Es ist acht Jahre her, dass Oskar Lafontaine die SPD verließ - wütend und enttäuscht von der Arbeitsmarktpolitik seiner Genossen. Und mehr als 14 Jahre sind seit seinem unrühmlichen Rücktritt vom Amt des Bundesfinanzministers vergangen. Trotzdem scheint das Schicksal seiner Ex-Partei den Saarländer und früheren SPD-Chef bis heute nicht loszulassen.

Der Fraktionschef der Linken im Saarland äußert sich in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" zur SPD, möglichen Koalitionen und seiner eigenen Karriere. Und lässt dabei kein gutes Haar an der aktuellen Führungsriege der SPD. Als die "Drei von der Tankstelle" bezeichnet er Steinbrück, Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier. Die Troika scheue jegliche Verantwortung und setze sich für nichts ein: "Die jetzige SPD-Führung will doch nichts wirklich. Die wollen doch nicht mal den Mindestlohn, da könnten sie jetzt gemeinsam mit Linken und Grünen die Lage von acht Millionen Menschen verbessern."

Der Wahlausgang sei "ein trauriges Ergebnis für die einst so stolze Volkspartei." Den Grund für das Debakel hat Lafontaine ausgemacht. Es habe keine Perspektive auf die Macht gegeben: "Warum soll man eine solche Partei wählen, die nicht mal mehr den Kanzler stellen will?"

Dabei hätte man jetzt durchaus die Chance, eine Regierung zu bilden. "SPD, Grüne und Linke haben heute zusammen eine Mehrheit." Doch die SPD scheue die Zusammenarbeit, obwohl die Linke laut Lafontaine gesprächsbereit ist: "Natürlich geht man für eine Koalition Kompromisse ein."

Zu seinem früheren Parteifreund Gerhard Schröder hat der ehemalige SPD-Chef keinen Kontakt mehr. Aber Lafontaine ist sich sicher, dass die beiden zusammen das SPD-Ergebnis von 26 Prozent übertroffen hätten: "Ja klar, wir haben beide bewiesen, dass wir Wahlen gewinnen können." Wäre mit Lafontaine also alles anders gekommen? Diese Frage scheint sich der 70-Jährige selbst zu stellen. "Vielleicht hätte ich SPD-Parteichef bleiben sollen. Einfach, um die Regierungspolitik weiter zu beeinflussen." (geg)