CDU und CSU haben es schon lange nicht leicht - mit sich und mit anderen. Doch die aktuelle Not in Bayern und Berlin schweißt die ungleichen Schwestern zusammen.

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Die krisengeschüttelten Schwesterparteien CDU und CSU bemühen sich nach der Klärung interner und externer Probleme um einen versöhnlichen Jahresausklang und guten Start ins Wahljahr 2018.

Merkel verspricht CSU volle Unterstützung

Ein Jahr nach der Abstinenz von Kanzlerin Angela Merkel suchen die Christsozialen zum Beginn ihres Parteitages in Nürnberg wieder den demonstrativen Schulterschluss mit ihrer großen Schwesterpartei CDU."Es waren keine einfachen Zeiten für CDU und CSU", sagte Merkel in ihrer rund 30-minütigen Rede rückblickend auf die vergangenen drei Jahre. Die Zeit habe aber auch gezeigt, dass es sich die Union nicht leicht mache, wenn es um die Lösung wichtiger Fragen gehe.

Als Beispiel nannte sie das gemeinsame Regelwerk von CDU und CSU zur Migration. Darin sprechen sich beide Parteien unter anderem für eine begrenzte Zuwanderung aus, die von der CSU geforderte fixe Obergrenze findet sich darin aber nicht. Merkel versprach der CSU für die 2018 anstehende Landtagswahl volle Unterstützung zu: "Stark sind CDU und CSU besonders immer dann, wenn sie einig sind."

Union tritt wieder geschlossen auf

CSU-Chef Horst Seehofer dankte Merkel für ihren Besuch und lobte seinerseits: CDU und CSU seien in den Jamaika-Sondierungen nun bei jedem Thema "total geschlossen" gewesen. "Das ist Geschlossenheit in der praktischen Anwendung." Geschlossen, erfolgreich, einzigartig - so beschrieb Seehofer die Union.

CDU und CSU seien "die einzige politische Kraft, die handlungsfähig ist, die regierungsfähig ist und - was noch wichtiger ist - die regierungswillig ist". Pünktlich zum CSU-Treffen hat die krisengeschüttelte CSU nach Ansicht von Seehofer den seit September anhaltenden Abwärtstrend in Umfragen beendet. "Wir sind jetzt im Moment dabei, uns aus den Dellen der letzten Monate zu befreien und nach oben zu arbeiten", sagte er.

Am Samstag will der Parteitag im Zuge der Vorstandswahlen eine Doppelspitze wählen. Seehofer soll Parteichef bleiben, Landesfinanzminister Markus Söder soll zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gekürt und damit für das Amt des Ministerpräsidenten in Position gebracht werden.

CSU will die Union wieder auf Umfragewerte von 40 Prozent bringen

Es gehe für die CSU darum, die 40-Prozent-Marke zu durchbrechen und "dann können wir uns größeren Zielen zuwenden. (...) Es sieht ja so aus, nach allem was wir an Umfragen haben", sagte Seehofer. Nachdem die Partei bei der Bundestagswahl im September nur 38,8 Prozent erreicht hatte, war sie in Umfragen zwischenzeitlich sogar auf 37 Prozent gefallen.

Vor wenigen Tagen erreichte sie erstmals seit Monaten wieder die 40-Prozent-Marke. Bei der Landtagswahl 2013 hatte die CSU mit 47,7 Prozent noch die absolute Mehrheit erlangt. "Vertrauen der Bevölkerung zu erlangen, ist immer eine schwierige Angelegenheit, verlangt höchsten Einsatz, verlangt Zuverlässigkeit, verlangt eine klare inhaltliche Politik", betonte Seehofer.

Seehofer fordert schnelle Regierungsbildung

Nachdem in Berlin die SPD grünes Licht für die Aufnahme von Sondierungen mit der Union über eine Regierungsbildung gegeben hatte, forderte Seehofer genau wie viele seiner Parteifreunde eine schnelle Bildung der Regierung. "Jetzt ist Dynamik und Effizienz gefragt, wir können uns jetzt nicht wochenlang beschnuppern.

Das ist aber auch nicht notwendig, wir haben vier Jahre Regierung hinter uns", sagte Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. Zugleich zog die Union aber eine klare rote Linie: Sowohl Merkel als auch der Parteitag erteilten der SPD-Forderung nach einer Bürgerversicherung eine klare Absage.

CSU will auf Parteitag neue Doppelspitze küren

Die CSU will auf dem Parteitag nach Monaten voller Streit und Machtkämpfe ihre Reihen für das Landtagswahljahr 2018 schließen und am Samstag eine neue Doppelspitze küren. Dank einer Einigung in letzter Sekunde wird es aller Voraussicht nach auch bei der Wahl der fünf Parteivizes harmonisch abgehen:

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt zog seine angekündigte Kandidatur für einen der Posten zurück. Theoretisch können aber noch bis zur Wahl am Samstagmorgen neue Kandidaten ihren Hut in den Ring werfen. "Die Landtagsfraktion und die bayerischen Minister spielen nicht nur im Hinblick auf die Landtagswahl eine zentrale Rolle in der CSU", sagte Schmidt zu seinem nicht ganz freiwilligen Verzicht.

Söder fordert inhaltliche und personelle Geschlossenheit

Am Ende dürften auch geringe Erfolgschancen eine Rolle gespielt haben. Nun kandidieren Landesgesundheitsministerin Melanie Huml, die EU-Parlamentarier Angelika Niebler und Manfred Weber, die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär sowie Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl. Die bisherige Vize-Vorsitzende Barbara Stamm kandidiert nicht mehr.

"Für ein erfolgreiches Jahr 2018 ist ein guter Abschluss des Jahres 2017 notwendig. Und der geht nur mit inhaltlicher, aber auch mit personeller Geschlossenheit, und ich glaube, die Partei ist nicht nur bereit dazu, sie wünscht es sich auch", sagte Söder. Zu Umfragewerten und seinen Erwartungen wollte er nichts sagen. "Ich glaube, wir sind klug beraten, wenn wir nicht dauernd über Prozente reden."© dpa

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