• Mindestlohn, Stärke der Sozialpartnerschaft - bei den Grundfesten des Arbeitsmarkts sind die Überschneidungen zwischen den Wahlprogrammen teils groß.
  • Manchmal wollen die Parteien auch markante Sachen unterschiedlich machen.
  • Das sind die Positionen.

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Union: Das Ziel von CDU/CSU bleibt Vollbeschäftigung

Für Löhne und Arbeitsbedingungen seien zuerst die Tarifpartner in der Pflicht. Tarifregelungen sollen Vorrang vor Gesetzen haben, wo nötig soll aber eingegriffen werden. Die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen will die Union stärken.

Werkverträge und Leiharbeit sollen als Möglichkeiten zur Flexibilität und Brücke zur Arbeit erhalten bleiben, Befristungen die Ausnahme sein. Anstelle der täglichen soll eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten - nach EU-Recht.

Co-Working-Spaces auf dem Land sollen digitales Arbeiten zukunftsfest machen. Scheinselbstständigkeit soll verhindert werden. Persönliche betreuungsintensive Begleitung im Jobcenter und eine Fortbildungsoffensive sollen Arbeitslosigkeit entgegenwirken.

Grüne: Der Mindestlohn soll sofort auf zwölf Euro und dann weiter steigen

Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter sollen vom ersten Tag an gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen. Ohne sachlichen Grund sollen Arbeitsverträge nicht mehr befristet werden dürfen.

Gegen Missbrauch von Werkverträgen und Subunternehmerketten soll vorgegangen werden. Stress und Burn-out sollen per Arbeitsschutz vermindert werden. Arbeit soll es für alle Menschen geben - in guten und sicheren Jobs.

Öffentliche Vergabe soll nur an tarifgebundene Firmen gehen. Ein Recht auf mobiles Arbeiten soll eingeführt werden - im Homeoffice oder im Co-Working-Space und mit Rückkehrrecht. Die Grünen wollen kürzere Arbeitszeiten.

SPD: Das Ziel der SPD ist Vollbeschäftigung - mit einem neuen Recht auf Arbeit

Der Mindestlohn soll sofort auf mindestens zwölf Euro erhöht werden, der Spielraum der Mindestlohnkommission für Erhöhungen soll steigen. Jobs sollen nicht mehr ohne Sachgrund befristet werden dürfen.

Gründe für Befristungen sollen überprüft werden. Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter sollen gleichen Lohn erhalten. Es soll einen Anspruch auf mobiles Arbeit geben, der bei einer Fünf-Tage-Woche mindestens 24 Tage Arbeit im Jahr mobil oder im Homeoffice ermöglicht - wenn es die Tätigkeit erlaubt. Öffentliche Aufträge sollen nur an Tarif zahlende Unternehmen gehen.

FDP: Mehr Flexibilität heißt das Stichwort - etwa im Arbeitszeitgesetz

Wie bei der Union soll eine wöchentliche die täglichen Höchstarbeitszeit ersetzen. Arbeitszeit müsse flexibler eingeteilt werden können. Die Beschäftigten sollen zwar kein Recht, aber ein Anspruch auf Erörterung des Antrags auf mobiles Arbeiten haben.

Nach der Geburt eines Kindes soll "der andere Elternteil" das Recht auf zehn Arbeitstage in Partnerschutz haben. Ein ganzheitliches "Diversity Management (Management der Vielfalt)" soll als Alternative zu Quoten gleiche Chancen für Aufstieg durch Leistung schaffen – unabhängig von Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft, Behinderung, sexueller Orientierung oder Religion.

Linke: "Wir schaffen den Niedriglohnsektor ab und stärken Tarifverträge"

Die Linken wollen ferner ein Recht auf eine Vollzeitstelle für alle Beschäftigten. Sie sehen sich Seite an Seite mit den Gewerkschaften im Kampf um deutliche Arbeitszeitverkürzungen.

Sie wollen angesichts des Wandels der Arbeitswelt ein Recht auf Weiterqualifizierung. Bei der Lohnuntergrenze gehen sie weiter als SPD und Grüne - mit der Forderung nach einer Erhöhung des Mindestlohns auf 13 Euro.

Sie wollen zudem ein Verbot von Leiharbeit, Tariftreue bei öffentlichen Aufträgen, eine Obergrenzen für Managergehälter und den Stopp sachgrundloser Befristungen.

AfD: Bezug von Arbeitslosengeld II soll strenger reglementiert werden

Hunderttausende EU-Ausländer bekämen Hartz IV - Anspruch soll nur noch haben, wer unter Aufnahme einer existenzsichernden Tätigkeit eingereist ist und diese länger ausgeübt hat.

Sozialleistungen sollen auch nur noch auf inländische Konten gezahlt werden. Leiharbeitnehmern soll eine Flexibilitätsprämie gezahlt werden. Der Beitragssatz in der Arbeitslosenversicherung soll abgesenkt werden.

Die Versicherten sollen beim Bezug von Arbeitslosengeld I nicht mehr mit Sanktionen gegängelt werden. (dpa/ari)

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