Am Montag hatte die Union den von der SPD vorgeschlagenen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zum Kandidaten für das höchste Staatsamt - das Amt des Bundespräsidenten - akzeptiert. Die Presse bewertet seine Nominierung überwiegend positiv - einige Politiker kommen in dem vorangegangenen Schauspiel innerdeutscher Machtpolitik jedoch nicht gut weg.

  • Süddeutsche Zeitung (München): "Für Deutschland ein Gewinn"

    "Was für Merkel eine Schmach ist, dürfte für Deutschland aber ein Gewinn werden. In Zeiten wie diesen ist der besonnene, erfahrene, international respektierte und zu Hause beliebte Steinmeier keine schlechte Wahl für das Schloss Bellevue. Ein Präsident, der auch die Kunst der Rede beherrscht, wäre zwar schön gewesen - aber man kann sich seine Staatschefs nicht schnitzen."
  • Hannoversche Allgemeine Zeitung: "Ein schönes Signal in die Welt hinein"

    "Berlin wird jetzt, wenn es gut läuft, zu einem proeuropäischen Bollwerk ausgebaut, mit maximaler innenpolitischer Stabilität. Dazu passt eine Große Koalition, ein Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, auch ein Außenminister Martin Schulz. Im Übrigen ist auch Deutschlands großes Tennis über Parteigrenzen hinweg ein schönes Signal in die Welt hinein. Hass und Missgunst zwischen Politikern verschiedener Couleur gibt es weltweit mehr als genug."
  • Westfälische Nachrichten: "Die Bundesrepublik bekommt einen mehr als nur geeigneten Bundespräsidenten"

    "Eigentlich haben viele vieles erreicht: Die SPD vermeidet vor der Bundestagswahl ein rot-rot-grünes Signal - wissend, dass dies viele eher konservative SPD-Wähler abschrecken würde. CDU und CSU wiederum vermeiden ein schwarz-grünes Signal, was in deren konservativen Kreisen ähnliche Reaktionen ausgelöst hätte. Und Sigmar Gabriel serviert seiner mit ihm mehr als nur hadernden Partei mit dem strategisch gut eingetüteten Steinmeier-Coup ein kleines politisches Meisterstück. Und fast nebenbei: Die Bundesrepublik bekommt einen mehr als nur geeigneten, einen hoch geachteten und sehr beliebten Bundespräsidenten."
  • Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe): "Merkel geht kein Risiko ein"

    "Steinmeier steht für Kontinuität im Wahljahr 2017. Angela Merkel geht kein Risiko ein, verzichtet auf Experimente, zieht mit der CSU an einem Strang und stellt die Weichen für eine Wiederauflage der Großen Koalition, für die es nach einem Einzug der AfD in den Bundestag ohnehin kaum eine Alternative gibt. Eine Kanzlerin Angela Merkel und ein Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier - das verspricht in einer Zeit, in der die Welt aus den Fugen geraten ist, Berechenbarkeit, Verlässlichkeit, Sicherheit und Vertrauen."
  • Sächsische Zeitung (Dresden): Horst Seehofer - "der große Zampano der Regierungskoalition"

    "Seit Montagmorgen wissen die Deutschen, dass sie mit Frank-Walter Steinmeier einen respektablen Nachfolger für Bundespräsident Joachim Gauck bekommen. Und sie wissen nun auch, wer der große Zampano der Regierungskoalition ist: Horst Seehofer. Es ist Merkels Fehler in der Präsidentenfrage gewesen, zu lange alle Optionen offenhalten zu wollen. Nun fehlen ihr auch Optionen für 2017. Der bayerische Ministerpräsident hat dem Merkelismus ein Ende gesetzt und ihn durch Seehoferismus ersetzt. Wie sagte er gestern? Es sei seine Aufgabe, die Bundestagswahl zu gewinnen."
  • Augsburger Allgemeine: "Ein famoser Erfolg für die SPD"

    "Steinmeier rückt gegen den Willen der Kanzlerin in das höchste Staatsamt auf: Das ist erstens eine Niederlage Merkels und der Union, die als mit Abstand stärkste Kraft in der Bundesversammlung Anspruch auf das Amt erhoben hatte. Das ist zweitens ein famoser Erfolg für die SPD und deren Vorsitzenden Gabriel, der die zaudernde Regierungschefin auf dem falschen Fuß erwischt und mit der Nominierung Steinmeiers Fakten geschaffen hat. Und das ist drittens - und darauf vor allem kommt es ja in Wahrheit an - eine gute Entscheidung für das Land."
  • Südwest Presse (Ulm): "Das personifizierte Gegenprogramm zu Donald Trump"

    "Steinmeier ist die deutsche Antwort auf den Dampfplauderer aus Washington, der wenige Wochen vor der Bundesversammlung als 45. Präsident der Vereinigen Staaten vereidigt wird. Pflege internationaler Beziehungen, Gespräch statt Geschrei, Verhandlungen statt Konfrontation - Frank-Walter Steinmeier wirkt wie das personifizierte Gegenprogramm zu Donald Trump."
  • Rhein-Zeitung (Koblenz): "Steinmeier ist der richtige Mann"

    "Steinmeier ist der richtige Mann in unruhigen Zeiten, als Bundespräsident die Nachfolge von Joachim Gauck anzutreten. Er ist beliebt und bekannt im Volk, kann sich glänzend auf internationalem Parkett bewegen, und er kann moderieren. Er hat Format genug, dass er auch den Vergleich zu seinem erfolgreichen Vorgänger Gauck nicht scheuen muss. Für die Kanzlerin ist die Entscheidung für Steinmeier erneut eine Schmach. Sie hatte sich allein aus parteipolitischen Gründen gegen die Vernunftlösung ausgesprochen, die sie nun akzeptieren muss. Ihr ist es nicht gelungen, auch nur einen einzigen Kandidaten ans Licht der Öffentlichkeit zu befördern, der annähernd Steinmeiers Format hat oder eine überraschende Alternative zu ihm bietet. Das war schwach."
  • Aachener Nachrichten: "Was für ein Gedöns ums Schloss Bellevue!"

    "Die Sache war am Ende schnell klar: Die CSU wollte auf keinen Fall den grünen Kretschmann, die Union hatte keinen aussichtsreichen eigenen Kandidaten, blieb also nur Steinmeier. Ein Glück, dass bei so viel emotionalem Kalkül der bestmögliche Kandidat nun die besten Chancen hat, nächster Bundespräsident zu werden. Das hätten wir früher und einfacher und einvernehmlicher und überzeugender haben können. Was für ein Gedöns ums Schloss Bellevue!"
  • Landeszeitung (Lüneburg): "Gabriel hat einen Coup gelandet"

    "SPD-Chef Gabriel hat mit seinem Kandidaten Frank-Walter Steinmeier einen Coup gelandet. Natürlich ist es zugleich eine Schlappe für die Bundeskanzlerin. Und, ja, auch Seehofer hat wieder seinen Teil dazu beigetragen, als er Merkel den Joker Kretschmann aus der Hand schlug. Immerhin sind Deutschland noch mehr Tage mit unwürdigem politischem Gezerre um das höchste Amt im Staat erspart geblieben. Vor allem aber: Frank-Walter Steinmeier ist ein guter Kandidat. Er hat große politische Erfahrung, ist zuverlässig. Und, noch wichtiger: er ist seit Jahren einer der beliebtesten Politiker im Land."