Frieden und freier Verkehr zwischen den Ländern - Deutschland hat nachweislich von der Europäischen Union profitiert. Doch es gibt noch mehr Gründe, wieso die EU trotz aller Probleme als eine Erfolgsgeschichte zu sehen ist.

Bringt die Europäische Union dauerhaften Frienden?

Kein Krieg mehr in Europa: Mit diesem Ziel wurde die europäische Integration vorangetrieben. Und es hat funktioniert: Nach den beiden verheerenden Weltkriegen herrscht seit fast 60 Jahren Frieden - auch ein Verdienst der EU und ihrer Vorgänger. Folgerichtig erhielt die Europäische Union 2012 den Friedensnobelpreis. Die Begründung des Nobelkomitees: "Die Union und ihre Vorgänger haben über sechs Jahrzehnte zur Förderung von Frieden und Versöhnung beigetragen. Seit 1945 ist diese Versöhnung Wirklichkeit geworden."

Was hat die Europäische Union im Alltag gebracht?

Seit 1993 gibt es in der Europäischen Union einen gemeinsamen Markt, den sogenannten Binnenmarkt. Laut einer Studie der Deutschen Bank hat sich damit der innereuropäische Warenaustausch zwischen 1992 und 2012 mengenmäßig nahezu verdoppelt. Konkret bedeutet das: italienische Pasta; spanische Tortilla und Bordeaux-Wein sind seitdem viel leichter im Supermarkt zu bekommen. Dank der EU wurde auch der Verbraucherschutz verbessert. So wurden beispielsweise der Einsatz von speziellen Wachstumshormonen und der Verkauf von Klonfleisch verboten. Auch werden Lebensmittel dank der EU besser gekennzeichnet. Auch beim Online-Einkauf im EU-Ausland hat der Verbraucher seit diesem Jahr mehr Rechte.

Wurde Einkaufen durch den Euro teurer?

2002 ersetzte der Euro 17 nationale Währungen innerhalb der EU, darunter die Deutsche Mark. In der Wahrnehmung der meisten Bundesbürger wurde dadurch vieles teurer. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes vom Ende des Jahres 2002 lag die Inflation bis Jahresende aber lediglich bei 1,4 Prozent. Die Erklärung: vor allem Produkte, bei denen der Verbraucher besonders auf den Preis achtet, hatten sich verteuert. Allein die Preise für Dienstleistungen stiegen im ersten Euro-Jahr um drei bis sechs Prozent. Deutliche Preiserhöhungen bei Obst und Gemüse waren dagegen im Wesentlichen witterungsbedingt und lagen gegen Jahresende sogar unter Vorjahresniveau. Kaum stiegen dagegen die Ausgaben für Wohnung, Wasser und Energie, elektrische Geräte wurden teils sogar deutlich billiger. Zehn Jahre nach der Euroeinführung stellte der "Stern" in einer Untersuchung fest, dass sich Produkte und Dienstleistungen seit 2002 "weniger stark als zu DM-Mark-Zeiten" verteuert hatten.

Was hat die EU für die hiesige Wirtschaft gebracht?

Der Binnenmarkt beinhaltet nicht nur die freie Zirkulation von Waren und Kapital, sondern auch von Dienstleistungen und Arbeitnehmern. Laut der Deutschen Bank hat sich für Deutschland entgegen weitverbreiteter Vorurteile insbesondere die Öffnung der EU nach Osteuropa gelohnt. Die deutsche Wirtschaft habe "in beträchtlichem Maße von den schnell wachsenden Auslandsmärkten ‚vor der Haustür‘ profitieren können", so die Bank in einer Studie aus dem Jahr 2009. Insgesamt habe die "hier entstandene wirtschaftliche Verflechtung wesentlich dazu beigetragen, dass die deutschen Unternehmen auch unter wachsendem Globalisierungsdruck wettbewerbsfähig bleiben und Arbeitsplätze sichern konnten." Die Bundesregierung erklärt dies so: hohe Entwicklungskosten lohnten sich erst mit einem großen Markt. Deutschland hat 2012 Waren im Wert von mehr als einer Billion Euro ausgeführt - 57 Prozent davon in andere EU-Staaten.

Welche Vorteile bringt die EU speziell für Jugendliche?

Mit dem Vertrag von Lissabon aus dem Jahr hat sich die EU verpflichtet, Jugendliche stärker in ihre Entscheidungen einzubinden. Erst Mitte dieses Monats hat das EU-Parlament 5.000 junge EU-Bürger zu einem dreitägigen Zukunfts-Gipfel nach Straßburg eingeladen. Ein konkretes Ergebnis des Austauschs mit jungen Europäern ist das neue Bildungsprogramm Erasmus+. Mit dem Programm, das im Herbst dieses Jahres startet, können bis zu fünf Millionen Menschen – fast doppelt so viele wie bisher – einen Teil ihres Bildungswegs im Ausland absolvieren. Mit Erasmus+ können Studenten ein Semester in Paris verbringen, ein Berufseinsteiger ein Praktikum in London und ein junger Arbeitssuchender ein Freiwilligenjahr in Rom absolvieren.

Wie demokratisch ist die EU?

Auch wenn sich die EU insbesondere um die Jugend bemüht, bescheinigt ihr die Bundeszentrale für politische Bildung ein "Demokratiedefizit." Die Entscheidungen der EU seien "oft intransparent". Das Defizit resultiere vor allem aus der "mangelnden Anbindung der Kommission an das Europäische Parlament", welches "(noch) nicht die demokratischen Rechte wie die nationalen Parlamente" besäße. Die AfD, die mit ihren Anti-Euro-Parolen Umfragesiege feiert, hat das Demokratiedefizit zum Wahlkampfthema gemacht. Alle deutschen Parteien haben Konzepte zur Demokratisierung der EU vorgelegt. Unabhängig davon, wie man über die EU denken mag: der erste Schritt zu mehr Demokratie ist stets der Gang zur Wahl.