• Rund sechs Wochen vor der Bundestagswahl steckt die Union im Umfrage- und Stimmungstief.
  • Kanzlerkandidat Armin Laschet muss deutliche Kritik aus den eigenen Reihen einstecken.
  • Dass er sich zum Start seiner Wahlkampftour in einem Boxklub Nachhilfe im Kämpfen geben ließ, passt ins Bild.

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Der Kandidat steigt in den Ring und kämpft - endlich, werden viele in der Union insgeheim denken. Als sich Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) am Mittwoch zum Auftakt seiner Wahlkampftour im Jugend-Boxcamp im Frankfurter Gallusviertel die Boxhandschuhe überstreift, wirkt es wie der Versuch eines Befreiungsschlags aus dem Umfragetief. Beherzt schlägt Laschet gegen die Sparring-Handschuhe eines Boxtrainers, der ihn anleitet. Zwei Mal links, einmal rechts und dann umgekehrt. Die Botschaft: Laschet will ums Kanzleramt kämpfen.

Armin Laschet übt sich zum Start seiner Wahlkampftour mit einem Trainer des Boxcamps Gallus in Frankfurt am Main im Kämpfen.

Hinterher sagt Laschet, beim Boxen könne man "viel lernen". Er beteuert: "Die CDU wird in diesem Wahlkampf kämpfen." Nachhilfe im Kämpfen scheint nötig, denn Laschets Kandidatur steckt tief in der Krise. Selbst aus den eigenen Reihen kommt unverblümte Kritik.

Daniel Günter (CDU): "Das überzeugt niemanden"

"Unsere Performance ist noch nicht gut genug", sagte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz der "Rheinischen Post". "Als Union haben wir es bisher nicht geschafft, den Bürgern deutlich zu machen, dass wir mit Armin Laschet das beste Personalangebot und das beste inhaltliche Angebot haben. Da müssen wir nachlegen."

Noch stärker nach Kinnhaken klingen die Worte von Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident Daniel Günther. "Das überzeugt niemanden", lautet sein vernichtendes Urteil zum bisherigen Wahlkampf. "Wir müssen die Themen in den Mittelpunkt rücken, die für die Menschen wichtig sind." Der Anspruch von CDU/CSU müsse es sein, bei "mindestens 30 Prozent" zu liegen - und "wir werden unseren eigenen Ansprüchen derzeit nicht gerecht."

Söder bei Unionsanhängern beliebter als Laschet

Pünktlich zum Start von Laschets Wahlkampftour lieferte eine Forsa-Umfrage desaströse Werte: Die Union liegt darin nur noch bei 23 Prozent. Käme es bei der Wahl zu diesem Ergebnis, wäre es für die Unionsparteien ein historischer Tiefstwert. Laschet selbst kommt in der Forsa-Erhebung nur noch auf zwölf Prozent Zustimmung in der Kanzlerpräferenz - ein vernichtend schlechter Wert.

Ein besonders harter Schlag in Laschets Kontor ist, dass auch viele Unionsanhänger laut Umfrage wenig mit ihm anfangen können. Söder, der im Kampf um die Kandidatur unterlegen war, ist beliebter. Aus Sicht vieler wäre er der bessere Kandidat gewesen.

Söder darf sich aktuell bestätigt fühlen. Schon vor Wochen geiselte er Laschets "Schlafwagen-Wahlkampf" und warnte, die Union dürfe sich nicht länger in Sicherheit wiegen. "Ein halbes Prozent hin oder her, hier ein paar Ausgleichsmandate, dort ein paar Überhangmandate - und plötzlich sind wir in der Opposition." Die Union in der Opposition - es wäre ein K.o.-Schlag.

Laschet will nun "zu politischem Wahlkampf kommen"

Rund sechs Wochen bleiben Laschet noch bis zur Bundestagswahl am 26. September. Er wolle jetzt vor allem auf Inhalte und Themen setzen, kündigte er im Boxcamp an: "Wir müssen endlich zu einem politischen Wahlkampf kommen, zu einer klaren Frontenstellung." (afp/dpa/mcf)

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