Schon Stunden vor der Prognose bestimmt die Bundestagswahl 2017 weite Teile der sozialen Medien. Viele Prominente werben im Internet fürs Wählengehen, manche positionieren sich klar. Zudem gibt es Meldungen über eine Beeinflussung der Wahl aus Russland.

Der Live-Ticker zur Bundestagswahl 2017

Parteien und Spitzenkandidaten machen in den Stunden bis zum Ende der Bundestagswahl 2017 ein letztes Mal im Internet mobil.

SPD wird für Absage an GroKo angegriffen ✘ Experte: Neuwahlen möglich.


Sogenannte Social Bots, die aus Russland stammen, machen zudem Werbung für die AfD. Einige Online-Beobachtungen im Überblick.

SOCIAL BOTS

Automatisierte Twitter-Accounts - sogenannte Social Bots - verbreiten offenbar seit Samstag Kampagnen zur Unterstützung der Alternative für Deutschland (AfD). Medienberichten zufolge sollen diese Bots überwiegend aus Russland stammen.

Ein Account mit dem Namen "Renate Biller", der gerade einmal 16 Follower hatte, kam innerhalb von lediglich zwölf Stunden auf mehrere Hundert Likes und Retweets, wie unter anderem die "Bild"-Zeitung berichtet.

Für einen unbekannten Account sehr merkwürdig. Auffällig: Die meisten der retweetenden Accounts stammen aus Russland.


"DFRLab", eine Open-Source-Denkfabrik, analysiert deshalb: "Die fortwährende Verbreitung von rechtsextremen Nachrichten legt nahe, dass der Bot-Manager entweder ein AfD-Unterstützer ist, oder dass die AfD das russische Bot-Netzwerk dafür bezahlt, ihre Nachrichten zu verbreiten."

WAHLAUFRUFE I

In den Stunden bis zur Prognose um 18 Uhr herrschte auf den Social-Media-Kanälen von Parteien und Politikern ein letztes Mal Wahlkampf-Hochbetrieb.

Mit eindringlichen Botschaften riefen sie die Menschen zum Abstimmen auf. "Raus aus den Federn & rein ins Wahllokal!", mahnte die SPD ihre Anhänger schon morgens via Twitter.

Kanzlerkandidat Martin Schulz postete nach Abgabe seiner Stimme ein Video aus seiner nordrhein-westfälischen Heimatstadt Würselen, wünschte den Zuhörern einen schönen Tag - "aber: Ihr müsst wählen gehen!".

Die CDU versuchte auf ihrem Facebook-Kanal, die Komplexität der politischen Streitpunkte in einen Satz zu pressen: "Darum geht's: Familien und Kinder fördern, sichere Arbeit und starke Wirtschaft."

WAHLAUFRUFE II

Ob die Fernseh-Entertainer Joko und Klaas, die Sänger Smudo und Marteria oder Schauspieler Kostja Ullmann - zahlreiche Prominente gaben am Wahlsonntag öffentlichkeitswirksam Meinungen und teils Wahlempfehlungen ab.

ZDF-Anchorman Claus Kleber befand: "Noch heute wird den letzten Schnarchern aufgehen, wie entscheidend #BTW17 ist/war."

Mehrere Prominente rieten ihren Fans davon ab, für die AfD abzustimmen. TV-Moderator Joko Winterscheidt postete einen Stinkefinger-Smiley verbunden mit "@AfD".


Entertainer Oliver Pocher stellte ein Bild online: In der Hand einen AfD-Werbezettel, den er über eine Mülltonne hielt. "Ich habe mich getraut und die offizielle Wahlurne der AfD benutzt!!", schrieb er.


Die AfD selbst rief ihre Anhänger zu Sorgsamkeit auf: "Überlasse nichts dem Zufall: Beobachte die Auszählung in Deinem Wahllokal und fordere Bekannte, Freunde und Familienangehörige dazu auf, dies ebenfalls zu tun!"

GOOD TO KNOW

Die FDP fasste via Facebook sicherheitshalber die wichtigsten formalen Voraussetzungen zur Stimmabgabe noch mal zusammen: "Ausweis schnappen und ab zu Deinem Wahllokal."

In einem Schaubild ergänzten die Liberalen: Wer ins Café gehen wolle, einen Kurztrip plane oder Entspannung suche, solle das lieber im Zweifel aufschieben. "First things first: Zukunft gestalten. Wählen gehen."

WAHLBEGEGNUNG

Auf dem Weg zu seinem Wahllokal im Berliner Bezirk Kreuzberg traf Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir - offenbar zufällig - den Rapper John Magiriba Lwanga, Mitglied der Band Culcha Candela. "Auf dem Weg zum Wahllokal trifft man coole Leute", twitterte Özdemir daraufhin und postete ein Foto von sich und dem Musiker, beide in die Kamera lächelnd und mit Daumen-nach-oben-Pose.


EIGENWERBUNG

Comedy-Altstar Otto Waalkes verband die Bundestagswahl mit Werbung in eigener Sache.

Er postete auf Instagram ein Foto, auf dem neben einem eigenen Werbeaushang auch Wahlplakate von AfD und CDU zu sehen waren. "Wählt Otto!", schrieb er dazu.(dpa/tfr)