In seiner ersten Rede hat der künftige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor allem eines gefordert: mutig sein. Er nannte Deutschland einen "Anker der Hoffnung" für die Welt. Lob kam von oberster Stelle des Koalitionspartners.

In seiner ersten Rede sagte der frisch gewählte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an die Adresse derer, die ihn nicht gewählt haben, er wolle dafür arbeiten, auch ihr Vertrauen zu gewinnen. In stürmischen Zeiten, in denen die Welt aus den Fugen zu geraten scheine, komme es auf den Kitt der Gesellschaft an.

Steinmeier nannte es wunderbar, "dass dieses Land für viele in der Welt ein Anker der Hoffnung geworden ist", ohne die Debatte über die Bewältigung der Flüchtlingskrise direkt anzusprechen.

Deutschland mache anderen Mut, nicht weil alles im Land gut sei, "sondern weil wir gezeigt haben, dass es besser werden kann". Nach der "Raserei der Ideologien" sei vieles geglückt in Deutschland, sagte er.

Frank-Walter Steinmeier: "...wer, wenn nicht wir"

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Steinmeier sagte: "Wir müssen den Anspruch, Fakt und Lüge zu unterscheiden, an uns selbst stellen." Es gelte, nicht die Realität zu leugnen, sondern sie verbessern zu wollen. Steinmeier hob Freiheit und Demokratie in einem vereinten Europa als wichtiges Fundament hervor. Dieses sei nicht unverwundbar. "Aber ich bin fest davon überzeugt, es ist stark."

Steinmeier forderte die Bundesbürger auf, Freiheit und Demokratie in einem vereinten Europa mutig zu bewahren. "Dieses Fundament, das wollen, das müssen wir miteinander verteidigen: Es ist nicht unverwundbar, aber ich bin fest davon überzeugt, es ist stark."

Er ergänzte: "Nein, wir leben nicht auf einer Insel der Seeligen. Wir sind Teil einer Welt mit ihren Risiken. Und Risiken gibt es auch bei uns. Aber kaum irgendwo auf der Welt gibt es mehr Chancen als bei uns. Und wer, wenn nicht wir, kann da eigentlich guten Mutes sein. Deshalb, liebe Landleute: Lasst uns mutig sein. Dann jedenfalls ist mir um die Zukunft nicht bange."

Kanzlerin Angela Merkel zeigt sich hoch erfreut

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich hoch erfreut über die Wahl von Steinmeier zum neuen Bundespräsidenten gezeigt. "Ich bin überzeugt, er wird ein hervorragender Bundespräsident für unser Land sein", sagte die CDU-Vorsitzende nach der Bundesversammlung in Berlin. Es sei "ein guter Tag für die Bundesrepublik Deutschland".

Steinmeier werde Staatsoberhaupt "in schwierigen Zeiten" sein. "Und ich traue ihm zu, dass er unser Land durch diese schwierigen Zeiten in seiner Funktion sehr gut begleiten wird." Der SPD-Mann habe als Außenminister in schwierigsten Situationen immer das Fingerspitzengefühl gehabt, nach Lösungen zu suchen, lobte Merkel.

Der 61 Jahre alte Sozialdemokrat sei ein Mann, "der auf Menschen zugehen kann". Er habe aber auch gezeigt, dass er über Parteigrenzen hinweg Kompromisse schmieden könne. Sie freue sich auf die Zusammenarbeit.

CSU-Chef Horst Seehofer begrüßt die Wahl

Auch CSU-Chef Horst Seehofer hat die Wahl begrüßt. Der CSU sei es darauf angekommen, dass der Nachfolger Joachim Gaucks mit der gleichen Qualität sein Amt ausüben werde, sagte Seehofer in der ARD. "Das wird bei Frank-Walter Steinmeier der Fall sein."

Seehofer verteidigte erneut die Entscheidung für den ehemaligen Außenminister von der SPD als gemeinsamen Kandidaten der großen Koalition. "Wir hatten keinen eigenen Kandidaten, der zugestimmt hat, und einen Grünen wollte ich persönlich nicht." Bei der Wahl sei es nun darauf angekommen, das der SPD gegebene Wort auch einzuhalten.

SPD-Chef und Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sagte auf Twitter: "Menschen zusammenführen. Brücken bauen. Mut machen. Das will unser neuer Bundespräsident. Meinen allerherzlichsten Glückwunsch, Frank!" (cai/dpa)