• Am Sonntag ist Bundestagswahl und in einigen Regionen wird es dabei regnen.
  • Wissenschaftlern zufolge könnte das Wetter das Ergebnis der Wahl beeinflussen.
  • Denn Studien zufolge profitieren konservative Parteien von Regenwetter am Tag der Wahl – doch es gibt auch Zweifel an dieser These.

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Bislang hat das Wetter Armin Laschet im Wahlkampf nicht viel geholfen. Ganz im Gegenteil sogar. Als er bei einem Besuch, der von der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli betroffenen Gebiete in NRW in Gelächter ausbrach, schlug dem Kanzlerkandidaten der Union aus ganz Deutschland Empörung entgegen.

Bei einem Besuch in einem Hochwassergebiet brach Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, im Juli in Gelächter aus. Laschet wurde dafür sowohl von der Zivilbevölkerung als auch von verschiedenen Politikern scharf kritisiert.

Doch jetzt, rund zwei Monate später, könnte das Wetter dazu beitragen, dass die CDU bei der Wahl am Sonntag besser abschneiden könnte, als es die aktuellen Umfragen vermuten lassen.

Denn der deutsche Wetterdienst (DWD) prognostiziert für den Wahltag gebietsweise Regen. Und wenn es regnet, schneiden konservative Parteien bei Wahlen besser ab – sagen zumindest einige Wissenschaftler.

Studie: Bei Regen sinkt die Wahlbeteiligung

Seit Jahren beschäftigen sich Forscher damit, welchen Einfluss das Wetter auf eine Wahl nehmen kann. Eine der Thesen ist dabei: Wenn das Wetter schlecht ist, gehen weniger Menschen zum Wählen. Zu diesem Ergebnis kamen etwa Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Studie aus dem Jahr 2015.

"Der Zusammenhang, dass der Regen die Wahlbeteiligung verringert, ist relativ gut dokumentiert", sagte der Wirtschaftspolitik-Professor Ronny Freier kurz vor der Wahl 2017 der "Welt". Freier arbeitete mit an besagter Studie, bei welcher der Einfluss des Wetters auf verschiedene Wahlen untersucht wurde.

Dazu sammelten Freier und sein Kollege Felix Arnold Daten aller Kommunal- und Landeswahlen in Nordrhein-Westfalen zwischen 1975 und 2010. Das Ergebnis: Bei zehn Millimetern Regen sank die Wahlbeteiligung auf kommunaler Ebene um 1,2 Prozent, auf Landesebene um 0,5 Prozent.

Konservative profitieren von schlechtem Wetter

Auch in Bezug auf die niederländischen Parlamentswahlen und die Wahl des Präsidenten in den Vereinigten Staaten stießen Forscher auf einen ähnlichen Effekt. Zudem kommen alle Studien zu dem Ergebnis, dass vor allem konservative Parteien, wie die CDU oder die US-Republikaner, von den Niederschlägen am Wahltag profitieren.

Bei knappen Wahlen verliert der Regen-Effekt aber laut Felix Arnold an Relevanz. Darauf deuten Daten zu Wahlergebnissen zwischen 1946 und 2009 in Bayern hin.

"Auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die eigene Stimme entscheidend sein könnte, gleich null ist, wollen sich die Wähler nicht fragen müssen, ob sie doch etwas am Ergebnis hätten ändern können", wie Arnold gegenüber dem Online-Portal der Wissenschaftszeitung "Spektrum" erklärte.

Beeinflusst der Regen Wähler emotional?

Warum gerade konservative Parteien von regnerischen Wahltagen profitieren sollen, weiß bislang niemand so genau. "Allgemein wird in der Literatur davon ausgegangen, dass konservative Wähler eine höhere Wahlneigung haben", erklärte Freier 2017.

Demnach würden tendenziell eher linksgerichtete Wähler schneller beschließen nicht zu wählen – etwa weil der Gang zur Wahlurne durch das schlechte Wetter ungemütlich werden könnte.

Schweizer Forscher hingegen vermuten, dass Regen die Wähler emotional beeinflussen könnte. Dadurch würde den Wissenschaftler zufolge ihre Bereitschaft zur Veränderung vermindert und sie würden stärker für den "Status quo", für den konservative Parteien stehen, stimmen.

Theorie zum Wetter-Effekt ist umstritten

Freier und Arnolds Theorie ist aber nicht unumstritten. Denn es gibt auch Studien, die das genaue Gegenteil herausgefunden haben wollen. Ein Wissenschaftler der Universität von Oslo kommt in einer Studie von 2014 beispielsweise zu dem Ergebnis, dass bei Regen mehr Menschen wählen gehen als bei Sonnenschein.

Auch der Diplom-Meteorologe Simon Trippler vom DWD schaltete sich 2017 in die Diskussion zum Einfluss des Wetters auf die Wahl ein. Nach einer Analyse verschiedenen Studien kommt er zu dem Schluss, dass sich bisher nicht möglich sei, die Auswirkungen des Wetters auf die Wahl eindeutig festzustellen.

"Möglicherweise gibt es einen Einfluss, möglicherweise aber eben auch nicht", so Trippler damals. "Wahrscheinlich spielen andere Faktoren wie die politische Überzeugung, die Politikverdrossenheit, die Bedeutung der eigenen Stimme, usw. doch die größere Rolle."

So wird das Wetter in den kommenden Tagen

Sicher ist sich der DWD aber, wie das Wetter am Wahltag und den Tagen zuvor wird. Im Osten und im Südwesten ist laut den Meteorologen am Freitag sonnig und es bleibt trocken. Stark bewölkt hingegen ist der Himmel dann von der Nordsee bis zum Bayerischen Wald.

Hier kann vereinzelt auch etwas Regen fallen. Das Wetter lockert sich im Laufe des Tages aber bis zur Mitte des Landes auf und es wird teilweise auch heiter. Im Osten kommt es hingegen vermehrt zu Wolkenbildung. Die Temperaturen erreichen Höchstwerte von 16 bis 25 Grad, wobei es in der Südwesthälfte deutlich wärmer wird als im Nordosten von Deutschland.

Am Samstag wird es noch etwas ungemütlicher. In den Tiefebenen von Norddeutschland ist der Himmel wechselhaft bewölkt und es fällt etwas Regen. Etwas freundlicher zeigt sich das Wetter hier vor allem an der See und an der Grenze zu Dänemark.

Heiter, sonnig und trocken ist es hingegen in der Mitte und im Süden des Landes. Ab dem Nachmittag steigt dann aber das Risiko für Regenschauer im Südwesten und es zeihen dichtere Wolkenfelder auf. Mit Höchsttemperaturen von 18 bis 26 Grad wird es etwas wärmer als tags zuvor.

Am Tag der Wahl zeigt sich das Wetter im Osten und Südosten wechselhaft. Hier ist es am Sonntag teils bewölkt, teils aber auch heiter. Im Nordosten ziehen zwar dichte Wolken über den Himmel, es bleibt aber trocken. Ganz anders sieht es im Westen aus.

Von hier zieht schauerartiger Regen auf, der bei starker Bewölkung vom Himmel fällt. Im Südwesten kann es laut dem DWD dabei auch zu teilweise kräftigen Gewittern kommen. Die Temperaturen erreichen Höchstwerte von 20 bis 26 Grad.

Auch am Montag kommt es zu Schauern und einzelnen Gewittern – dann aber im Osten und Südosten Deutschlands. Die Wolkendecke über dem Südwesten und Westen lockert sich im Laufe des Tages bis zur Mitte hin auf.

In Richtung Südwesten scheint dabei auch länger die Sonne und es bleibt meist trocken. Ab dem Nachmittag bilden sich aber im Nordwesten und im Westen gebietsweise Regenschauer. Die Höchsttemperaturen liegen am Montag zwischen 18 und 23 Grad.

Verwendete Quellen:

  • Deutsche Presse-Agentur
  • Deutscher Wetterdienst: Beeinflusst das Wetter die Wahl?
  • Diskussions-Papier des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: "The Partisan Effects of Voter Turnout - How Conservatives Profit from Rainy Election Days"
  • Spektrum.de: Wie das Wetter den Willen der Wähler beeinflusst
  • Welt.de: Warum die SPD auf Sonne hoffen sollte

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