Der neue Bundespräsident steht schon vor der Wahl so gut wie sicher fest: Es wird wohl Frank-Walter Steinmeier - der gemeinsame Kandidat der Großen Koalition. Wohl auch einige Grüne und FDPler dürften für Steinmeier stimmen. Die anderen drei Bewerber wurden von der Linkspartei, den Freien Wählern und der Alternative für Deutschland aufgestellt.

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Die Wahl des gemeinsamen Kandidaten auf das Amt des Bundespräsidenten von Union und SPD gilt als sicher. Denn die Regierungskoalition verfügt über weit mehr als die in den ersten beiden Wahlgängen nötigen 631 Stimmen. Somit dürfte Frank-Walter Steinmeier zum zwölften Bundespräsident werden.

Die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung

Insgesamt hat die Bundesversammlung 1.260 Mitglieder, jeweils zur Hälfte Bundestagsabgeordnete und Delegierte der Länder. Nach derzeitigem Stand entfallen auf die Union 539 Wahlleute, die SPD entsendet 384. Der drittgrößte Block sind die Grünen mit 147 Delegierten von Bundestag und Ländern, gefolgt von den Linken mit 95. Die nicht im Bundestag vertretene FDP kommt auf 36 nur von den Ländern entsandte Wahlleute, die AfD auf 35, die Piraten auf 11, die Freien Wähler aus Bayern auf 10. Jeweils einen Vertreter haben der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) und die Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegung/Freie Wähler (BVB/FW). Die im Januar 2017 aus der CDU ausgetretene Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach nimmt als Fraktionslose an der Wahl teil.

Der Kandidat der Linken: Christoph Butterwegge

Dennoch gibt es Gegenkandidaten. So hat die Linke den renommierten Armutsforscher Christoph Butterwegge nominiert. Er setzt sich für einen Umbau des Sozialstaats und eine neue Steuerpolitik ein. Um der immer größeren Kluft zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken und ein Auseinanderfallen der Gesellschaft zu verhindern, müsse es in Deutschland zu einer Umverteilung kommen, meint der parteilose Professor aus Köln.

Der 66-Jährige ist gefragter Talkshowgast, häufiger Interview-Partner und Redner - und nutzt seine Präsidentschaftskandidatur für die Linken, um noch stärker für sein Anliegen der sozialen Gerechtigkeit zu werben, wie er sagt.

Butterwegge war mal SPD-Mitglied, trat aber 2005 aus Protest gegen Hartz IV aus. Der großen Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wirft er "Reichtumsförderung statt Armutsbekämpfung" vor. Der Mindestlohn ändere wenig an einem wachsenden Niedriglohnsektor.

Der Wissenschaftler lehrt seit 1998 am Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften an der Uni Köln. Er hat viele Bücher verfasst, darunter "Krise und Zukunft des Sozialstaates" (2014), "Hartz IV und die Folgen" (2015) oder "Armut in einem reichen Land" (2016).

Auch als Extremismusforscher hat er sich einen Namen gemacht. Dass die NPD als "organisatorisches Rückgrat des deutschen Rechtsextremismus" vom Bundesverfassungsgericht nicht verboten wurde, hält er für falsch.

Der 66-Jährige ist mit Carolin Butterwegge verheiratet, die 2010 bis 2012 für die Linksfraktion im nordrhein-westfälischen Landtag saß. Die beiden haben zwei kleine Kinder.

Schon 2012 hatten die Linken Butterwegge gebeten, zur Wahl des Bundespräsidenten anzutreten. Damals entschied sich der Kölner aber gegen eine Kandidatur.

Der Kandidat der Freien Wähler (FW): Alexander Hold

Der wahrscheinlich bekannteste Gegenkandidat von Frank-Walter Steinmeier ist Alexander Hold. Häufig kommt er in die deutschen Fernsehstuben, um Recht zu sprechen - und das, obwohl schon seit Jahren keine neuen Folgen der Sat.1-Gerichtsshow Richter Alexander Hold mehr produziert werden.

Bei mehr als 2000 abgedrehten Episoden fallen Wiederholungen wohl nicht auf. Seinen Zuschauern sei er nach mehr als 15 Jahren auf dem Bildschirm vertraut "als jemand, der versucht, allen gerecht zu werden", versichert der 54-jährige Kemptener. Das müsste er auch als Bundespräsident versuchen - für alle Deutschen, nicht nur fürs Fernsehvolk.

Noch eine Eigenschaft des TV-Richters Hold sei für das höchste Staatsamt wichtig: Er sei der, der am Ende immer klar entscheide. "Und der vor allem das, was er entscheidet, auch erklärt." Daran fehle es in der großen Politik, meint der Jurist, der auch im wahren Leben Richter ist.

"Ich habe das Gefühl, dass wir gerade alle so ein bisschen das Vertrauen verlieren in unser Gemeinwesen, das Vertrauen in unsere große Politik, den Rechtsstaat, in die europäische Idee." Dieses Vertrauen zurückzugewinnen sei sein "Oberthema", sagt der Vater zweier Söhne.

Sollte es mit dem Einzug ins Schloss Bellevue nicht klappen - und danach sieht es aus - und auch die TV-Karriere irgendwann stocken, kann Hold zurück in den Staatsdienst. Vom Richteramt auf Lebenszeit ist er aktuell nur freigestellt. Rückkehr jederzeit möglich.

Auch Politik macht er schon länger. In Kempten sitzt er seit 2008 im Stadtrat, seit 2014 ist er Fraktionsvorsitzender. Außerdem wurde er 2013 für die Freien Wähler in den Bezirkstag Schwaben gewählt.

Der Kandidat der Alternative für Deutschland (AfD): Albrecht Glaser

Albrecht Glaser (74) hat mehr politische Erfahrungen gesammelt als die Mehrheit der Mitglieder der AfD. Diese Erfahrungen teilt der ehemalige CDU-Kommunalpolitiker auch gerne.

Für seine Parteifreunde ist es deshalb in Gesprächsrunden mit ihm manchmal nicht leicht, zu Wort zu kommen. In Hessen ist Glaser vor allem aus seiner Zeit als Stadtkämmerer von Frankfurt am Main bekannt.

Der Jurist schloss sich der AfD bereits kurz nach der Parteigründung 2013 an. Auf dem Bundesparteitag in Stuttgart 2015 wurde er zu einem von drei stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt.

Die Idee, ihn als Kandidaten der AfD zur Bundespräsidentenwahl zu schicken, kam nach Informationen aus Parteikreisen von Parteichefin Frauke Petry. Zu ihr pflegt Glaser ein gutes Verhältnis. Im Mai 2016 begleitete er Petry zu einem parteiintern umstrittenen Treffen mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek.

Als Vorsitzender der Bundesprogrammkommission wirkte Glaser maßgeblich an der Formulierung des 2016 verabschiedeten Grundsatzprogramms der AfD mit. In der parteiinternen Diskussion um umstrittene Forderungen des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke zum Holocaust-Gedenken in Deutschland schlug Glaser im Januar 2017 "Ordnungsmaßnahmen" vor.

"Mann von Manieren": Sonneborn will Vater als Bundespräsidenten

Der für seine schrägen Aktionen bekannte Europaabgeordnete der Spaß-Vereinigung "Die Partei", Martin Sonneborn, hat seinen Vater als nächsten Bundespräsidenten vorgeschlagen. "Er ist ein Mann von Manieren und großer Höflichkeit", sagte Sonneborn erst am Donnerstag.

Sein Papa sei zudem mit 79 Jahren im besten Alter für das hohe Amt. "Er pflegt ein konservatives Weltbild, was in der heutigen Zeit nicht verkehrt ist. Er würde mit Kanzlerin Angela Merkel ganz gut harmonieren." Und ja: "Mein Vater hat einen dunklen Anzug."

Ein netter Ulk Martin Sonneborns, den viele Deutsche eher aus der "Heute-Show" als aus dem EU-Parlament kennen? Ja und nein.

Denn der 51-Jährige ist am Sonntag Mitglied der Bundesversammlung, die das neue Staatsoberhaupt wählt. Entsandt wurde er von den Piraten im nordrhein-westfälischen Landtag - und überzeugte diese, seinen Vater gemeinsam offiziell als Bundespräsidenten-Kandidaten zu nominieren.

Sonneborn Senior war bei seiner Vorstellung in Berlin anwesend, sagte aber nichts. "Er wird erst im Amt große Reden schwingen", erläuterte Sohn Martin. Sein Schwerpunktthema werde nach der Freiheit, über die der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck oft sprach, die "Freizeit" sein.

(cai/dpa)