Frank-Walter Steinmeier ist im ersten Wahlgang zum Bundespräsidenten gewählt worden. Der SPD-Politiker übernimmt damit das höchste Amt im Staat von Joachim Gauck. Steinmeier erhielt knapp 75 Prozent der Stimmen. Doch die anderen Kandidaten schnitten überraschend gut ab.

Der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier wird zwölfter Bundespräsident Deutschlands. Die Bundesversammlung wählte den 61-Jährigen am Sonntag in Berlin mit 931 von 1.239 gültigen Stimmen zum Nachfolger von Joachim Gauck.

Dieser hatte auf eine zweite Amtszeit verzichtet. Der frühere Außenminister Steinmeier, der der Kandidat von CDU/CSU und SPD war, kam damit auf eine Zustimmung von rund 75 Prozent. Steinmeier nahm die Wahl direkt im Anschluss an die Verkündung des Ergebnisses an. "Gerne sogar", sagte er.

Die Kandidaten der anderen Parteien blieben wie erwartet chancenlos. Die Linke hatte den Armutsforscher Christoph Butterwegge aufgestellt (128 Stimmen), die AfD ihren Bundes-Vize Albrecht Glaser (42 Stimmen) und die Freien Wähler den Juristen Alexander Hold (25 Stimmen).

Für die Piratenpartei trat Engelbert Sonneborn an (10 Stimmen), der Vater des Satirikers und Europaabgeordneten Martin Sonneborn. Es gab 103 Enthaltungen.

Kandidaten der anderen Lager erhalten mehr Stimmen als erwartet

Mit Spannung war erwartet worden, wie viele Mitglieder der Bundesversammlung für Steinmeier stimmen würden. Es war vermutet worden, dass es vor allem aus CDU und CSU, die keinen eigenen Kandidaten präsentiert hatten, nicht nur Zustimmung für den prominenten SPD-Politiker geben würde.

Union und SPD hatten zusammen gut 920 Stimmen, also weit mehr als die im ersten Wahlgang notwendige absolute Mehrheit. Nominell hatte die Bundesversammlung 1.260 Mitglieder - einige fehlten aber entschuldigt.

Da auch einige FDPler und Grüne angekündigt hatten, Steinmeier zu wählen, fehlen ihm doch einige Stimmen. Dafür haben überraschend sowohl Butterwegge als auch Glaser und Hold mehr Stimmen als erwartet und damit offenbar aus anderen Lagern erhalten.

Steinmeier war sieben Monate vor der Bundestagswahl am 24. September als Kandidat der großen Koalition ins Rennen gegangen. Weder Unions- noch SPD-Politiker wollten dies aber als Signal für eine erneute große Koalition nach der Bundestagswahl werten.

Frank-Walter Steinmeier ab 19. März offiziell im Amt

Zuletzt war 1999 mit Johannes Rau ein Sozialdemokrat ins höchste Staatsamt gewählt worden. Die Amtszeit des neuen Bundespräsidenten beginnt am 19. März, bis dahin ist Joachim Gauck (77) noch im Amt.

Lammert hatte Gauck in einer Rede vor der Wahl gewürdigt: "Das solidarische Miteinander der Bürgerinnen und Bürger lag Ihnen ganz besonders am Herzen."

Steinmeiers Ehefrau, die Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender, nahm neben der Lebensgefährtin von Joachim Gauck, Daniela Schadt, auf der Besuchertribüne Platz.

Unter den Wahlleuten waren Prominente wie der Komiker Hape Kerkeling, die Musiker Roland Kaiser und Peter Maffay, die Schauspielerinnen Iris Berben und Veronika Ferres sowie Bundestrainer Joachim Löw.

59 Prozent der Deutschen erwarten, dass Steimmeier ein guter Bundespräsident wird. Das ergab eine Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag". 19 Prozent glauben demnach nicht, dass Steinmeier ein guter Bundespräsident wird ("weiß nicht", keine Angabe: 22 Prozent).

(cai/dpa)