Martin Schulz verzichtet nicht nur auf den Parteivorsitz, sondern auch auf den Posten als Außenminister. Das gab er am Freitagnachmittag bekannt. Nun äußert sich seine designierte Nachfolgerin an der SPD-Spitze - und nennt die Entscheidung "menschlich groß".

Die designierte SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hat den Verzicht von Martin Schulz auf das Amt des Außenministers in der geplanten großen Koalition mit großem Respekt aufgenommen.

"Wir alle wissen, wie schwer ihm diese Entscheidung nun gefallen ist, sich persönlich zurückzunehmen. Das zeugt von beachtlicher menschlicher Größe", erklärte die Chefin der Bundestagsfraktion am Freitag in Berlin. "Die Entscheidung von Martin Schulz verdient höchsten Respekt und Anerkennung."

Mit Schulz an der Spitze habe die SPD einen großen Erfolg in den Koalitionsverhandlungen mit CDU/CSU erzielt. "Er selbst hat einen Durchbruch für eine neue Europapolitik erreicht."

Nahles setzt jetzt auf inhaltliche Debatte

Schulz hat nach Fehlern, Wortbrüchen und dem Absturz der Sozialdemokraten in Umfragen am Mittwoch verkündet, den Vorsitz an Nahles abzugeben.

Aber er wollte von dem beliebten Sigmar Gabriel das Außenministerium übernehmen - obwohl er nach der Bundestagswahl gesagt hatte, er trete nie in ein Kabinett unter Angela Merkel (CDU) ein.

Da es aber an der Basis erheblichen Unmut über diesen erneuten Wortbruch und das politische Postengeschacher gab, drohte dies zur Belastung beim SPD-Mitgliederentscheid über die große Koalition zu werden.

"Ich gehe davon aus, dass wir uns jetzt voll und ganz auf die inhaltliche Debatte konzentrieren", betonte Nahles, die die erste Frau an der Parteispitze in der fast 155-jährigen SPD-Geschichte werden soll.

Die SPD-Linke hat nach dem Verzicht des scheidenden Parteichefs Martin Schulz auf das Außenministerium eine inhaltliche Debatte über den Koalitionsvertrag mit der Union angemahnt.

Auch SPD-Linke setzt auf Inhalte

Ähnlich sieht es die SPD-Linke. "Wir sollten nun mit den Mitgliedern über die Inhalte des Koalitionsvertrages sprechen, sonst brauchen wir erst gar nicht über Ministerköpfe zu reden", sagte der Sprecher der SPD-Linken im Bundestag, Matthias Miersch, der Deutschen Presse-Agentur.

"Zur Erneuerung der Partei gehört, und dass sollte sich nun auch der letzte hinter die Ohren geschrieben haben, dass wir fair miteinander umgehen und über Inhalte diskutieren. Diese andauernden Personaldiskussionen haben doch alle satt."

Schulz hatte in seiner schriftlichen Erklärung ebenfalls mitgeteilt, zu hoffen, mit seinem Verzicht auf das Außenministeramt "die Personaldebatten innerhalb der SPD" zu beenden. (cai/dpa)

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