einer Welle"

"Nach diesem Ergebnis lässt sich mit Sicherheit darauf wetten, dass Angela Merkel nach den Wahlen im Herbst wieder Bundeskanzlerin wird.

Als Deutschland vor 18 Monaten mit der Zuwanderung von Hunderttausenden von Flüchtlingen konfrontiert war, hatte man sie bereits abgeschrieben. Jetzt scheint sie auf einer Welle zu reiten, und Mitte-Links wird es sehr schwer haben, sie zu verdrängen."

La Repubblica (Italien): "Merkel bekommt mehr Rückenwind"

"Im Gegensatz zu der Wahl in Frankreich wird die Bundestagswahl in Deutschland nicht das Schicksal Europas entscheiden. Wenn in Paris Marine Le Pen gewonnen hätte, wäre die EU vermutlich am Ende gewesen.

Wenn in Berlin Merkel gewinnt, wie es wahrscheinlich ist, oder wenn Schulz gewinnt, wird das Kanzleramt immer noch von einer Person besetzt, die an Europa glaubt und der bewusst ist, dass Integration verstärkt werden muss."

Schlimmer hätte es für die SPD und Kanzlerkandidat Martin Schulz nicht kommen können: Bei der "kleinen Bundestagswahl" in NRW erleiden die Sozialdemokraten eine krachende Niederlage. Reicht es im Stammland der Sozialdemokraten sogar für Schwarz-Gelb?



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