Im zweiten Teil von Klaas Heufer-Umlaufs Politshow "Ein Mann, eine Wahl" werden Politiker im Schnelldurchlauf interviewt. Alice Weidel gibt sich zahm, Heiko Maas fordert Zivilcourage. Höhepunkt ist ein Statement des Moderators am Ende.

Christian Stüwe
Eine Kritik
von Christian Stüwe, Freier Autor

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Nur noch wenige Tage bis zur Bundestagswahl, da hat selbst beim Entertainment-Sender ProSieben Politik derzeit Hochkonjunktur.

Am frühen Montagabend lief bei "Galileo" das "Kanzler-Experiment", am Abend, eingebettet zwischen zahllosen Folgen von "The Big Bang Theory", wurde der zweite Teil von Klaas Heufer-Umlaufs Politshow "Ein Mann, eine Wahl" ausgestrahlt.

Das eigentlich Konzept der Sendung, die Aufspaltung von Heufer-Umlauf in drei Personen - ein linker, ein konservativer und ein noch unentschiedener Klaas - spielte kaum noch eine Rolle.

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel bezieht im Exklusiv-Interview Stellung.

Während in der vergangenen Woche die einzelnen Politiker und Experten recht ausführlich zu Wort kamen, ging diesmal alles Schlag auf Schlag.

CDU-Staatssekretär Jens Spahn, Linke-Vorsitzende Katja Kipping, Kolumnist Jakob Augstein, Justizminister Heiko Maas, AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel und Fußball-Weltmeister Toni Kroos wurden allesamt in weniger als einer Stunde Sendezeit befragt.

Alles garniert mit den Sitcom-Elementen, in denen Klaas mit seinen beiden anderen Egos diskutiert. Die Sendung wirkte ein bisschen wie eine Clipshow.

Was grundsätzlich aber auch egal war, denn die Interviews waren ohnehin die stärksten Momente von "Ein Mann, ein Wahl".

Und hier hatte sich die Show die mutmaßlich spannendsten Begegnungen für den zweiten Teil aufgehoben.

Weidel präsentiert sich zahm

Vor allem auf das Treffen mit AfD-Frau Weidel durfte man gespannt sein, schließlich hatte sich Klaas mit Kollege Joko schon mehrfach in früheren Formaten klar gegen die Rechtspopulisten ausgesprochen.

Das Interview verlief dann jedoch recht zahm. Was vielleicht auch daran lag, dass Weidel sich nicht sonderlich angriffslustig präsentierte.

"Ich bin von der Bilanz von Trump nicht sonderlich begeistert", erklärte Weidel etwa.

Dass ihre Vorgängerin Frauke Petry den Begriff "völkisch" wieder positiv besetzen wollte, ließ Weidel das Gesicht verziehen.

"Ganz schwierig", bemerkte Weidel: "Ich glaube nicht, dass man das Wort völkisch positiv aufladen kann."

Um dann zu erklären, dass Petry falsch verstanden worden sei. Aber diese Spielchen kennt man ja von der AfD.

Wie gerecht ist Deutschland? Das ist eine der wichtigsten Fragen im Bundestagswahlkampf – und eine der umstrittensten. Alle Parteien verstehen etwas anderes darunter, die Analysen unterscheiden sich wesentlich, die Lösungsansätze auch. Wir machen den Check.

Kipping wirbt für bedingungsloses Grundeinkommen

Auf der anderen Seite des Parteien-Spektrums warb Katja Kipping für das bedingungslose Grundeinkommen, das "eine Art Demokratie-Pauschale" sei.

Wer mehr Zeit habe, könne sich auch besser politisch engagieren, erklärte die Linke-Chefin.

Justizminister Heiko Maas sprach über den Hass im Internet. "Da kann man nicht tatenlos zusehen", sagte der SPD-Mann: "Hass und Neid gab es schon immer. Das ist nicht neu. Die, die so denken, haben schon immer so gedacht. Aber jetzt haben sie eine neue Plattform bekommen."

Maas forderte Zivilcourage ein: "Manchmal unterschätzen Menschen ihre eigentlichen Möglichkeiten."

Wieder GroKo, Jamaika - oder doch noch ein ganz anderes Bündnis. Der Check.

Schäuble-Vertreter Spahn lobte die Arbeitsmarktpolitik der CDU und sprach über die Integration von Flüchtlingen. "Wer zu uns kommt, muss nicht Goethe auswendig gelernt haben", erklärte Spahn: "Aber ein bisschen Interesse an unserer Kunst und Kultur kann ich schon erwarten."

Ob die CDU ohne Angela Merkel vorstellbar wäre, wollte Heufer-Umlauf wissen. "Niemand ist unersetzbar. Nicht der Klaas, nicht der Jens, nicht die Angela", sagte Spahn, der als möglicher Nachfolger der Kanzlerin gehandelt wird.

Kroos berichtet von Merkels Kabinenbesuch

Als Unterstützer der Kanzlerin hatte sich vor kurzem Toni Kroos bei Twitter geoutet, am Montagabend sprach er über den Kabinenbesuch Angela Merkels nach dem gewonnenen WM-Finale 2014. "Sie war euphorisiert. Sie war nahbar, das finde ich gut", erklärte der Nationalspieler.

Dann ließ sich Kroos, der sich ansonsten in Interviews eher distanziert gibt, noch zu einer Aussage hinreißen, die nichts mit Politik zu tun hatte.

Ob es bei Real Madrid Regeln dazu gebe, "wann man einen Saufen" dürfe, fragte Klaas. "Das wird einfach gemacht", antwortete Kroos.

Danach wurde es dann aber nochmal richtig ernst. Klaas legte ein Videoband ein, auf dem er im Abstand von zehn Jahren Botschaften an sich selbst in der Zukunft aufgenommen hatte - 1987, 1997, 2007.

Nachrichten sind langweilig und dröge? Es kommt auf den Blickwinkel an.

Die Botschaft des Jahres 2017 zeichnete er im Anschluss auf, was zum emotionalen Höhepunkt der zweiteiligen Sendung wurde.

Heufer-Umlauf beklagt Werteverlust

"2017 war ein Jahr, in dem mir ein Privileg bewusst geworden ist. Das Privileg, dass ich lange denken durfte, das bestimmte Sachen völlig normal sind: Mitmenschlichkeit, Toleranz, Leuten zu helfen, die Hilfe brauchen", erzählte Klaas, dem anzumerken war, wie sehr ihn die aktuelle politische Lage bewegt.

Alles das habe er für selbstverständlich genommen, aber es sei nicht mehr normal. In den nächsten zehn Jahre gelte es nun, diese Werte zu bewahren, forderte Heufer-Umlauf: "Demokratie funktioniert nur, wenn alle mitmachen. Das muss jetzt klappen in den nächsten zehn Jahren. Ich bin sehr gespannt, was ich dir dann zu erzählen habe. Verkack es nicht!"

Verkack es nicht. Eine Botschaft, die man jedem einzelnen Wähler am Sonntag mit auf den Weg zur Wahlurne geben möchte.

Wer sich einen kurzen Überblick über die Wahlprogramme der etablierten Parteien machen will, kann das hier tun.
Im Interview mit unserer Redaktion haben sich zudem die Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel zu wichtigen Fragekomplexen geäußert. Die Interviews mit den Spitzenkandidaten finden Sie hier.