Selten hat ein Fingerzeig im Wahlkampf derartige Reaktionen hervorgerufen. Peer Steinbrücks "Stinkefinger" spaltet nicht nur die politischen Lager. Wir haben unsere User abstimmen lassen: Was halten Sie von der provokanten Geste des Kanzlerkandidaten der SPD?

Knapp 10.000 Nutzer beteiligten sich an der nicht-repräsentativen Umfrage. Wir wollten wissen, ob ein Kanzlerkandidat den Stinkefinger zeigen darf. 52 Prozent stimmten für "Natürlich: Endlich zeigt mal jemand klare Kante". Die restlichen 48 Prozent finden die Geste von Peer Steinbrück völlig daneben.

Ein knapper Sieg für den "Stinkefinger". Sehr knapp allerdings. Auch die Politik weiß nicht so recht, was sie von Steinbrücks Provokation im Kontext des "Sagen Sie jetzt nichts"- Interviews (Frage: "Pannen-Per, Problem-Peer, Peerlusconi - um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?") des "SZ-Magazins" halten soll. Die SPD steht natürlich hinter ihrem Kanzlerkandidaten. Allerdings gibt sie sich etwas vorsichtig. "Das ist halt Klartext", heißt es aus dem Willy-Brandt-Haus. "Aber wir müssen jetzt aufpassen, dass jetzt nicht wieder unsere Inhalte in den Hintergrund treten."

Auch die Piraten schlagen sich auf Steinbrücks Seite. Unter dem Hashtag #stinkefinger twittert Piratin Julia Probst "Der Stinkefinger von Steinbrück ist ok, weil es authentisch wirkt bei ihm. Mir ist so ein Klartext lieber als Merkels Inhaltsleere". Linken-Politikerin Katja Kipping vermeidet ein derart klares Zugeständnis: "Es gibt genügend Gründe, der SPD die Gefolgsschaft zu verweigern. Steinbrücks Stinkefinger gehört eher nicht dazu."

Das sagen die politischen Gegner

Die politischen Gegner der SPD halten es jedoch mit den 48 Prozent unserer User: Geht gar nicht! "Das kann doch wohl nicht der Stil eines Bundeskanzlers sein", meint Daniel Bahr von der FDP. Und Regierungssprecher Steffen Seibert verschlägt es sogar die Sprache: "Ich habe dazu keine Worte."

Steinbrück selbst gibt sich angesichts des ganzen Dramas locker. "Das ist nicht etwas, was man skandalisieren muss", meint er und hofft auf den Humor der Deutschen. Auf den dürfte er jedoch bei FDP, Linken und CDU vergeblich hoffen, wie die "Süddeutsche Zeitung" sehr treffend zusammenfasst: "Bei der FDP regiert der Brüderle-Humor, Kauder (CDU-Politiker) kann nicht mal über seinen Bruder lächeln, und bei den Linken gilt Lachen als subversive Tätigkeit des einen Flügels gegenüber dem anderen."

Etwas mehr als eine Woche vor der Bundestagswahl ist es schwer zu sagen, ob Steinbrück sich und seiner Partei mit dem "Stinkefinger" einen Gefallen getan hat. Im aktuellen ARD-"Deutschlandtrend" kommt die SPD derzeit bundesweit auf 28 Prozent. Es wird wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schwarz-Gelb und der Opposition. Und vielleicht ist ja Steinbrücks Geste für den ein oder anderen Wähler doch das Zünglein an der Waage.

(ska)