Anders als noch bei der Bundestagswahl vor vier Jahren bekennt sich keine der Parteien mehr zur Atomkraft. Alle wollen in ihren Wahlprogrammen verstärkt Strom aus erneuerbaren Energien gewinnen, wollen Stromtrassen und Speicher ausbauen.

Vereinter Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde: Die Erstplatzierten der Landeslisten der Piratenpartei sollen den Bundestag entern.

Die FDP lehnt allerdings einen schnellen Atomausstieg um jeden Preis ab, sondern mahnt "Augenmaß und Realismus" an. Bei der Energiewende dürfe die Basis für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und den sozialen Zusammenhalt nicht untergraben werden. "Deshalb sind für uns Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit ebenso wichtig wie schnelle Fortschritte im Umweltschutz", betonen die Liberalen.

Wie die FDP sorgt sich auch die Union um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Deshalb müssten Firmen in energieintensiven Industrien auch künftig "zielgenau entlastet" werden, um Nachteile durch unterschiedliche internationale Rahmenbedingungen auszugleichen, fordern CDU und CSU.

Energiewende falsch angepackt

SPD und Grüne dagegen werfen der Koalition vor, die Energiewende falsch angepackt zu haben. Die Sozialdemokraten wollen ein Energieministerium schaffen, die Grünen das derzeitige Bundesumweltministerium zu einem "Umwelt- und Energieministerium" erweitern. Die Sozialdemokraten wollen erreichen, dass bis 2030 75 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen wird.

Nach dem Willen der Grünen sollte die Energiewende sogar noch beschleunigt und das letzte Atomkraftwerk schon deutlich vor 2022 abgeschaltet werden. Bis 2030 sollen 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen werden und damit auch der Kohleausstieg vollbracht sein. Damit der Strompreis für alle bezahlbar bleibt, wollen die Grünen die Privilegien für die Industrie streichen. SPD und Grüne verlangen einträchtig, dass die Kosten für den Atommüll von der Atomindustrie getragen werden sollen.

Atomausstieg in drei Jahren

Die Piratenpartei will den Atomausstieg innerhalb von drei Jahren geschafft haben. Die Linken kämpfen für eine sofortige Abschaltung der Atomkraftwerke. Der Ausstieg aus der Kernenergie soll sogar im Grundgesetz festgeschrieben werden. Das letzte Kohlekraftwerk soll spätestens 2040 vom Netz gehen. Industrierabatte sollen zügig abgeschafft werden. Nach dem Willen der Linkspartei sollen alle Privathaushalte je nach Größe ein "Grundkontingent an Strom" kostenlos bekommen, das einen Teil des durchschnittlichen Verbrauchs abdeckt. Wer viel Strom verbraucht, soll aber mehr bezahlen.

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