Die Wahl Frank-Walter Steinmeiers zum Bundespräsidenten ist keine Überraschung. Die Presse nimmt ihn gleich nach der Wahl in die Pflicht. Die Pressestimmen im Überblick.

  • tagesschau.de: "Steinmeier muss volksnäher werden"

    "Wer Steinmeiers Antrittsrede zugehört hat, der hörte einerseits den Außenminister reden, andererseits aber auch jemanden, der versucht, ein bisschen wie Joachim Gauck zu sein. An beidem ist erstmal nichts auszusetzen. Trotzdem sollte Steinmeier jetzt vor allem selber Mut beweisen. Den Mut, das was war abzuschütteln und mit seinem Herzen noch ein bisschen mehr ans Volk heranzurücken. Dann sind alle Voraussetzungen gegeben, dass Steinmeier als Mut-mach-Präsident ein Erfolg wird." Zum Artikel
  • Spiegel Online: "Ein Mutmacher gegen die Angstmacher"

    "Frank-Walter Steinmeier mag kein überbordend charismatischer Mensch sein, er kommt so wenig eitel und auftrumpfend daher, dass ihn mancher gar für einen Langweiler halten mag. Doch gerade in dieser ruhigen Beharrlichkeit, die Steinmeier auch schon als Außenminister gezeigt hat, liegt eine große Kraft. (...) Wenn der Bundespräsident Steinmeier den Wohlmeinenden Mut machen kann, sich nicht vom Geschrei verschrecken zu lassen, sondern beharrlich und unbeeindruckt vernunftgläubig weiter an einem Land zu arbeiten, das seinen Bewohnern und der Welt Hoffnung gibt - dann wird er der Präsident sein, den Deutschland braucht in dieser Zeit." Zum Artikel
  • Zeit Online: "Ein Präsident für harte Zeiten"

    Die Macht des Bundespräsidenten, hieß es immer, lebt vor allem von der Rede, weil seine wirkliche Macht äußerst begrenzt ist. Aber die Zeiten haben sich geändert. (...) Damit ändert sich auch die Rolle des Präsidenten. Er muss nicht nur die freiheitlichen Ideale im Inneren gegen ihre Feinde verteidigen, wie es Gauck immer wieder getan hat, und sich für einen Ausgleich in der Gesellschaft einsetzen. Er muss auch nach außen – soweit es die Grenzen seines Amtes zulassen – für diese demokratischen Werte und eine faire, offene, an den Menschenrechten orientierte Ordnung der Welt eintreten. Zum Artikel
  • faz.net: "Eine Wahl ohne Hinterzimmer"

    "Steinmeiers Präsidentschaft ist Ergebnis einer sehr viel selteneren Erscheinung: Das Hinterzimmer war leer. Die Wahl vom Sonntag bestand deshalb daraus, keine andere Wahl gehabt zu haben. Das wird die „Überparteilichkeit“ des neuen Bundespräsidenten so überschatten wie große Koalitionen eine Demokratie." Zum Artikel
  • rp-online: "Steinmeier - der Anti-Trump"

    "Steinmeier ist der Anti-Trump. Er twittert nicht, er erklärt lieber ausführlich und abgewogen.(...) Bei Steinmeier selbst besteht keine Gefahr, dass er das Amt des Bundespräsidenten parteipolitisch missbraucht. Schon als Außenminister war er vor allem Chefdiplomat und Repräsentant Deutschlands im Ausland. Dieser Haltung verdankt er auch seine große Beliebtheit im Volk." Zum Artikel
  • swr.de: "Höfliche Reden sind nicht seine Paradedisziplin"

    "Nun haben die Sozialdemokraten also zwei aktuelle Publikumsrenner an der Spitze und Konkurrentin Angela Merkel sieht dagegen alt aus. Das kann sich bis September aber noch ändern. Steinmeier kennen wir überwiegend von Bildern auf Flughäfen am anderen Ende der Welt. Jetzt muss er in Deutschland mitreißende Reden halten. Und das ist, höflich gesagt, nicht gerade seine Paradedisziplin." Zum Artikel
  • Stuttgarter Zeitung: "Levitenleser Lammert stiehlt Steinmeier die Show"

    "Angesichts seiner Abrechnung mit den Feinden der Demokratie, geriet es sogar zur Nebensache, dass Lammert damit dem eigentlich Star des Sonntagnachmittags ein wenig die Show gestohlen hat. In der Hauptsache hat er – so deutlich wie kein deutscher Offizieller zuvor – nicht nur die neue Trump-Administration kritisiert, sondern auch den Rechtspopulisten in Europa und Deutschland die Leviten gelesen. (...) Der künftige Bundespräsident Steinmeier hat genau in dieselbe Kerbe gehauen, an diesem Tag nur noch nicht ganz so mitreißend wie Norbert Lammert – aber das kann ja noch kommen." Zum Artikel
  • Neue Osnabrücker Zeitung: "Amt wird ihn in mehrfacher Hinsicht herausfordern"

    Frank-Walter Steinmeier tritt das Amt des Bundespräsidenten an, das ihn herausfordern wird – und das in mehrfacher Sicht. (...) Steinmeier wird aber alle Herausforderungen, die ihm als Staatsoberhaupt gestellt werden, sicher und im besten Sinne unseres Landes meistern. Das Rüstzeug, die Erfahrung und die menschlichen Qualitäten dazu hat er sich in seiner bisherigen politischen Karriere angeeignet. Nicht ohne Grund hat er sich in den letzten Jahren hohes Ansehen als Außenminister und Politiker erarbeitet." Zum Artikel
  • Badische Zeitung: "Frank-Walter Steinmeier ist eine Chance"

    "Wie es gehen könnte, machte am Sonntag ausgerechnet einer vor, den vielen gern als Präsident gesehen hätten: Bundestagspräsident Norbert Lammert verurteilte Abschottung und Vormachtstreben der USA unter Trump rhetorisch derart brillant, dass es die meisten Delegierten ergriffen von den Sitzen riss. Aber ach, Lammert hatte sich nicht aufstellen lassen, die CDU keinen anderen Kandidaten gefunden. Erst dieser Umstand brachte Steinmeier die Unterstützung der Union ein. CDU/CSU täten gut daran, dies jetzt nicht als Demütigung zu begreifen. Ein Präsident Steinmeier ist schließlich keine Schande, sondern eine Chance." Zum Artikel (ms)

Frank-Walter Steinmeier ist bereits im ersten Wahlgang von der Bundesversammlung zum neuen Bundespräsidenten gewählt worden. Die Reaktionen aus Politik und Gesellschaft fallen überwiegend positiv aus. Eine Übersicht.