Was ist der Bundestag genau und was spielt sich eigentlich tagtäglich unter der Kuppel des Reichstagsgebäudes ab? Knapp zusammengefasst, lässt es sich folgendermaßen formulieren: Die Abgeordneten beraten und beschließen Gesetze, sie kontrollieren die Regierung und wählen den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin. Nur ein kleiner Teil der parlamentarischen Arbeit findet unter den Augen der Öffentlichkeit statt. Mindestens genauso wichtig wie die Debatten und Abstimmungen im Bundestag ist die Arbeit in den Ausschüssen.

Die Geschichte des Bundestags

Als der Deutsche Bundestag am 7. September 1949 zum ersten Mal zusammentrat, war die junge Republik noch keine vier Monate alt. Zuvor war das Grundgesetz ausgearbeitet und von den Landtagen der Bundesländer angenommen bzw. akzeptiert worden.


Wahltag war der 14. August 1949. Bei der ersten Bundestagswahl setzten sich die Unionsparteien CDU/CSU knapp vor der SPD mit 139 zu 131 Sitzen im Bundestag durch.

Insgesamt zogen 11 Parteien in das deutsche Parlament ein, um den ersten Regierungschef – Konrad Adenauer – zu wählen. Die aus heutiger Sicht hohe Zahl an Bundestagsparteien kam dadurch zustande, dass es noch keine 5-Prozent-Hürde gab – eine Partei konnte mit weniger als zwei Prozent der Wählerstimmen ins Parlament einziehen.

Bei der zweiten Bundestagswahl galt bereits die bundesweite Sperrklausel von fünf Prozent, dementsprechend setzte sich das Parlament aus deutlich weniger Parteien zusammen.

Bereits in dieser Frühphase bildete sich eine Parteienkonstellation heraus, die in den folgenden Jahrzehnten den Bundestag prägen sollte: als stärkste Kräfte bzw. Fraktionen die Volksparteien CDU/CSU und SPD sowie als kleine Partei die FDP.

Die Rolle der FDP ist allerdings nicht zu unterschätzen: Die „Freien Demokraten“ waren ein ums andere Mal entscheidend für die Bildung von Regierungskoalitionen.

An dieser Konstellation sollte sich erst rund 30 Jahre später etwas ändern, als Die Grünen im Jahr 1983 erstmals in den Bundestag einzogen. Der erste gesamtdeutsche Bundestag wurde am 2. Dezember 1990 gewählt.

So setzt sich der Bundestag zusammen

Der Bundestag ist das einzige Bundesorgan, das direkt von den Staatsbürgern der Bundesrepublik Deutschland gewählt wird. Damit wird Artikel 20 des Grundgesetzes Rechnung getragen:

„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“

Das Bundeswahlgesetz sieht eine Mindestzahl von 598 Abgeordneten im Bundestag vor. Dass das Parlament fast immer deutlich mehr Mitglieder zählt, ist den Überhangmandaten geschuldet.


Diese entstehen, wenn eine Partei durch Direktmandate in den Wahlkreisen (Erststimme) mehr Sitze bekommt, als ihr gemäß der Anzahl der Zweitstimmen zustehen. Dieser „Überhang“ verfällt nicht, sondern wird durch zusätzliche Sitze berücksichtigt.

Die Arbeit der Abgeordneten im Bundestag wird von einem großen Verwaltungsapparat unterstützt. Die rund 3.000 Mitarbeiter arbeiten den Parlamentariern zu und bereiten Sitzungen des Bundestags, der Ausschüsse und anderer Gremien vor.

Rechnet man Dienstleistungs- und Sicherheitskräfte hinzu, arbeiten sogar 6.000 Mitarbeiter für den Bundestag.

Die Aufgaben der Abgeordneten

Reden, Debattieren, Abstimmen – so stellen sich viele die Aufgaben der Abgeordneten vor. Damit ist aber nur ein Teil des Aufgabenspektrums umschrieben. Gemeinhin unterteil man die Aufgaben des Bundestags in vier Bereiche:

  • Wahl des Kanzlers (Regierungschef) beim ersten Zusammentreten des Parlaments nach einer Bundestagswahl.
  • Das Parlament bzw. in erster Linie die darin vertretenen Oppositionsparteien kontrollieren die Regierungsarbeit.
  • Technisch ausgedrückt, hat der Bundestag eine sogenannte Artikulationsfunktion. Konkret bedeutet dies, dass die Debatten und Reden zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen sollen. Was in der Antike das Forum war, ist in der repräsentativen Demokratie der Bundesrepublik das Plenum des Bundestags.
  • Die Abgeordneten beraten und verabschieden neue Bundesgesetze. Je nach der Art des Gesetzes ist auch der Bundesrat an der Gesetzgebung beteiligt. So kann die Regierung mit ihren Ministerien erst dann Geld ausgeben, wenn der Bundestag den Haushalt angenommen hat. Darüber hinaus stellen die Parlamentarier Anfragen und sind an der Arbeit der Ausschüsse beteiligt.

Der Bundestag kommt nicht das ganze hindurch in Sitzungen zusammen. In der Regel sind es 20 bis 22 Wochen. In der „sitzungsfreien Zeit“ geht die Arbeit in den Ausschüssen weiter. Außerdem sollen die Abgeordneten diese Wochen dazu nutzen, vor Ort in ihren Wahlkreisen tätig zu sein.

Wo im Bundestag tatsächlich Entscheidendes passiert

Von der Arbeit in den Ausschüssen bekommt die Öffentlichkeit nicht allzu viel mit, obwohl dort Entscheidendes geschieht. Bevor ein Gesetzentwurf zur Abstimmung in den Bundestag kommt, wurde er in Ausschüssen geplant, diskutiert und ausgearbeitet. Für ihre Arbeit holen sich die Parlamentarier Expertise von außerhalb – beispielsweise von Sachverständigen.

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Die öffentlichen Debatten dienen also keineswegs dazu, dass sich die Abgeordneten argumentativ austauschen und mögliche Änderungen durchsetzen.

Vielmehr geht es darum, die Öffentlichkeit vom Für und Wider eines Gesetzes zu überzeugen und mögliche Versäumnisse anzuprangern. Die Ausschüsse sind nach Zuständigkeitsbereichen und Ressorts gegliedert. So gibt es beispielsweise gesundheits-, verkehrs- und sportpolitische Ausschüsse.

Dem 18. Deutschen Bundestag (2013–2017) haben beispielsweise 23 ständige Ausschüsse zugearbeitet. In den Ausschüssen sind sowohl Vertreter der Regierungsparteien als auch der Opposition vertreten. Ihre Zahl ist proportional zur Verteilungsstärke der Parteien im Parlament.  © 1&1 Mail & Media