Sigmar Gabriel: Zoff mit Jedermann

Dass Sigmar Gabriel den Posten als Außenminister jetzt los ist, liegt auch daran, dass er es sich in der Vergangenheit mit vielen Parteikollegen verscherzt hat.

Gabriel war erst Anfang des Jahres ins Außenamt gewechselt, legte seitdem eine steile Beliebtheitskarriere hin. Er gilt mittlerweile als Deutschlands beliebtester Politiker. So ein politisches Schwergewicht neben dem ausgewiesenen Fachmann Olaf Scholz im Kabinett zu haben, wäre doch sicherlich von Vorteil.
Nicht unbedingt. Denn Gabriel hat viele Sympathien verspielt, zuletzt am Donnerstag, kurz nachdem Schulz angekündigt hatte, selbst Außenminister werden zu wollen.
Da übermittelte Gabriel der Funke-Mediengruppe ein Statement. Darin sprach er von Wortbruch und zitierte seine Tochter: "Papa, jetzt hast du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht."
Weder die designierte SPD-Vorsitzende Andrea Nahles noch der mögliche Finanzminister Olaf Scholz äußern sich aktuell unterstützend. Offenbar gibt es gute Gründe dafür: So soll Nahles unter dem Parteivorsitzenden Gabriel als Generalsekretärin nicht gerade positive Erfahrungen gemacht haben. Und …
… bei Scholz soll laut "SZ" folgendes Geschehen nachhaltig das Vertrauen gestört haben: Scholz schlenderte vor Jahren, als die SPD in der Opposition war und Schwarz-Gelb regierte, durch ein Hotel in Kassel. Plötzlich sah er ein Plakat, auf dem es hieß, dass der SPD-Parteivorstand tage. Eigentlich war …
… Scholz selbst auch Mitglied. Zu der Sitzung war er aber nicht eingeladen; umso bedenklicher, da es darin um die Haltung zur Rente mit 67 gehen sollte – und Scholz doch von 2007 bis 2009 Arbeitsminister war.
Auch auf links hat Gabriel es sich offenbar mit einem verscherzt: Ralf Stegner. Er hatte im Wahlkampf 2013 die Reihen geschlossen gehalten. Als Belohnung sollte er laut "SZ" nach der Wahl SPD-Generalsekretär werden. Doch …
… Gabriel hatte dann offenbar plötzlich gemerkt, dass er eine Frau neben sich an der Spitze brauchte und beförderte Yasmin Fahimi. 2015 verlor sie den Posten dann wieder.
Laut "SZ" haben auch Torsten Schäfer-Gümbel und Malu Dreyer ein eher distanziertes Verhältnis zu Gabriel. Und dann ist da noch Martin Schulz.
Am Anfang des Wahlkampfes schien es noch so, als wären die beiden tatsächlich Freunde. Gabriel machte Schulz zum SPD-Chef und Kanzlerkandidaten, er selbst wechselte ins Außenamt. Zunächst sah es wie eine echte Win-Win-Situation aus – weil beide in den Umfragen rasant zulegen konnten.
Doch Gabriel setzte aus dem Außenministerium heraus stets eigene Akzente und machte es dem neuen Parteichef gerade in der Phase sinkender Umfragewerte immer schwerer, Profil zu gewinnen.
Zwei Beispiele aus dem August und der Endphase des Wahlkampfes: Gabriel sagte bei einer "Spiegel"-Diskussionsrunde, dass er von einer erneuten großen Koalition nichts halte: "Weil, dann kann der Schulz schon mal einpacken, dabei wird er dann nicht Kanzler." Die mediale Leseart …
… angesichts der damaligen Umfragewerte: Gabriel spricht Schulz die Chancen auf die Kanzlerschaft ab. Kurz darauf folgt die Klarstellung Gabriels mit den Worten: "Das Rennen um die Kanzlerschaft ist völlig offen."
Ähnlich ungeschickt agierte der Außenminister bei einem Treffen mit "Bild"-Reportern. Sie zeigten ihm zwei Bilder, auf dem einen war Schulz abgebildet, auf dem anderen Gabriels Tochter. Die provokative Frage lautete, wen Gabriel wählen würde: "Natürlich meine Tochter", antwortete Gabriel lachend. Die Falle war offensichtlich, Gabriel tappte dennoch hinein.
Gabriel hat mittlerweile offenbar bemerkt, dass ihm auch die Sätze von vergangener Woche über seine Tochter nicht gerade gutgetan haben. Einem Medienbericht zufolge rudert er jetzt zurück. Nicht in der Sache und beim Vorwurf des Wortbruchs, aber doch in Bezug auf den eigenen Stil.
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