Der Vorsitzende des CDU-Sozialflügels, Karl-Josef Laumann, sieht eine zunehmende Entfremdung der Wähler von den politischen Parteien.

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"Wir spiegeln natürlich in der politischen Repräsentanz von Abgeordneten, von Führungspersonal in der Bevölkerung nicht mehr die soziologischen Schichten unserer Bevölkerung ab", sagte er in einem am Samstag gesendeten Interview mit dem Deutschlandfunk. Das sei ein großes Problem. "Und das hat auf Dauer auch Konsequenzen für die Akzeptanz vom gesamten Politiksystem bis hin zur parlamentarisch repräsentativen Demokratie."

Der Politikbetrieb müsse mehr darauf achten, dass sich die politische Mannschaft aus der Gesamtbevölkerung zusammensetze. "Ich bin groß geworden in einer Ortsunion, wo man sehr darauf geachtet hat, dass wir bei Kommunalwahlen sowohl mit Arbeitern wie Landwirten wie Selbstständigen antraten", sagte Laumann. Das sei damals ein großes Erfolgsrezept gewesen. "Wenn heute fast ein Viertel der Abgeordneten Juristen sind, dann hat das nichts mehr mit der Frage zu tun, wie sich die Bevölkerung zusammensetzt", kritisierte er.

Dass die Union nicht von der Unzufriedenheit mit der Ampel profitiere, sondern vor allem die AfD, habe auch mit den Biografien des Führungspersonals zu tun. "Wir müssen vorne auch Leute haben, die eine andere Biografie haben wie die jetzigen", sagte Laumann, der von einem Bauernhof stammt und gelernter Maschinenschlosser ist. Laumann ist Gesundheitsminister in Nordrhein-Westfalen und Bundeschef der Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA).

CDA-Vizechef Christian Bäumler hatte mehr Einfluss für den Sozialflügel in der CDU-Parteispitze gefordert, nachdem CDU-Chef Friedrich Merz mit Carsten Linnemann einen Wirtschaftsliberalen zum designierten Generalsekretär gemacht hatte. Linnemann ist bislang einer von fünf Stellvertretern des Parteichefs und wird den Posten aufgeben. Bäumler hatte gefordert, Laumann solle dann Parteivize werden. Laumann sagte dazu: "Wir haben den Parteitag, wo das entschieden wird, im Mai nächsten Jahres. Und ich bin so lange in der Politik, dass ich schon weiß, wann man Kandidaturen anmelden muss, wenn man sie wirklich will - aber nicht ein Dreivierteljahr vorher."  © dpa

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