Wie geht es nach der Wahl weiter? Wann starten die Koalitionsverhandlungen - und was, wenn sich die Parteien nicht einig werden? Darf Angela Merkel dann ewig weiterregieren? Wahl-Wissen kompakt:

Weitere News und Hintergründe zur Bundestagswahl 2017

Deutschland hat gewählt - doch bis eine neue Regierung das Ruder übernimmt, kann es noch eine ganze Weile dauern. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Koalitionsverhandlungen und Regierungsbildung.

Wann treffen sich die Abgeordneten einer Partei zum ersten mal?

Die FDP-Abgeordneten haben sich bereits am Montag getroffen. Die Fraktionen aller anderen Parteien kommen am heutigen Dienstag zu Fraktionssitzungen zusammen.

Worum geht es in den Fraktionssitzungen?

In der Regel sprechen die Parteien noch einmal über das Wahlergebnis. Was lief gut? Was richtig schlecht? Und was folgt daraus?

Mit der AfD ziehen rechte Meinungen in den Bundestag ein. Ein Überblick.


Außerdem wählen die meisten Fraktionen ihre oder ihren Fraktionsvorsitzenden - und zumindest intern wird schon um Posten geschachert.

Wann beginnen die Koalitionsverhandlungen?

Einen festen Termin gibt es nicht. Beobachter gehen davon aus, dass die Parteien bis zur vorgezogenen Landtagswahl in Niedersachsen am 15. Oktober in Sachen Regierungsbildung nicht gerade auf die Tube drücken werden.

Denn die Wahl des Koalitionspartners könnte ja dem einen oder anderen Wähler in Niedersachsen nicht gefallen - und da legen sich die Parteien womöglich vorerst lieber nicht fest. Sondierungsgespräche könnten aber schon bald beginnen.

Wann kommt der Bundestag erstmals zusammen?

Der Bundestag muss spätestens 30 Tage nach der Wahl erstmals zusammenkommen, also am 24. Oktober.

Der Alterspräsident eröffnet die konstituierende Parlamentssitzung mit einer Rede. Dann wird unter anderem über den Bundestagspräsidenten abgestimmt. Der bisherige, Norbert Lammert, ist aus dem Bundestag ausgeschieden.

Wird dann auch gleich der Kanzler gewählt?

SPD, aber vor allem CDU und CSU sind die Wahlverlierer - was das bedeutet.


Das ist möglich, aber diesmal eher unwahrscheinlich. Wird in der ersten Sitzung des Bundestages noch kein neuer Kanzler gewählt, führt der Amtsinhaber die Geschäfte weiter.

Dieser Übergangszustand kann Monate dauern - je nachdem, wie lange sich die Koalitionsverhandlungen ziehen.

Wie lange dürfen die Koalitionsverhandlungen dauern?

Eine Frist gibt es nicht. Seit 1990 vergingen im Schnitt fast 46 Tage von der Wahl bis zum Eid.

Vor vier Jahren wurde das schwarz-rote Kabinett 86 Tage nach der Bundestagswahl vereidigt. Damit dauerte die Regierungsbildung so lange wie nie zuvor.

Die sozial-liberale Koalition von Willy Brandt (SPD) hingegen war 1969 ebenso rasch vereinbart wie 1983 das schwarz-gelbe Bündnis unter Helmut Kohl (CDU): binnen 24 Tagen.

Wird es diesmal zügig oder langsam gehen?

Alle Beteiligten gehen davon aus, dass die Koalitionsverhandlungen langwierig werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hofft, dass sie bis Weihnachten abgeschlossen sind.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagt: "Im Zweifel wird das alles länger dauern und wir landen irgendwann mit einer abschließenden Regierungsbildung im Dezember oder Januar."

Warum dürften sich die Verhandlungen ziehen?

Rechnerisch sind derzeit zwei Koalitionen möglich: Eine Große Koalition aus SPD und Union, was die Sozialdemokraten jedoch kategorisch ablehnen.

Sie wollen in die Opposition gehen. Merkel hat dennoch angekündigt, das Gespräch mit der SPD zu suchen - wo das hinführt, ist offen.

Experte kann sich Zusammenarbeit von Schwarz-Gelb-Grün kaum vorstellen.


Die zweite und derzeit als wesentlich wahrscheinlicher gehandelte Option ist eine Jamaika-Koalition.

Nur: Union, FDP und Grüne liegen inhaltlich teils sehr weit auseinander, etwa bei den Themen Migration und Umwelt. Die Verhandlungen dürften deshalb hart und langwierig werden.

Können Merkel und die rot-schwarze Regierung also ewig weitermachen?

Nein. Irgendwann wird der Bundespräsident einschreiten. Denn nach Artikel 63 des Grundgesetzes wird der Regierungschef "auf Vorschlag des Bundespräsidenten gewählt".

In der Regel schlägt der Bundespräsident nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen den Kandidat mit den größten Erfolgsaussichten vor. Ist jedoch nicht klar, wer sich in der Abstimmung durchsetzen wird, liegt die Auswahl des Kandidaten in seinem Ermessen.

Kommt bei beliebig vielen Wahlgängen binnen 14 Tagen keine Mehrheit zustande, wird in einer erneuten Abstimmung der Kandidat mit den meisten Stimmen Kanzler.

Sofern dieser keine Mehrheit auf sich vereint, kann der Bundespräsident entscheiden, ob er den Gewählten zum Kanzler ernennt oder den Bundestag auflöst und so den Weg für Neuwahlen frei macht.

Die Ergebnisse der Bundestagswahl im Detail


Mit Material der dpa