Christoph Waltz äußert in einem Interview Bedenken über die aktuellen Entwicklungen in der österreichischen Politik. Vor der Wiederholung der Stichwahl im Oktober ruft er zu Vernunft auf.

Oscar-Preisträger Christoph Waltz beobachtet die heimische Politik "mit größter Sorge". Vor der Bundespräsidentenwahl im Oktober ruft er die Österreicher zu Vernunft auf. Eine Wahlempfehlung will der in Los Angeles lebende Schauspieler jedoch nicht abgeben, wie er dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagte.

"Die Immigration ist durchaus eine Sache, die möglicherweise anders überlegt gehört – aber das heißt doch nicht, dass man jede Form der Überlegung willkürlich einer radikalen Nichtlösung opfert", monierte der 59-Jährige in dem Interview.

Waltz kritisiert "die Herren Populisten"

Waltz kritisierte "die Herren Populisten", allerdings ohne die FPÖ oder deren Kandidaten Norbert Hofer namentlich zu nennen. Er wolle keine simple Wahlempfehlung abgeben, erklärte der Wiener. Aber er wäre bereit, "mit Menschen über die Gründe zu sprechen, die sie lemmingartig zum Abgrund streben lassen".

Er glaube nicht daran, etwas ändern zu können, sagte Waltz, "aber ich habe schon das Bedürfnis, etwas beizutragen". Mit Blick auf US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump lobte der zweifache Oscar-Gewinner die politische Kultur in Deutschland: "Wissen Sie, aus der Distanz lernt man erst zu schätzen, wie demokratisch, freiheitlich und liberal denkend die deutsche Kultur ist, gerade auch die politische."

Waltz über Nigel Farage: "Ober-Ratte verlässt das Schiff"

Anfang Juli hatte sich Waltz kritisch zum Brexit und zum Rücktritt von Ukip-Chef Nigel Farage geäußert. "Nun, natürlich würde die Ober-Ratte das sinkende Schiff verlassen. Das ist unvermeidlich", sagte der 59-Jährige dem TV-Sender Sky News.

Auch mit den Verantwortlichen der "Leave"-Kampagne ging der Hollywoodstar hart ins Gericht: "Sie haben versucht, es als einen heldenhaften Abgang darzustellen, aber es ist das Eingeständnis eines Debakels."

Nach Waltz' Ansicht verlassen sie das Chaos und andere müssen aufräumen, während sie selbst sich in "irgendein anderes gewinnbringendes Geschäft" zurückziehen. "Das zeigt, wie verachtenswert diese Leute sind, da sie nicht einmal einstehen für etwas, das sie angerichtet haben."

Waltz gab in dem Interview zu, "etwas zu emotional" zu reagieren, weil er die "abgrundtiefe Dummheit" nicht begreifen könne. (ank)

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