Der Endspurt im SPD-Wahlkampf wird von einer Erpressung überschattet. Peer Steinbrücks Sprecher Rolf Kleine bestätigte den Erpressungsversuch gegen den SPD-Spitzenkandidaten. Zuvor hatte die "Bild" berichtet, dass ein Unbekannter Steinbrück aufgefordert hatte, seine Kanzlerkandidatur aufzugeben - wegen einer angeblich vor 14 Jahren bei dem Politiker schwarzarbeitenden Putzfrau.

Der Erpressungsversuch gegen SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück beschäftigt Polizei und Justiz. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Nötigung. Steinbrücks Sprecher Rolf Kleine bestätigte mittlerweile, dass Steinbrück das Bundeskriminalamt eingeschaltet habe.

Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge erhielt Steinbrücks Ehefrau Gertrud Ende August einen anonymen Brief. Darin behauptet der Erpresser angeblich, erfahren zu haben, dass die Steinbrücks "für eine begrenzte Zeit" eine Philippinerin schwarz beschäftigt hätten, "die sich zum damaligen Zeitpunkt illegal in Deutschland aufhielt". Er fordert von Gertrud Steinbrück, sie solle ihren Mann "im Stillen dazu bewegen, seine Kanzlerkandidatur bis zum 10. September aus persönlichen Gründen niederzulegen". Denn weder ein Kanzlerkandidat der SPD noch ein Bundeskanzler dürften "erpressbar sein".

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Peer Steinbrück und seine Frau sind erschüttert über den Vorfall. "Die Bürgerinnen und Bürger können gewiss sein, und gerade der oder die Täter sollen wissen: Steinbrücks sind nicht erpressbar. Und lassen sich auch nicht erpressen", sagte Gertrud Steinbrück der "Bild".

Putzhilfe ein "Geschenk" der Mutter

Nach ihrer Darstellung war die Putzhilfe 1999 bei ihrer in Bonn lebenden Mutter Marie-Luise beschäftigt, die 2003 gestorben ist. Peer Steinbrück war wenige Monate zuvor Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen geworden, seine Familie deshalb nach Bonn umgezogen. Da Gertrud Steinbrück durch ihre Berufstätigkeit und den Umzug stark belastet war, habe ihre Mutter ihr "zum Einzug geschenkt, dass ihre Putzhilfe für ein halbes Jahr einmal in der Woche bei uns sauber machen sollte". Die Putzhilfe sei danach für Peer Steinbrück tätig geworden. Über die Bezahlung sagte Gertrud Steinbrück: "Ich zahlte sie für die bei mir abgeleisteten Stunden aus und rechnete das jeweils mit meiner Mutter ab."

Bei der Putzhilfe soll es sich um eine Philippinerin handeln, die mit einem Gärtner der philippinischen Botschaft verheiratet war. Dort sei sie auch versichert gewesen. Nach Angaben von Getrud Steinbrück hatte die Frau nebenbei gearbeitet, um ihren Sohn in der Heimat zu unterstützen und "Geld für ihre stark sehbehinderte Tochter" zu verdienen.

Putzhilfe ist bei Minijob-Zentrale versichert

Im Herbst 1999 – also nach Ablauf des mit ihrer Mutter vereinbarten halben Jahres – habe Gertrud Steinbrück ihre Putzhilfe selbst übernehmen wollen. Den angebotenen Arbeitsvertrag habe die Putzhilfe aber abgelehnt, weil ihr Mann beim Botschaftsumzug nach Berlin seinen Job und die Familie damit den Aufenthaltsstatus verloren hatte. Deshalb habe sie nur schwarz arbeiten können. Sie habe aber in Deutschland bleiben wollen, weil ihre sehbehinderte Tochter nur hier eine Chance gehabt habe. Gertrud Steinbrück: "Das hat mich sehr berührt. Dennoch habe ich ihr sagen müssen, dass ich sie natürlich nicht 'schwarz' beschäftigen könne. Als Trost habe ich ihr 500 DM geschenkt."

Erst ein Jahr später fanden die Steinbrücks eine Putzhilfe, die bereit war, einen regulären Arbeitsvertrag abzuschließen. Sie wird seither von ihnen beschäftigt und ist bei der Minijob-Zentrale versichert.

Erpressung ist "infam und macht mich fassungslos"

Die Putzhilfe bestätigte die Arbeit für Steinbrück. Der "Bild" sagte sie: "Ich habe damals für die Mutter von Gertrud Steinbrück gearbeitet. Nach dem Einzug der Steinbrücks in Bonn hatte sie mich gebeten, dort für ein halbes Jahr auszuhelfen. Ich bin der Familie sehr dankbar; sie hat mich damals unterstützt."

Gertrud Steinbrück wies die Unterstellungen des Erpressers in der "Bild" zurück. "Ich bin sicher, dass ich damals sowohl für mich und meine Familie als auch für sie und ihre Familie das Richtige getan habe. Dass mein Mann nach 14 Jahren deswegen erpresst wird ist infam und macht mich fassungslos."

Nun ermitteln die Polizei und die Staatsanwaltschaft gegen den unbekannten Erpresser. (cai)