An diesem Sonntag kommt es zum TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz. Wie die Fernsehdebatte abläuft, was im Vorfeld polarisierte und wie sehr TV-Duelle in der Vergangenheit die Bundestagswahl beeinflussten – Antworten auf die wichtigsten Fragen.

News und Hintergründe zur Bundestagswahl 2017

Drei Wochen vor der Bundestagswahl steigt das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kandidat Martin Schulz. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer moderiert das TV-Duell, wann und wo läuft es?

Die Debatte steigt am Sonntagabend, 3. September, zwischen 20.15 Uhr und 21.50 Uhr. Die Fernsehsender ARD, ZDF, SAT.1 und RTL werden das Duell zeitgleich übertragen.

Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) werden im TV-Studio in Berlin-Adlershof von Sandra Maischberger (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und Claus Strunz (ProSieben/Sat.1), befragt.

Was waren im Vorfeld Streitpunkte?

Im Vorfeld gab es Vorwürfe, dass das Kanzleramt massiv auf die Gestaltung des TV-Duells eingewirkt habe. Der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender kritisierte Merkel dafür, das TV-Duell durch massiven Druck zu einem reinen Kanzlerformat gemacht zu haben.

"Die Einigung ist unter Erpressung durch das Kanzleramt zustande gekommen. Das Kanzleramt verlangt ein Korsett für die Kanzlerin, in dem sie sich nicht bewegen muss. Und zugleich eines für Schulz, in dem er sich nicht bewegen darf", sagte der Journalist dem "Spiegel". "Solche Vereinbarungen nennt man sittenwidrig."

Nach Ostern kam es zum Streit zwischen den Sendern, der SPD und Vertretern aus dem Kanzleramt. So sollte es im Gegensatz zu den Jahren 2005, 2009 und 2013 nicht nur ein TV-Duell, sondern zwei geben.

Statt eines starren Frage- und Antwortkonzepts wurde ein Schlagabtausch mit nur geringer Einmischung der Moderatoren angeregt - vor Studiopublikum.

Das alles wollte die Kanzlerin aber angeblich nicht, während die SPD Interesse zeigte. Die Sender gaben letztlich nach, weil Regierungssprecher Stefan Seibert sogar mit der Absage Merkels gedroht haben soll.

Wie wird das TV-Duell ablaufen?

Maischberger, Illner, Kloeppel und Strunz werden die Kandidaten abwechselnd befragen und dabei häufiger wechseln als 2013. Eigentlich wollten die Sender die beiden Moderatorenpaare (öffentlich-rechtlich und privat, Anm.d.Red.) nach einem Einstieg in Blöcken von je 45 Minuten Fragen stellen lassen.

Doch das Kanzleramt intervenierte. Die Sendung "dürfte nun so ritualisiert ablaufen wie wir es aus der Vergangenheit kennen. Der Erfahrung nach werden sich Merkel und Schulz eher begegnen als duellieren", kommentierte der „Stern“.

Ergo: Es wird ein Gespräch mit den Moderatoren, kein Streitduell zwischen den Kandidaten erwartet.

Was ist die Ausgangsbasis?

Schulz muss liefern. Laut aktuellen Umfragen liegt die Union derzeit deutlich über 10 Prozent vor der SPD.

Doch auch das sagen die Umfragen: Die Hälfte der Wähler sind noch unentschlossen. Hierin liegt die große Chance Schulz‘. Der 61-Jährige ging beim ARD-Sommerinterview bereits zur Strategie über, Merkel persönlich zu attackieren. Der SPD-Chef warf der Regierungschefin zuletzt unter anderem "Abgehobenheit" vor.

Doch wie will er punkten? Schulz wird wahrscheinlich beim Thema Rente ansetzen. Denn: CDU und CSU fehlt ein klares Rentenprogramm. Was mit der Rente geschieht, soll erst nach dem Wahltag von einer Kommission geklärt werden.

Mit Spannung wird erwartet, ob Schulz weiter die Flüchtlingspolitik zum Wahlkampfthema macht. "Wer auf Zeit spielt und versucht, das Thema bis zur Bundestagswahl zu ignorieren, verhält sich zynisch", hatte der SPD-Chef der "Bild am Sonntag" jüngst gesagt.

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Wie entscheidend waren TV-Duelle in der Vergangenheit?

TV-Duelle können einen Verstärkereffekt haben, erklärt das Manager Magazin. Vereinfacht: Patzt ein Kandidat, hat das Negativberichterstattung zur Folge; überzeugt er oder sie, kann es dazu führen, dass Wählerinnen und Wähler ihre Entscheidung noch einmal überdenken.

Bislang war die Wirkung jedoch überschaubar. 2002 duellierten sich Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CSU). Stoiber schnitt nach einhelliger Bewertung gut ab, scheiterte jedoch. Bei der Fernsehdebatte zur vorgezogenen Bundestagswahl 2005 sahen Leitartikler und Meinungsumfragen Schröder in fast allen Punkten als Sieger – Merkel löste den SPD-Politiker jedoch als Regierungschefin ab.

Wenig Wirkung hatte auch das Duell Merkel gegen Peer Steinbrück (SPD) 2013: "Das war 0:0", kommentierte der "Spiegel" seinerzeit und monierte ein "freundliches Geplauder".

Nach einer Umfrage des Instituts infratest dimap für die ARD empfanden 49 Prozent Steinbrück als Sieger, 44 Prozent Merkel. In den Punkten Angriffslustigkeit (88 Prozent zu 5 Prozent), Verständlichkeit (44 zu 40) und bessere Argumentation (48 zu 38) siegte der SPD-Kandidat demnach klar.

Bei der anschließenden Bundestagswahl gingen die Sozialdemokraten (25,7 Prozent) gegen die Union (41,5 Prozent) jedoch regelrecht unter.